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Ansichtssache
Hückeswagen braucht dringend wieder ein starkes "Wir-Gefühl"

Ansichtssache: Hückeswagen braucht dringend wieder ein starkes "Wir-Gefühl"
FOTO: Moll Jürgen
Hückeswagen. Beim Blick auf 2008 und die folgenden Jahre wird deutlich, dass sich die Stimmung in der Stadt zum Negativen gewendet hat. Stand damals das Miteinander im Mittelpunkt, liegt der Fokus aktuell auf dem Trennenden. Hückeswagen sollte sich daher endlich wieder auf das Gemeinsame konzentrieren. Von Stephan Büllesbach

Das ist schon zehn Jahre her? Das mag sich so mancher in dieser Woche gefragt haben, als unsere Redaktion an den Gewinn des ersten WDR 2-Tags im März 2008 erinnerte. Es sind in der Tat schon zehn Jahre, seitdem ein Ruck durch die Stadt ging. Die Ausrichtung des WDR 2-Tags war der Beginn einer Phase in Hückeswagen, die gekennzeichnet war durch Aufbruch, Leidenschaft und Erfolg. Die Stimmung in der Schloss-Stadt war angenehm und entspannt, freundschaftlich und mitunter sogar euphorisch. Es folgten die Sommerbob-Rennen, und das Ganze gipfelte schließlich in dem scheinbaren Hirngespinst des damaligen Bürgermeisters Uwe Ufer, den NRW-Tag 2013 in die bergische Kleinstadt zu holen. Es war bezeichnend, dass Hückeswagen sich nicht nur tatsächlich bewarb, sondern im März 2010 - nicht zuletzt auch dank der Fürsprache des CDU-Landtagsabgeordneten und heutigen Justizministers Peter Biesenbach im damaligen schwarz-gelben Kabinett für seine Heimatstadt - den Zuschlag erhielt. Dass die Loveparade-Katastrophe ein knappes halbes Jahr später und die dadurch verschärften Sicherheitsauflagen für Großereignisse Ufer im Mai 2012 den NRW-Tag absagen ließ, war zwar bedauerlich, letztlich aber konsequent.

Die Organisation von WDR 2-Tag und Sommerbob-Rennen sowie die Planungen für den NRW-Tag hatten in der Stadt jedoch zu etwas geführt, was es lange Zeit nicht gegeben hatte: ein unglaubliches Wir-Gefühl. Hückeswagen hatte sich aus dem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf befreit und bewiesen, dass es nicht provinziell ist, sondern kreativ und offen.

Was davon geblieben ist im Jahr 2018? Wenig bis nichts. Großveranstaltungen gibt es - bis aufs Altstadtfest - nicht mehr. Dass voraussichtlich keine Sommerbobs mehr fahren, liegt allerdings nicht an der Stadt, sondern am Bobverband. Und für die Absage der Bierbörse sind die Hückeswagener nun wahrlich nicht verantwortlich. Immerhin gibt's mit dem 1. "Hückeswagener Biermarkt" am ersten Mai-Wochenende wieder einen Ansatz, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.

Doch die Stimmung in der Stadt, die wieder in den Dornröschenschlaf zu fallen droht, ist leider überhaupt nicht mehr vergleichbar mit der von 2008 oder den Jahren danach. Vielleicht sind die Probleme, die auf der Stadt lasten, zu groß - wie Haushaltssicherungskonzept, Steuererhöhungen, Flüchtlingszuweisungen, Scheitern der Sekundarschule und der aktuelle Streit beim Thema "Schule". Der Riss, so zeigt sich, geht durch die Bevölkerung wie auch durch die Politik. Gab es vor wenigen Jahren noch ein Miteinander - etwa in der Politik, wo alle wichtigen Entscheidungen einvernehmlich getroffen wurden -, hauen sich die Hückeswagener am Stammtisch, in den politischen Gremien oder sozialen Netzwerken (die vor zehn Jahren noch bei weitem nicht die Bedeutung hatten, wie heutzutage) verbal die Köpfe ein. Aktuell ist das deutlich geworden beim Bürgerbergehren und dem jetzt anstehenden Bürgerentscheid.

Vielleicht sollten sich die Menschen in Hückeswagen wieder an den März 2008 zurückerinnern, als sie gemeinsam den WDR 2-Tag in die Schloss-Stadt holten, diesen anschließend organisierten und feierten. Mag das Wir-Gefühl für so manchen im Laufe der Jahre zu einem abgestandenen Begriff geworden sein, so ist es für Hückeswagen aktuell doch wieder von großer Bedeutung. Das Motto muss lauten: Gemeinsam etwas voranbringen statt gegeneinander agieren.

Der anstehende "Biermarkt" ist eine gute Gelegenheit, das Gemeinsame wieder anzugehen. Weitere Großveranstaltungen in der Stadt - von Hückeswagenern für Hückeswagener - könnte das Wir-Gefühl wieder zurückholen. Es wird Zeit, intensiv darüber nachzudenken, etwa über Veranstaltungen in den Wupperauen (in der Vergangenheit häufig ein Thema, aber nie realisiert). Und auch über Aktionen auf dem Schlosshof, zum Beispiel Themen-Märkte, sollten ins Auge gefasst werden. Die FaB hatte im Frühjahr 2017 einen Vorstoß gemacht für mehr "Action am Schloss". Gemeinsam mit dem Stadtmarketing hatte sie die Hückeswagener aufgerufen, Ideen dafür einzureichen. Getan hat sich bislang nicht. Es wird Zeit, dass sich etwas ändert.

Quelle: RP
 
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