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Hückelhoven
In der Gemeinde Spuren hinterlassen

Hückelhoven: In der Gemeinde Spuren hinterlassen
Gruppenbild mit scheidender Dame: Im Kreis von Kollegen und des Presbyteriums nahm Pfarrerin Irene Schlawin (im hellen Kleid; hinter ihr Superintendent Jens Sannig) mit ihrem Mann Thomas Görlich Abschied. FOTO: RUTH KLAPPROTH
Hückelhoven. Der Traum vom Leben in Norddeutschland führt 328 Kilometer weg von Hückelhoven. Pfarrerin Irene Schlawin feierte den letzten Gottesdienst in der Denkmalkirche ohne Wehmut. Die Gemeinde verabschiedete sie in Dankbarkeit. Von Willi Spichartz

Wehmutstimmung kam nicht auf, auch wenn es ein Abschied nach 28 Jahren war: Pfarrerin Irene Schlawin von der evangelischen Kirchengemeinde Hückelhoven mit den Standorten Innenstadt und Hilfarth feierte ihren letzten Gottesdienst in der Denkmalkirche an der Haagstraße, die weit überfüllt war. Von dort aus wurde der Gottesdienst ins benachbarte Gemeindehaus übertragen. Wehmut auch deshalb nicht, da die 54-jährige Theologin mit gewohnt-energischer Art und kurz-prägnanten Worten keinen Zweifel daran ließ, dass an ihrem und ihres Mannes Thomas Görlichs Traum vom Leben in Norddeutschland nicht mehr gerüttelt werden konnte.

Dankbarkeit war denn auch das vorherrschende Stimmungsbild sowohl im Gottesdienst wie auch in der anschließenden Abschiedsfeier mit zahlreichen Reden und Geschenken, beides bühnenfüllend für mehrere Stunden. Und dass Irene Schlawin für die 28 Jahre Hückelhoven, Schwerpunkt Kirchenbezirk Hilfarth, selbst dankbar war, zeigte sie darin, dass sie eine Person abschließend heraushob: Ruhestands-Pfarrer Albert Wegmann: "Du hast damals zur Neubesetzung der Pfarrstelle allen gesagt' die (Schlawin) ist es!'"

Schwarze Kittel, ebensolche Schachthüte und Grubengeleucht - der Knappenverein St. Barbara Hil-farth-Hückelhoven zeigte sowohl im Gottesdienst wie auch in der Nachfeier deutliche Präsenz. Und die erläuterte für den Verein Hans-Georg Rieß, der daran erinnerte, dass Pfarrerin Schlawin 25 Jahre lang den ökumenischen Gottesdienst zur Barbara-Feier gestaltet und bergmännischen "Stallgeruch" aufgenommen habe.

Dass Irene Schlawin eine eigenständige Person ist, machte Jens Sannig als Superintendent des Kirchenkreises Jülich deutlich: "Ich gucke gern englische Krimis, da ist der Super-Intendent der Polizeichef. Der hat's schwer, denn die Mitarbeiter machen immer, was sie wollen. Du, Irene, machst auch immer, was Du willst. Mein letzter Versuch, Dich hier zu halten, ist auch vergeblich. Dennoch bleibst Du in großer Dankbarkeit in der Hückelhovener Gemeinde und im Kirchenkreis. Die Früchte Deiner Arbeit bleiben ebenfalls." Die Gemeindeglieder im oldenburgischen Ganderkesee (Betonung auf der letzten Silbe) könnten sich glücklich schätzen, Irene Schlawin zur Pfarrerin zu haben, sagte Sannig. Und mit Ehemann Thomas Görlich einen starken ehrenamtlichen Mitstreiter in der Gemeindearbeit dazu.

Alle Gemeindeeinrichtungen und -gruppen sowie Mitarbeiter dankten herzlich. Nach dem "offiziellen Teil" nahm eine lange Schlange von Menschen der ehemaligen Bergbaustadt persönlich Abschied von der (fast immer) gut gelaunten Pfarrerin.

Den Gottesdienst gestalteten mit viel Musik die Posaunenchöre Hückelhoven und Hilfarth ebenso mit wie der Chor "Haag-Singers" (die Kirche liegt in der Haagstraße).

Die Rednerliste, die Presbyteriums-Vorsitzende Sabine Neumann-Jähnke führte, wurde lang und länger, darin auch Andrea Axer als Stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Hückelhoven, die für engagierte Pfarr-Jugendarbeit und das langjährige Mittun im Jugendhilfeausschuss des Rates dankte.

Zum Schluss des Gottesdiensts intonierte die ganze Kirche Irene Schlawins "Lieblingsabschiedslied", Michael Jacksons "We are the World". Ganderkesee ist nicht ganz aus der Welt - es sind 328 Autokilometer in einer etwa drei-einviertelstündigen Fahrtzeit, zum Sohn Johannes und weiteren Familienmitgliedern in Hückelhoven werden die Eheleute Schlawin-Görlich diese Reise öfter tun.

Quelle: RP
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