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Hückeswagen
Kinder immer wieder Opfer von Gewalt

Hückeswagen. Das Jugendamt des Oberbergischen Kreises, das auch für Hückeswagen zuständig ist, beschäftigt sich jeden Tag mit Hinweisen und Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdung. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 442 Verfahren. Von Joachim Rüttgen

Die Zahlen sind alarmierend und bewegen sich auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Das Kreisjugendamt beschäftigt sich täglich mit Hinweisen und Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdung. Wie die Pädagogische Leiterin, Annemarie Jacob-Ogbukadike, mitteilt, gab es im vergangenen Jahr 442 Verfahren (2013 waren es 439, 2012 469), akute Kindeswohlgefährdung lag in 61 Fällen vor (2013: 51, 2012: 48), eine latente Gefährdung in 43 Fällen (2013: 58, 2012: 87), Hilfebedarf in 152 Fällen (2013: 170, 2012: 151), keine Gefährdung und auch kein Hilfebedarf bei 186 Fällen (2013: 160, 2012: 183).

"Kindeswohlgefährdung ist bei 442 Meldungen und im Durchschnitt 220 Arbeitstagen im Jahr bei uns also jeden Tag ein Thema", sagt sie. Täglich hätten Kollegen Innendienst, um Hinweise am Telefon entgegenzunehmen. "Wir sind immer erreichbar unter Tel. 02261 885198", sagt Annemarie Jacob-Ogbukadike. Die Zahlen würden kreisweit zwar nicht steigen, der Handlungsbedarf seitens der Jugendhilfe sei aber gleichgeblieben.

"Zunächst stellen wir bei einem Hinweis Nachfragen, um uns ein Bild von der Situation zu machen. Wenn die Kollegen glauben, alles zu wissen, treffen sich unsere Fachleute, um das Risiko abzuschätzen", sagt Annemarie Jacob-Ogbukadike. Dabei gehe es darum, was die Kollegen gehört haben, ob die Familie bekannt ist und ob ein Hausbesuch angeraten ist. "Rücken wir sofort raus, nehmen wir auch Kindersitze mit", sagt die Pädagogische Leitung.

Bei Hausbesuchen tritt das Kreisjugendamt immer mit zwei Mitarbeitern auf. Diese versuchen im Gespräch mit den Eltern, eine Lösung zu finden. Anschließend werden im Amt die weiteren Schritte besprochen: "Manchmal müssen wir Kinder auch aus ihren Familien nehmen, was wir aber vermeiden wollen", sagt Annemarie Jacob-Ogbukadike. Sie hält es für richtig, wenn viele Menschen die Augen offen halten und bei Verdachtsfällen entsprechend reagieren. "Wir gehen allen Hinweisen nach", versichert sie.

Trotzdem könne es manchmal auch ratsam sein, nicht sofort das Amt zu informieren. Denn wenn eine Vertrauensbasis zu den Nachbarn gegeben sei, könne man auch über diese Ebene versuchen, Einfluss zu nehmen und das Gespräch suchen. Ob fürs Amt oder die Nachbarn: Die persönliche Ansprache sei wichtig, auf dieser Ebene ließen sich oft schon viele Dinge klären, sagt Annemarie Jacob-Ogbukadike.

Das Kreisjugendamt vermittelt in einigen Fällen auch weiter an Kooperationspartner wie an die Beratungsstelle Herbstmühle in Wipperfürth. Oft gehe es um niederschwellige Angebote, bei denen die Hilfesuchenden keine Angst haben müssen, aktenkundig zu werden.

Bei den 61 Fällen der akuten Gefährdung 2014 wurden die Kinder geschlagen oder über einen längeren Zeitraum vernachlässigt. "So sind sie in ihrer Entwicklung verzögert. Das ist dann der Fall, wenn ein drei- oder vierjähriges Kind nicht ein Wort spricht", sagt Annemarie Jacob-Ogbukadike. Was ihre Kollegen vor Ort in den Wohnungen zu sehen bekommen, darüber will sie im Detail nicht sprechen, so schrecklich sind manchmal die Bilder: völlig verdreckte Wohnungen, in denen Krabbel- und Kleinkinder leben müssen, dazu Zigaretten überall. Aber auch mit körperlichen Übergriffen und sexuellem Missbrauch muss sich das Amt beschäftigen. "Dieses Thema belastet am schlimmsten, zumal es eine hohe Dunkelziffer gibt", sagt sie.

Das Kreisjugendamt verfügt zwar nicht über ein Spezialteam, aber Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und Diplom-Pädagogen kümmern sich fachlich kompetent um die Fälle. Die Hilfe für die eigenen Mitarbeiter ist da ganz wichtig.

Quelle: RP
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