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Hückeswagen
Politiker machen der Verwaltung Beine

Hückeswagen: Politiker machen der Verwaltung Beine
Dietmar Persian zeigt auf die Museumswand, hinter der sich die zweite Tür des Ratssaals befindet. Dort ist aber kein Durchkommen. FOTO: Büllesbach
Hückeswagen. Fest steht: Die Hückeswagener Stadtverwaltung hatte bislang keinen Handlungsbedarf gesehen für einen zweiten Rettungsweg aus dem großen Sitzungssaal im Schloss heraus. Das hatte sie in der vorigen Woche erst im Sozialausschuss, Tage später dann in der Ratssitzung unterstrichen. Was die Politiker dazu zu sagen hatten, hat nun offenbar zum Sinneswandel im Rathaus geführt.

Die Vorgeschichte: Schon im Sozialausschuss hatte es geheißen, dass ein zweiter Rettungsweg aus dem Sitzungssaal heraus nicht notwendig sei, da es im Schloss eine Brandmeldeanlage, verbunden mit Rauchmeldern in allen Räumen, gebe. Schon beim geringsten Brand breche der Sirenenalarm aus. Dann bleibe Zeit genug, den Saal durch die eine Tür zum Treppenhaus hin zu verlassen.

Dem widersprach in der Ratssitzung die FaB-Fraktionsvorsitzende Brigitte Thiel mit Verweis auf die Landesbauordnung energisch: "Die Brandmeldeanlage ersetzt den zweiten Rettungsweg keinesfalls. Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, hier zu handeln." Den zweiten Rettungsweg forderte auch Shirley Finster von den Grünen. Schon im Sozialausschuss hatte sie darauf verwiesen, dass der Wunsch danach aus dem überparteilich arbeitenden Arbeitskreis Inklusion heraus an die Stadt herangetragen worden sei. Im Rat hakte sie nun nach: "Warum wird die zweite Tür im Saal nicht wieder geöffnet und zugänglich gemacht?" Die Antwort müsste lauten: Weil sie nicht zu öffnen ist, und wenn doch, man dann vor einer Wand stünde.

Die Verwaltung beharrte in der Ratssitzung auf ihrem Standpunkt. Bürgermeister Dietmar Persian verwies darauf, dass es in historischen Gebäuden wie dem Schloss naturgemäß sehr schwierig sei, alle Anforderungen an einen modernen Brandschutz zu erfüllen: "Da ist es baulich oft einfach unmöglich, einen zweiten Rettungsweg einzurichten." Wegen der Brandmeldeanlage und den Rauchmeldern, die den Mangel ausglichen, sehe die Verwaltung aber kein erhöhtes Gefahrenpotenzial für Mitarbeiter und Besucher im Schloss.

Seit das historische Gemäuer als Rathaus genutzt wird, hat es darin noch nie einen Brand gegeben, bei dem Menschenleben gefährdet waren. Dennoch unterstrich Brigitte Thiel: "Ich fühle mich hier nicht wirklich sicher und wohl."

Die Kritik seitens der Politiker hat aber nun offenbar zu einem Umdenken in der Verwaltungsspitze geführt. Mit der Folge, dass der Ratssaal bis auf Weiteres nicht mehr genutzt wird. "Und das kann durchaus für einen längeren Zeitraum so sein", unterstrich Dietmar Persian gestern im Gespräch mit unserer Redaktion.

(bn/büba)
 
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