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Sommerinterview Michael Wolter (uwg)
"Die Stadtentwicklung kommt zu kurz"

Sommerinterview Michael Wolter (uwg): "Die Stadtentwicklung kommt zu kurz"
Der Bau der inneren Ortsumgehung (Alte Ladestraße) war ein wichtiges Projekt zur Stadtentwicklung. Die UWG fordert, dass die Verwaltung wieder den Fokus verstärkt darauf setzt. FOTO: Büllesbach (Archiv)
Hückeswagen. Die Hälfte der Legislaturperiode ist vorbei, 2020 wird ein neuer Stadtrat gewählt. Anlass für unsere Redaktion, mit den Frak-tionsvorsitzenden über die "erste Halbzeit" und die künftigen Herausforderungen zu sprechen. Heute: Michael Wolter (UWG).

Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Dinge, die die Hückeswagener Politik in den vergangenen zweieinhalb Jahren angestoßen hat.

Wolter Die Festlegung des Standorts für ein neues Feuerwehrhaus. Den Erhalt der freiwilligen Zuschüsse zur Sport-, Kultur- und Jugendförderung trotz des Haushaltsicherungskonzepts (HSK). Und ganz aktuell die Entscheidung bezüglich des Ordnungsdienstes, bei dem wir unseren Weg gehen und nicht in Gänze dem Oberbergischen Kreis folgen.

Warum ausgerechnet diese drei?

Wolter Unsere freiwillige Feuerwehr macht eine exzellente Arbeit. Der jetzige Standort sowie die dortige Ausstattung sind nicht mehr zeitgemäß und entsprechen nicht mehr allen gesetzlichen Auflagen. Ein neues modernes Gebäude ist nicht nur aus technischer Sicht notwendig, sondern wird auch zur Attraktivität der Feuerwehr beitragen. Mit den Zuschüssen an die Vereine werden das Ehrenamt gewürdigt und die Vereinsarbeit unterstützt. Dies ist ein wichtiger Aspekt und erhöht die Lebensqualität aller Bürger in der Stadt. Hückeswagen hat schon sehr früh auf nebenberufliche Ordnungskräfte gesetzt, die in der Stadt präsent sind. Diese Menschen, die sich in Hückeswagen auskennen, machen ihre Arbeit mit viel Fingerspitzengefühl und erzeugen ein hohes Maß an Sicherheit für die Bürger.

Was sind die Ihrer Ansicht nach drei größten Flops seit der Kommunalwahl im September 2014?

Wolter Dass es mit der Stadtentwicklung nicht vorangeht. Die genannten Geldbeträge, die zur Entscheidung bezüglich der Schulstandorte geführt haben. Und die Diskussion um den Eingang zum Heimatmuseum.

Warum?

Wolter Es gab Arbeitskreise und Expertenvorträge zur Stadtentwicklung, aber zurzeit sehe ich keine Weiterentwicklung auf diesem Gebiet. In den Dokumenten zum Schulentwicklungsplan wurden die Kosten für die Montanusschule und die Realschule mit zwölf Millionen beziffert, nun sollen nur die Maßnahmen an der Montanusschule 20 Millionen Euro kosten. Auch wenn man weiß, dass diese Beträge auf groben Planungen basieren, ärgert solch eine Kostenexplosion schon sehr. Zum Heimatmuseum hätte ich mir eine Diskussion gewünscht, die nicht nur den barrierefreien Zugang, sondern auch zum Beispiel eine Behindertentoilette berücksichtigt hätte. Einen ganzheitlichen Ansatz hätte ich besser gefunden.

Was läuft zurzeit gut in der Stadt?

Wolter Der Servicegrad der Verwaltung ist ganz ausgezeichnet. Welche Verwaltung öffnet schon am Wochenende sein Bürgerbüro? Wir in Hückeswagen! Aus meiner Sicht sind wir auch auf einem guten Weg zum Erhalt der Bücherei in der jetzigen Infrastruktur. Und die neue Brücke am Höchsten über den Radweg finde ich richtig gut.

Und was läuft schlecht? Woran muss noch gearbeitet werden?

Wolter Wie schon gesagt: Die Stadtentwicklung kommt mir zurzeit zu kurz. Auch wenn die Haushaltsmittel knapp sind, muss man frühzeitig vordenken.

Was sind die größten Herausforderungen für Hückeswagen in den kommenden zehn Jahren?

Wolter Die Stadtentwicklung zu forcieren, um mit Fingerspitzengefühl dem demografischen Wandel zu begegnen sowie die Attraktivität des Standorts Hückeswagen zu erhalten und zu steigern, um die Einwohnerzahl mindestens stabil zu halten. Besser wäre es, neue Bürger und Betriebe zu werben. Natürlich ist auch ein ausgeglichener Haushalt eine große Herausforderung in den nächsten Jahren.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Bürgermeister Dietmar Persian?

Wolter Der Bürgermeister als Verwaltungsfachmann macht eine gute Arbeit. Ich glaube, er nimmt die Damen und Herren der Verwaltung im Sinne und zum Vorteil der Bürger mit.

Noch ein kurzer Ausblick auf den Wahlabend im Herbst 2020: Wo sehen Sie dann Ihre Partei in Hückeswagen?

Wolter Für die UWG in Hückeswagen ist es wichtig, dass wir uns unabhängig den Themen der Stadt stellen. Als Gegenpol zu den großen Parteien werden die Bürger unsere Arbeit, die doch mehr lokal orientiert ist, hoffentlich mit ihren Stimmen unterstützen.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Haben Sie jetzt politische Sommerferien oder lassen die lokalen Themen Sie nicht los?

Wolter Ich sehe es tatsächlich so, dass derzeit politische Sommerferien sind und es deshalb auch ganz gut und wichtig ist, durchzuatmen und neue Kraft zu schöpfen. Aber so ganz kann man natürlich nicht loslassen, da mich die aktuellen Themen der Stadt Hückeswagen auch im Urlaub interessieren. Dank des Internets ist man ja nie weit weg.

STEPHAN BÜLLESBACH STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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