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Hückeswagen
Lämmchen Emma lässt es sich gut gehen

Hückeswagen: Lämmchen Emma lässt es sich gut gehen
So süß: Svea-Marieke (l./10) und ihre Schwester Anna Pauline (7) mit Lämmchen Emma. Auf dem Glöckner-Hof in Maisdörpe fühlen sich Mensch und Tier sichtlich wohl. Ein Streichelzoo ist der Hof trotzdem nicht. FOTO: wolfgang weitzdörfer
Hückeswagen. Auf dem Glöckner-Hof in Maisdörpe gibt es viele Tiere. Mit ihnen kümmert sich die Natur- und tiergestützte Pädagogin Grit Glöckner-Kolodziej um Menschen in Sinnkrisen. Aber auch Mädchen und Jungen lieben gerade die kleinen Tiere. Von Wolfgang Weitzdörfer

Grit Glöckner-Kolodziej liebt Tiere. Neben einem großen Briar-Rüden gibt es auf dem Glöckner-Hof ihres Vaters Gerd Glöckner, auf dem die 46-Jährige mit ihrem Mann Stefan und ihren Kindern lebt, noch eine Vielzahl anderer Tiere: Kühe, Hühner, Esel, Ziegen - und Schafe. Die sind gerade Eltern geworden, eine Menge der zwei Wochen alten Tiere springt fröhlich herum, Lämmchen Emma wird von Svea-Marieke (10) und ihrer Schwester Anna Pauline (7) aus der Nachbarschaft gerade gestreichelt. "Wir kommen immer wieder auf den Glöckner-Hof und gucken uns die Tiere an. Die Lämmchen sind so süß", sagen beide Mädchen. "Wir sind aber kein Streichelzoo, auch wenn wir immer wieder solche Anfragen bekommen", betont Grit Glöckner-Kolodziej. Ihr ist es hingegen besonders wichtig, das Wissen um die heimische Tierwelt zu vermitteln. "Viele Kinder wagen doch kaum noch den Schritt in den Hühnerstall", sagt sie. Dafür empfängt sie Kindergarten- und Schulkinder auf dem Lern- und Bauernhof.

Ursprünglich hat die Natur- und tiergestützte Pädagogin eine kaufmännische Ausbildung gemacht, den Weg zur Naturpädagogik ist sie vor sieben Jahren gegangen. "Da hat unsere Tochter Diabetes bekommen. Das hat bei mir eine Sinnfrage ausgelöst." Zuerst machte die 46-Jährige die Ausbildung zur Naturpädagogin, im Anschluss folgte eine als tiergestützte Pädagogin. Ein stetiges Lernen ist inbegriffen. "Alles ist im Fluss, im Aufbau", sagt sie lächelnd. Es ist deutlich zu merken, dass hier jemand seine Bestimmung gefunden hat.

Es sind aber nicht nur Kinder, die zu der 46-Jährigen auf den Hof kommen. "Auch Erwachsene finden hier Hilfe. Sie kommen mit Sinnkrisen, privaten Problemen oder auch Burn-out", sagt Grit Glöckner-Kolodziej, die zudem im Oktober 2016 eine Ausbildung zur systemischen Beraterin begonnen hat. Sie weiß, dass jedes Tier jeden Menschen berührt - auf die eine oder andere Weise. "Das Tier ist kein Therapeut, es ist ein Mittler", stellt die 46-Jährige klar.

Sie führt das Beispiel einer Frau an, die mit einer tiefen Traurigkeit zu ihr gekommen ist. "Wir sind dann zu den Schafen gegangen und haben sie betrachtet. Sie bilden ja einen Familienverband." Irgendwann sei herausgekommen, dass die Familie der Frau gerade auseinanderbrach. "Sie brauchte aber diesen Familienzusammenhalt. Das hat sie durch die Tiere herausgefunden", sagt Grit Glöckner-Kolodziej. Darum gehe es: zu sehen, wo man stehe, wo man sich befinde. Beim Betrachten der Natur und der Tiere gehe dies besonders gut. "Wir trinken dann noch Tee zusammen - und dann kann es passieren, dass Gefühle hochkommen."

Mit den Kindern hingegen gehe es um Selbstwirksamkeitserfahrung. "Sie können etwa in Ferienwochen auf dem Hof erfahren, dass sie die Tiere versorgen, im Wald schnitzen, gemeinsam kochen und den ganzen Tag draußen sein können. Das tut ihnen sehr gut", sagt die 46-Jährige und merkt lachend an: "Eine Mutter, die ihr Kind einmal etwas früher abholte, fragte mich, wie ich es denn bei den vielen Kindern schaffen würde, dass sie so ruhig seien - dabei waren sie einfach nur ausgeglichen."

Auch eine Hof-Rallye oder Kindergeburtstage werden auf dem Glöckner-Hof angeboten. Außerdem können Interessierte das Bauernhof-Jahr bei acht Hofbesuchen kennenlernen.

Dass indes Lämmer gerade zu Ostern auch nicht nur in Kuchenform auf den Tischen zu finden sind, sondern auch als Braten, weiß natürlich auch Grit Glöckner-Kolodziej: "Es ist eine wunderbare Arbeit, aber das Schlachten unserer Lämmer ist schon schwierig für mich", sagt sie ernst. Aber es seien einfach zu viele Tiere, und nur einige wenige würden auf dem Glöckner-Hof alt werden können. "Wie eben Emma. Den anderen Lämmern geben wir auch keine Namen", sagt die 46-Jährige.

Dann laufen Emma und ihre zwei Wochen alten Geschwister schon wieder über die Wiese und spielen fröhlich blökend weiter, während Svea-Marieke und Anna Pauline ihnen glücklich zuschauen.

Der Glöckner-Hof befindet sich in Maisdörpe 3 im Westen von Hückeswagen; die Straße dorthin führt mitten durch den Golfplatz in Dreibäumen. Kontakt Tel. 8596810, E-Mailan gloeckner-hof@t-online.de www.glöckner-hof.de

Quelle: RP
 
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