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Kamp-Lintfort/Moers
In der Freizeit reisen sie ins tiefe Mittelalter

Kamp-Lintfort/Moers: In der Freizeit reisen sie ins tiefe Mittelalter
Markus Lorkowski (r.) ist Präsident des Festausschusses Kamp-Lintforter Karneval. Mit Ehefrau Nadine teilt er ein weiteres Hobby: das Mittelalter. FOTO: K. Dieker
Kamp-Lintfort/Moers. Markus und Nadine Lorkowski schlüpfen mit viel Liebe zum Detail in die Rollen von Wikingern und Tempelrittern und bereisen Mittelalter-Märkte. Demnächst wollen sie im eigenen Sachsenzelt kampieren. Von Anja Katzke

Er war Edelmann, Abenteurer und Tempelritter, sie mittelalterliche Bäuerin und Wikinger: Markus und Nadine Lorkowski sind quasi "Zeitreisende". Ihr bevorzugtes Ziel ist das Mittelalter, seitdem sie vor zehn Jahren erstmals eine Veranstaltung des "Mittelalterlichen Phantasie Spectaculum" in Gelsenkirchen besucht hatten. "Es ist das größte reisende Mittelalter-Festival in Europa", sagt der 39-Jährige, den die Kamp-Lintforter vor allem als Präsident des Festausschusses Kamp-Lintforter Karneval kennen. "Das Spectaculum hat uns begeistert und fasziniert: der Markt, die Musik und die Kostüme."

Aus der anfänglichen Begeisterung wurde ein Hobby, das sie in ihrer Freizeit perfektionierten. "Wir wollten tiefer in die Materie einsteigen. Es macht Spaß, in eine andere Rolle zu schlüpfen, über die man sich definiert. Und man kann sehr gut vom Alltag abschalten", erläutert Markus Lorkowski. Sie lernten viel und schnell dazu: Zum Beispiel, dass das Wort "Kostüm" in der Szene verpönt ist. "Man sagt: Gewandung", betont Nadine Lorkowski. Und die erste eigene Gewandung war bald zusammengestellt.

"Ich kombinierte einfach meine geschnürte Lederhose, die ich beim Motorradfahren trage, mit einem Samt-Wams, einem Barett und versuchte so, einen Edelmann darzustellen", erinnert sich Markus Lorkowski. "Tja, wir waren noch Frischlinge und haben gemerkt, dass unsere Kleidung nicht so toll war. Deshalb haben wir weiter Neues ausprobiert." Während Ehefrau Nadine sich bald auf die Rolle einer Wikinger-Frau festlegte, entdeckte Markus Lorkowki das Gewand des Tempelritters für sich. "Damit passten wir aber nicht zusammen: Die Geschichte der Wikinger ist vom 8. bis zum 10. Jahrhundert dokumentiert, die Zeit der Tempelritter begann erst zwischen dem 10. und 11. Jahrhundert." Das störte das Ehepaar, das in Moers lebt, jedoch nicht weiter - bis es sich mit Gleichgesinnten anfreundete, die ebenfalls im Gewand der Wikinger unterwegs waren. "Ich war als Templer in der Unterzahl", erzählt Lorkowski lachend.

Seither kleiden auch sie sich von Kopf bis Fuß wie die nordischen Seefahrer. "Die Kleider sind aus fester Baumwolle und halten schön warm", sagt Nadine Lorkowski. Sie trägt Holzschuhe, Perlenschmuck und hat ein Trinkhorn dabei. Markus Lorkowski kombiniert das Gewand mit Lederstiefeln, sein Werkzeug ist eine Axt, der Bart geflochten. Den Helm mit Hörnern sucht man übrigens vergeblich. "Es ist ein weit verbreiterter Irrglaube, dass die Wikinger Hörner am Helm trugen. Es ist eine Erfindung von Richard Wagner für die Nibelungen", sagt er und fügt hinzu: "Sie werden gerne als barbarisch dargestellt. Der größte Teil betrieb aber Landwirtschaft." Obwohl die Lorkowskis in der Darstellung den historischen Vorbildern so nah wie möglich kommen wollen, legen sie keinen Wert auf absolute Authentizität. "Es gibt Gruppen, in denen man nicht mal eine Brille trägt. Wir wollen vor allem Spaß an unserem Hobby haben", erzählt der 39-jährige Pädagoge. Das Hobby führte das Ehepaar zu unterschiedlichen Märkten und Veranstaltungen in die Umgebung.

Sie besuchten das Pfingstspektakel auf Schloss Broich in Mülheim/Ruhr, das Siegfried-Spektakel in Xanten und das Gaudium in Dortmund. "Wir bevorzugen die etwas kleineren Märkte, weil sie familiärer und weniger kommerziell sind." Ein beliebtes Ziel sind auch die Veranstaltungen in Selm und Olfen. Dort lernten sie auch das Lagerleben kennen. Und weil sie das gerne ausprobieren wollten, kauften sie sich das erste Rundzelt. "Da es aus Nylon gefertigt war, durften wir es in Olfen nur auf der Campside aufbauen." 2016 erwarben sie dann doch ein "richtiges Zelt", ein so genanntes Sachsenzelt mit einer Fläche von sechs mal vier Metern.

Dieses Jahr wollen Markus und Nadine Lorkowski erstmals als mittelalterliche Selbstversorger nach Selm / Olfen reisen. "Man steht trotz Urlaub dann sehr früh auf, weil ja das Feuer angemacht werden muss. Und auch das Kochen muss geplant werden. Denn das dauert deutlich länger als heute auf dem Elektroherd." Im Kessel wird aber wohl erst mal nur Erbsensuppe köcheln. "Vielleicht probiere ich es demnächst mal aus, Fladenbrot zu backen", überlegt Nadine Lorkowski.

Quelle: RP
 
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