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Radserie 2017
Trend zu Elektro-Bike und Pedelec hält an

Radserie 2017: Trend zu Elektro-Bike und Pedelec hält an
Ist selbst ein begeisterter Radler: Händler Jörg Leitner. FOTO: dietrich janicki
Hilden. Das Tragen eines Helms ist ein ganz entscheidender Faktor für mehr Sicherheit im Straßenverkehr, betont Experte Jörg Leitner. Er betreibt ein Fahrradgeschäft in Mettmann und ist selbst begeisterter Radfahrer.

Welche neuen Trends gibt es im Fahrradbereich?

Leitner Der Trend zum Pedelec ist weiterhin ungebrochen. Trotz erhöhter Auflage bei den Herstellern, sind viele 2017er Modelle schon jetzt vergriffen. Interessant ist, dass dies gleichermaßen im Mountainbike-Bereich (MTB) zu beobachten ist. Viele Fahrer, die sich in der Vergangenheit ein teures Fully (voll gefedertes MTB) geleistet haben, schwenken um auf ein motorunterstütztes MTB, das nur unwesentlich teurer ist. Es scheinen sich weniger Leute "quälen" zu wollen, als allgemein angenommen! Der Spaß steht eindeutig im Vordergrund.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Leitner Ein weiterer großer Trend ist die Finanzierung von E-Bikes. Besonders attraktiv sind Leasing-Angebote für Selbstständige und für Arbeitnehmer, die in Abstimmung mit dem Arbeitgeber ihr Rad als Dienstrad (1%-Regelung für Dienstfahrzeuge) über drei Jahre leasen können. Auf diesem Wege sind in diesem Jahr auch bereits einige Räder bei mir verkauft worden. Der Trend zu Lastenfahrrädern, der momentan in den Großstädten zu beobachten ist, nimmt bei uns nur sehr langsam Fahrt auf.

Wie groß sind die Zuwachsraten bei den Elektro-Fahrrädern?

Leitner Auf Deutschlands Straßen sind laut dem ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) inzwischen drei Millionen Elektroräder unterwegs (Stand März 2017). Die Absatzzahlen hierzulande sind insbesondere seit 2008 deutlich gestiegen. Noch 2005 hatten E-Bikes lediglich einen Anteil von 0,5 Prozent am Fahrradabsatz; 2010 waren es bereits 5 Prozent und 2012 schon 10 Prozent. Die Zahlen belegen die wachsende Bedeutung des E-Bikes. In Verkaufszahlen ausgedrückt wird die zunehmende Nachfrage noch deutlicher. Konnten 2005 lt. ZIV 25.000 E-Bikes verkauft werden, waren es 2010 schon 200.000. Bis 2016 stiegen die Absatzzahlen kontinuierlich auf 600.000 St p.a. ( 2012: 380.000, 2013: 430.000, 2015: 535.000).

Werden die E-Bikes und Pedelecs die herkömmlichen Fahrräder ersetzen?

Leitner Auf keinen Fall! Ich persönlich glaube zwar, dass sich der Anteil der "analogen" Räder weiter reduzieren wird. Vollständig ersetzt werden sie aber nicht. Herkömmliche Rennräder, MTBs, Touren-, Trekking- und Citybikes werden wir weiterhin auf den Straßen sehen.

Wo liegt die Gefahr bei E-Rädern?

Leitner Durch das elektrisch unterstützte Fahren erschließt sich ein wesentlich größerer Kreis an Fahrern, die sonst womöglich nie mehr aufs Rad gestiegen wären. Auch in unserer bergigen Gegend ist es so mittlerweile ein Kinderspiel, Wege mit dem E-Bike zu erledigen. Die Folge ist, dass auch viele unerfahrene Radler auf unseren Straßen unterwegs sind. Die Unfallstatistik spiegelt das deutlich wider: Anstieg der Pedelec-Unfälle in 2016 = 39% zum Vorjahreszeitraum (3214 Unfälle mit 46 Todesfällen 2016, zu 2313 Unfällen bei 26 Todesfällen 2015). Das bedeutet aber nicht, dass es grundsätzlich gefährlicher ist, mit dem Pedelec unterwegs zu sein. Das Unfallrisiko ist nicht höher als das auf konventionellen Fahrrädern. Es zeigt vielmehr, dass aufgrund der steigenden Absatzzahlen der Anteil an E-Bikes am Straßenverkehr stetig größer wird und durch die höhere Kilometerleistung das Unfallrisiko proportional ansteigt. Auch die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei Pedelecs um nur rund zwei km/h höher als beim Fahrrad.

Was ist beim Kauf eines E-Bikes zu beachten?

Leitner Mittlerweile gibt es für jeden "Radel-Typ" das passende Rad! Die Vielfalt an E-Bikes ist nahezu unbegrenzt. Wichtig ist, dass man weiß, wie man sein Rad zukünftig einsetzen will. Geht es eher 2 bis 3 x im Jahr bei schönem Wetter auf die Trasse, oder nutze ich mein Rad tagtäglich, bei jedem Wetter, auf allen Pisten der Region? Je genauer diese Fragen beantwortet werden können, umso besser kann ein Pedelec auf den Anwender zugeschneidert und ausgewählt werden.

Sind Mountain-Bike, Crossrad oder Outdoor-Rad aus der Mode gekommen?

Leitner Der große Hype der letzten Jahre ist definitiv vorbei. Jedoch bleibt die Attraktivität dieser Räder groß. Ich bin überzeugt davon, dass die genannten Radtypen weiterhin ihren Marktanteil haben werden.

Wie stehen Sie zur Helmpflicht?

Leitner Mir gefällt der Satz: "Wer ein Hirn hat, schützt es!" Das bringt es auf den Punkt. Wer behauptet, dass er die 60er, 70er, 80er Jahre auch ohne Helm überlebt hat, liegt zwar nicht ganz falsch. Er verdrängt allerdings, dass sich der Straßenverkehr seitdem extrem verändert hat. Die Risiken liegen oft nicht beim Radfahrer selbst, sondern bei den beteiligten Verkehrsteilnehmern. Es gibt eine überzeugende Zahl zu diesem Thema: 90% der tödlichen Fahrradunfälle sind auf das Nichttragen eines Helms zurückzuführen.

Retroräder sind sehr im Trend. Ein modischer Schnickschnack, der auch noch teuer ist oder eine sinnvolle Ergänzung?

Leitner Sinnvolle Ergänzung! Als Oldtimerfan fragen Sie hier allerdings einen nicht ganz unbefangenen Kandidaten.

Welches Fahrrad nutzen Sie in Ihrer Freizeit?

Leitner Ich bin begeisterter MTB-Fahrer. Das aktuelle Bike ist ein TREK Remedy 9 von 2015.

CHRISTOPH ZACHARIAS STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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