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Kamp-Lintfort
Fragile Holzskulpturen im Kunstschaufenster

Kamp-Lintfort: Fragile Holzskulpturen im Kunstschaufenster
Die Skulptur, die Galerist Andreas Verfürth zeigt, war mal ein Baumstamm. Bildhauer Armin Göhringer bearbeitet das Holz mit der Kettensäge. FOTO: kdi
Kamp-Lintfort. Die Galerie Schürmann stellt ab heute Abend die Arbeit des Bildhauers Armin Göhringer aus. Der Künstler bearbeitet ganze Stämme mit der Kettensäge. Es entstehen abstrakte Objekte zum Thema Balance. Von Anja Katzke

Holz ist sein Material. Mit der Kettensäge schafft Armin Göhringer Skulpturen, die es zu entdecken gilt, Stück für Stück. "Ich habe lange nach einem Bildhauer gesucht, der so eine starke Formensprache hat", sagt Andreas Verfürth, Inhaber der Galerie Schürmann an der Moerser Straße in Kamp-Lintfort. Er präsentiert ab heute eine Auswahl an Arbeiten des Künstlers, der im Schwarzwald lebt und arbeitet. Im süddeutschen Raum, in Italien, Österreich und in der Schweiz stehen viele seiner Skulpturen, Stelen und Objekte im öffentlichen Raum.

"Ich habe seine Arbeiten auf Kunstmessen in Köln und Karlsruhe gesehen und war sofort begeistert", erzählt Verfürth. So begeistert, dass er sich fast zwei Jahre lang darum bemühte, Göhringers faszinierende Arbeit im Kunstschaufenster seiner Galerie zu präsentieren.

Vor einigen Wochen hatte Verfürth die Gelegenheit, das Atelier des Künstlers zu besuchen: "Es war für mich wie ein Hammerschlag. Man steht dort kniehoch in Sägespänen." Beeindruckend ist die Arbeitsweise des Bildhauers aus dem Schwarzwald in der Tat. Seine Formensprache ist abstrakt. "Göhringer minimiert den Stamm mit der Kettensäge, bis fast gar nichts mehr vorhanden ist", erzählt der Kamp-Lintforter Galerist.

Dabei entstehen fragile Skulpturen, die immer auch eine Auseinandersetzung mit dem Thema Balance sind. In seiner Werkstatt in Nordrach arbeitet Göhringer aus dem Stamm frei schwebende Blöcke, Kuben oder Quader heraus, die nur von filigranen Stäben gehalten werden. Der Betrachter kommt dem Künstler allerdings nicht so schnell auf die Schliche.

Jedem Werk scheint ein ausgeklügelter Bauplan zugrunde zu liegen, mit dem Armin Göhringer die Illusion schafft, die Schwerkraft außer Kraft gesetzt zu haben. Welcher Stab hält welchen Kubus? Wo sind die Verbindungen, die das Ganze tragen? Durch seiner Bearbeitung entstehen im Holz aber auch ungewöhnliche Gitter- und Netzstrukturen, durch die zum Beispiel das Licht fließen kann. Und zuweilen, wenn der Bildhauer mit der Kettensäge die Trennschnitte setzt, bilden sich durch die entstehenden Spannungen im Holz neue unerwartete Formen.

Es kommt also nicht von ungefähr, das Armin Göhringer, der 1954 in Nordrach geboren wurde, noch heute dort lebt. Der Schwarzwald bietet ihm die besten Bedingungen für seine Kunst. Studiert hatte er an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach a.M. Wie auf der Homepage des Bildhauers nachzulesen ist, bevorzugt er das Holz der Platane und Pappel. Für Arbeiten, die im öffentlichen Raum stehen, greift er hingegen auf heimische Harthölzer zurück. Selten belässt es Göhringer beim Naturholz. Er flämmt und schwärzt die Skulpturen, so dass sie einen zuweilen morbiden Charakter bekommen. Titel und damit Assoziationsanreize für den Betrachter gibt der Bildhauer nicht. Das Kunstschaufenster in der Galerie Schürmann zeigt darüber hinaus auch Arbeiten aus Stahl und Papier. Der Künstler ist zur Eröffnung der Ausstellung heute Abend anwesend.

Quelle: RP
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