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Hückeswagen
Lambeck will mehr Nadelholz aufforsten

Hückeswagen: Lambeck will mehr Nadelholz aufforsten
Ernst-Oskar Lambeck zeigt auf eine Nordmanntanne. Sie ist seiner Ansicht nach besser für den nährstoffärmeren, bergischen Waldboden geeignet als Buchen oder Eichen. Deshalb möchte er drei Hektar aufforsten. FOTO: hans dörner (archiv)
Hückeswagen. Der Hückeswagener Waldbauer Ernst-Oskar Lambeck betreibt Forstwirtschaft auf 60 Hektar. Drei Hektar würde er gerne mit Nadelhölzern versehen. Der Landschaftsplan verbietet das. Der 75-Jährige hofft auf eine Ausnahmeerlaubnis. Von Joachim Rüttgen

Der Blick von Ernst-Oskar Lambeck schweift in die Schonung. "Buchen und Eichen haben hier kaum eine Chance zu wachsen", sagt der 75-Jährige. Gerne würde er auf seinen 60 Hektar Wald drei Hektar neu aufforsten - und zwar mit Nadelhölzern (zum Beispiel die beliebte Nordmanntanne). Doch das verbietet ihm der Landschaftsplan, der Mischwald präferiert und Nadelholz auf einen Anteil von 20 Prozent reduziert.

"So kann ich Forstwirtschaft nicht wirtschaftlich betreiben", klagt der Senior. Er hält Nadelbäume für den bergischen Boden für sehr sinnvoll, Fichten seien Flachwurzler, die bei Trockenheit große Probleme bekommen. Die Nordmanntanne dagegen sei käferresistent, wachse schnell und produziere in kürzester Zeit Masse. "Außerdem habe ich durch solche Bäume auch Papierholz, das immer weniger wird. Auch deshalb müssen mehr Nadelbäume gepflanzt werden", fordert der Waldbauer. Lambeck bezeichnet die Nadelbäume als "Brotbäume der Waldbauern". Deshalb habe er den Antrag gestellt, drei Hektar Nadelholz aufforsten zu dürfen - bislang ohne Erfolg.

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Während das Forstamt zustimmt, hat die Untere Landschaftsbehörde des Kreises den Antrag mit Hinweis auf den Landschaftsplan erstmal abgelehnt. Lambeck muss eine Begründung einreichen, warum er Nadelgehölze aufforsten will. "Bekomme ich keine Ausnahmegenehmigung, würde ich auch klagen", kündigt er kämpferisch an. Hermann Fröhlingsdorf, Fachgebietsleiter beim Forstamt in Gummersbach, verweist auf den Hintergrund der Landschaftspläne. "Durch sie wollen wir die Landschaft offen halten und Monokulturen verhindern", sagt er. Der Kreis habe grundsätzlich "Nein" zum Antrag von Lambeck gesagt, wolle jetzt aber eine Begründung haben. Es gebe die Chance für eine Ausnahmegenehmigung. Das Forstamt verhalte sich neutral und warte die Entscheidung des Kreises ab.

Lambeck sieht auch Chancen für Fichten an geeigneten Standorten an Nordhängen mit Tallage, aber die Nordmanntanne sei viel besser für den nährstoffärmeren, bergischen Boden. Nachteil der Tanne: Rehe haben sie "zum Fressen gern", Lambeck muss die jungen Bäume einzäunen. Trotzdem bleibt das Geschäft lukrativ. "Ich will meinen Kindern eine attraktive Forstwirtschaft übergeben, da kann ich es mir nicht erlauben, unwirtschaftliche Waldflächen anzulegen."

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Revierförster Heiner Grüter kennt die Probleme von Lambeck. Er sieht zwei Aspekte: den wirtschaftlichen und den naturnahen. "Viele Waldbauern sind auf die Einnahmen aus dem Wald angewiesen", sagt er. Im Bergischen gebe es einen sehr guten Mischwald mit einem hohen Anteil an Laubholz von 53 Prozent. Rein wirtschaftlich gehe an Nadelholz kein Weg vorbei - nicht an Bachauen und Flussrändern, aber auf der Fläche, die Lambeck aufforsten will, seien Nadelhölzer geeignet. Außerdem verfüge Hückeswagen über einen alten Buchenbestand. "Nadelholz schließt eine naturnahe und nachhaltige Forstwirtschaft nicht aus." Grüter könnte sich vorstellen, die im Landschaftsplan verankerten Zahlen umzudrehen - 20 Prozent Laubwald und 80 Prozent Nadelholz. "Denn gerade im Kleinst-Privatwald muss man auf Nadelholz setzen", sagt er. Forstleute würden bei einer gesunden Mischung das Nadelholz nie ausschließen. Allerdings gebe es für Nadelholzaufforstungen keine Förderung. Grüter sieht die Chance für naturnahen Mischwald mit einem hohen Anteil an Nadelwald. "Wir müssen dabei Wirtschaft und Ökologie auf einen Nenner bringen", sagt er.

Quelle: RP
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