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Haan-Gruiten
Rundes Jubiläum der Geschichtsgruppe

Hilden. Von Eike Hövermann

Zum 400. Mal trafen sich gestern Teilnehmer zum Stammtisch "Geschichte und Geschichten" . Der Name ist Programm.

Denn da es ja ein Stammtisch ist, folgt der Ablauf keinen besonderen Regeln. Die zehn Teilnehmer zum 400. redeten zunächst einmal fröhlich los, jeder mit seinen Sitznachbarn, so weit die Stimme ihn trug. Die Ersten packten alte Schriften oder selbstgezeichnete Rekonstruktionen alter Kirchen aus. Nebenbei wurden die drei die "400" zeigenden Kerzen ausgeblasen. Schließlich musste der Jubiläumskuchen ja gegessen werden.

"Wenn wir hier mal nicht weiter wissen, dann fragen wir den Herrn Forsthoff", sagte Lothar Weller, der 2004 den Stammtisch gemeinsam mit Otto Heinze () und Johann Peter Kratz ins Leben gerufen hat. Heinz Forsthoff ist 89-jähriger Ur-Gruitener und weiß allein deshalb schon viel über vergangene Zeiten. Er sei der letzte Gruitener - "oder der erste, wenn man von Mettmann aus kommt", scherzte der Landwirt. "Hier werden die Geschichten von früher erzählt", beschrieb er dann seine Motivation zur Teilnahme am Stammtisch. Als Lothar Weller 2003 mit seinen damaligen Mitstreitern das Archiv der ev.-ref. Kirchengemeinde aufbaute, stellte sich heraus, dass das Archivmaterial neben einer riesigen Anzahl von Kirchendokumenten auch einen Schatz an weltlichen Dokumenten aus früheren Jahrhunderten enthielt. Das älteste stammt von 1666. "Aus all den Fragmenten ergibt sich eine Gesamtgeschichte von Gruiten", sagte Weller, der seine Entdeckungen immer mit viel Begeisterung beschreibt. Mit einer neuen Runde Kaffee begann Weller dann doch, einige Tagesordnungspunkte abzuarbeiten. "Was war denn früher wohl auf dem alten Rockwell-Gelände?", fragte der 68-Jährige in die Runde. Alle sind sich einig: "Da war nix." Das Gedächtnis ist aktiviert und sofort kommen von allen Seiten des Tisches die Namen derer, die dort einmal in der Nähe wohnten, pachteten und vielleicht sogar bis heute ihre Felder haben. "Ach der Friedhelm", "War der nicht mit der Tochter vom..." und so weiter. Die Stimmung ist gesellig, freundschaftlich.

Auf viele Erfolge kann dieser Stammtisch zurückblicken - und Weller auf etliche Male Gänsehaut. Angefangen mit den mittelalterlichen Entdeckungen aus dem Archiv bis hin zu Skelett-Funden am alten romanischen Kirchturm. "Auch als wir vor knapp zwei Jahren von einer Dame rund 700 Seiten handgeschriebenes Material ab 1640 bekamen", hätten ihm die Haare zu Berge gestanden. Mittlerweile ist er bei den Aufzeichnungen um 1770 angelangt und hat noch viel vor sich.

Eigentlich war Lothar Weller im Marketing tätig. Erst seit der Gründung des Archivs ist er Hobby-Archivar, -Historiker und auch -Archäologe. Oft wird mit der Denkmalbehörde zusammen gearbeitet, kann etwas nicht entschlüsselt werden, hat Weller einen Philologen an der Hand: "Der knackt alle lateinischen Texte." Auch die Sinne der Gruitener hat der Stammtisch geschärft. "Wenn heute eine Haushaltsauflösung ist, schmeißen die Leute nicht einfach alles weg, sie sagen uns Bescheid", sagte Weller.

Quelle: RP
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