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Hückeswagen
"Omma" Lotterbach wird 90

Hückeswagen. Zehn Jahre nach der Schließung der Traditionsgaststätte in Herweg nennen viele ehemalige Gäste Magdalene Lotterbach noch immer liebevoll "Omma". Heute feiert sie ihren 90. Geburtstag und blickt auf ihr Leben zurück, in dem sie zweimal nur knapp dem Tod entkam. Von Semiha Ünlü

Von ihrem Jägerschnitzel, das sie 36 Jahre lang in der Herweger Gaststätte Lotterbach an der B 483 auftischte, schwärmen viele ihrer ehemaligen Gäste noch immer. Und von ihrer freundlichen Art. Deswegen klopfen auch zehn Jahre nach der Schließung des Wirtshauses noch immer Menschen an die Tür der "Omma", um sie zu besuchen und mit ihr zu sprechen. Heute wird Magdalene Lotterbach 90.

Ihre Liebe zu Kindern: "Die muss mir in die Wiege gelegt worden sein", sagt die Rentnerin. In Duisburg, wo sie 1920 geboren wurde, absolvierte sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete sie in Geilenhausen als Kindererzieherin. Und im Zug von ihrer Arbeitsstelle ins Ruhrgebiet passierte das Unglück: "Wir wurden angegriffen, Bomben fielen", erinnert sich Lotterbach an das letzte Kriegsjahr 1945. Von den Splittern der Bomben getroffen, kam sie ins Krankenhaus. "Ich hatte viel Glück, aber leide noch immer an den Folgen, zum Beispiel an meiner Hüfte."

Während das Ende des Kriegs immer näher rückte, fand sie ihre große Liebe. "Werner war damals bei der Wehrmacht." Kaum war der Krieg vorüber, heiratete das Paar. "Bei mir zu Hause und in dem Brautkleid meiner Schwester", erinnert sich die Hückeswagenerin. Denn Brautmode war so kurz nach Kriegsende nicht zu finden.

Anfang 1964 übernahm das Ehepaar Lotterbach die Schankwirtschaft in Herweg. Werner Lotterbach war eigentlich Metzgermeister, und mit dem Kochen hatte Magdalene nicht viel am Hut. "Das musste ich mir alles selber beibringen." Warum ihre Schnitzel so gut schmeckten, will sie nicht verraten. Das bleibe auf immer ein "Betriebsgeheimnis". Und ihr Lieblingsgericht? "Einfach nur Gemüse."

"Es gab immer so viel zu tun", sagt sie rückblickend. "Viel Zeit für etwas anderes blieb nicht, zumal mein Mann sehr früh erkrankte." Während ihrer wenigen Freizeit stickte oder häkelte sie. Zeit, um den Führerschein zu machen, habe es nie gegeben, bedauert sie. Noch heute ist die Gaststätte wie früher eingerichtet. Wenn Familienfeiern anstehen, kommt wieder Leben in die Gaststätte.

Ein bewaffneter Raubüberfall in ihrer Gaststätte: An den denkt sie noch immer erschrocken zurück. "Das war 1971, und der Einbrecher hielt mir eine abgesägte Schrotflinte ins Gesicht. Wir hatten nur etwas Hartgeld, und das gab ich ihm. Der Räuber wurde später gefasst."

Die Enkel und Urenkel heran wachsen zu sehen, sei das größte Geschenk. "Aber ich weigere mich, beim Spielen mit den Kleinen ,die böse Stiefmutter' zu geben." Und wenn sie entspannen will – was sie wegen ihrer Herzklappen-Operation im vergangenen November soll – schaltet sie den Fernseher ein. Wenn die ARD-Serie "Sturm der Liebe" läuft, will sie nicht gestört werden. Auf dem TV-Gerät: ein Foto von ihrem verstorbenen Mann.

Heute abend feiert sie mit 25 Gästen in der Gaststätte "Napoleon" in Wipperfürth. Und die Aufregung, welche Nachbarn und Freunde sie zu Hause beglückwünschen werden, ist groß.

Quelle: RP
 
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