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Hilden
Stolperstein für Zwangsarbeiterin versetzt

Hilden. Wegen Bauarbeiten bekommt der Stein für eine 17-jährige Russin einen anderen Platz. Von Ilka Platzek

Dicht gedrängt steht eine kleine Gruppe des Arbeitskreises Stolperstein aus Hilden am Rande der Heiligenstraße. Auch Stadtarchivar Wolfgang Antweiler ist dabei. Im Archiv war der Stolperstein während der Bauarbeiten zwischengelagert. Eilige Autofahrer quetschen sich an ihnen vorbei. Hinter dem Bauzaun warten zwei Arbeiter darauf, den Stolperstein für Antonia Tscherbakowa erneut in den Bürgerstein zu versenken. Anita Ellsiepen, die Leiterin des Arbeitskreises, bittet die Teilnehmer hinter den sicheren Zaun.

Hier, an der Heiligenstraße 13, im ehemaligen "Jueck" hat die junge Russin aus Sacharowa als Haushaltshilfe gearbeitet: "Sie war erst 15, als sie hierher kam", erzählt Anita Ellsiepen. An der Heiligenstraße 13 hat sie bei einer Familie Joost als Hilfsarbeiterin gearbeitet, erfährt man aus der Dokumentation des Arbeitskreises Stolpersteine "Steine gegen das Vergessen -Stolpersteine in Hilden". Zuvor war´das junge Mädchen laut ihrer Meldekarte ein halbes Jahr in der Eisengießerei Gerwien an der Walder Straße 99 beschäftigt und danach neun Monate krank. Nach wenigen Monaten im Dienste der Familie Joost wurde sie im April 1944 wegen "Arbeitsunlust und Frechheit gegen Frau Joost, ihre Arbeitgeberin" verhaftet und nach zwei Tagen, am 16. April, wieder entlassen. Zwei Tage später wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Düsseldorf-Grafenberg eingewiesen und wenig später in die Heil- und Pflegeanstalt Meseritz-Obrawalde verlegt: "Das war eine der nationalsozialistischen Tötungsanstalten", weiß Ellsiepen. Am 18. Mai wurde Antonia Tscherbakowa getötet. "Die haben das alles dokumentiert. Sie wurde um 2.30 Uhr unter der Nummer 1817 ermordet. Die haben dort im Viertelstundentakt Leute per Giftspritze umgebracht."

Antonia Tscherbakowa wurde nur 17 Jahre alt. Sie fiel dem Euthanasieprogramm der Nazis zum Opfer. Offizielle Begründung laut Patientenbuch: "Nahrungsverweigerung, Erregungszustand und allgemeine Entkräftung".

Der Arbeitskreis sieht zu, wie der Stolperstein erneut verlegt wird, und redet über die wenigen Hildener Zwangsarbeiter, zu denen man Kontakt hat(te) und die erst 55 Jahre nach Kriegsende im Rentenalter eine kleine Entschädigung bekommen haben: "Das Geld haben sie dann für Brillen oder Zahnersatz ausgegeben", sagt Ellsiepen bitter.

Quelle: RP
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