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Kamp-Lintfort
Porsche für 7000 Euro unterm Hammer

Kamp-Lintfort: Porsche für 7000 Euro unterm Hammer
Bei dem Umzugsunternehmen kommen vor allem Möbel und Hausrat unter den Hammer, wenn es alle drei oder vier Wochen zu einer Versteigerung in seine Halle an der Kruppstraße im Gewerbegebiet Nord-Kamperbruch einlädt. Ein Auto ist nur zwei oder dreimal im Jahr darunter. FOTO: Christoph Reichwein
Kamp-Lintfort. Bei der monatlichen Versteigerung bei Dacken stand ein Sportwagen aus Zuffenhausen im Mittelpunkt. Sonst sind es vor allem Möbel und andere Gegenstände, die bei Haushaltsauflösungen anfallen. Von Peter Gottschlich

"Will noch jemand etwas zum Porsche wissen?" Mit einer Frage beginnt Auktionator Bernhard Schmitz die Versteigerung eines Porsche Boxster, nachdem er die Versteigerungsbedingungen erklärt hat. 30 Personen, die vor dem Eingang des Umzugsunternehmens Dacken stehen, verneinen mit ihren Köpfen. Rund zehn davon sind Interessenten. Die anderen wollen nur bei dem Spektakel dabei sein.

Denn bei diesem Umzugsunternehmen kommen vor allem Möbel und Hausrat unter den Hammer, wenn es alle drei oder vier Wochen zu einer Versteigerung in seine Halle einlädt, die an der Kruppstraße im Gewerbegebiet Nord-Kamperbruch liegt. Ein Auto ist nur zwei oder dreimal im Jahr darunter. Zuletzt war es ein Suzuki Swift, der für 3500 Euro einen Käufer fand.

Diesmal ist es ein arktis-silberner Sportwagen aus Stuttgart-Zuffenhausen, der vor der Halle steht. "Der Boxster ist Baujahr 2008 und hat 204 PS", unterhalten sich zwei Interessenten. "Er hat schon 169 000 Kilometer auf der Nadel. Dabei hat er die letzten zwei Jahre gestanden, weil er aus einer Pfändung stammt. Niemand kann in den Motor schauen." Der Auktionator macht den Interessenten das Auto schmackhaft. "Der TÜV ist neu", sagt er. "Auch ein Gutachter hat sich den Wagen angesehen und keine Mängel entdeckt. Nur eine Inspektion bei Porsche solle noch gemacht werden, hat er gesagt. Das Mindestgebot liegt bei 5000 Euro."

Sofort gehen abwechselnd die Hände zweier Interessenten hoch. "5100", ruft der Auktionator "5200." In wenigen Sekunden haben die zwei Interessenten 6000 Euro erreicht. Der eine steigt aus. Dafür steigt ein anderer ein, der bei 6300 nicht mehr weiter bietet. Noch drei weitere Interessenten steigern mit, bis einer mit 7000 Euro den Zuschlag erhält, nachdem der Auktionator "zum ersten, zum zweiten und zum dritten" ausgerufen hat, was den Hammer ersetzt. Der Käufer zahlt den Kaufpreis bar.

"Das ist gerade noch in Ordnung", sagt ein Interessent, ein Autohändler aus Düsseldorf, der zwischenzeitlich mitgeboten hat. "Die Fahrt zu Porsche kann 1500 bis 2000 Euro kosten. Der Wagen braucht ja nicht nur eine Inspektion, sondern auch neue Reifen. Und vielleicht muss das eine oder andere Teil ersetzt werden. In einer Anzeige kann ich den Wagen für 9500 anbieten. Die bekomme ich aber nicht. Mir war das Risiko zu hoch, dass etwas nicht in Ordnung ist." Auch die anderen Interessenten outen sich als Händler, die den Boxster wieder "verticken" wollen. Das ist bei den Möbeln und Gegenständen für Haus und Garten, nicht anders, die anschließend von Hans-Hermann Evers versteigert werden, der von IHK Duisburg vereidigter Versteigerer ist. "Die Gegenstände stammen aus Wohnungsauflösungen", berichtet Marita Hisemi, die zusammen mit ihrer Schwester Ellen Dacken Geschäftsführerin der Dacken GmbH & Co. KG ist. "Sie sind ein Schwerpunkt unseres Unternehmens."

An diesem Tag finden die meisten Gegenstände neue Besitzer, zum Beispiel ein gebrauchter Rasenmäher für zwölf Euro, ein fast unbenutztes Doppelwaffeleisen für vier Euro und sieben Gartenstühle für zwölf Euro. Einige Dinge bleiben liegen, etwa ein Fotoapparat für 25 Euro. "Viele Käufer sind Trödler", erzählt Hans-Hermann Evers in einer Pause. "Sie kommen vor allem aus dem Ruhrgebiet, zum Beispiel aus Dortmund, Recklinghausen oder Essen."

500 Positionen versteigert er, wobei eine Position oft mehrere Gegenstände umfasst, etwa ein Dutzend Schallplatten oder ein 24-teiliges Service. Nach vier Stunde ist alles vorbei. Zwischendurch haben die Käufer, die sofort in bar zu zahlen haben, die Gegenstände in ihren Autos verstaut.

"In drei Wochen ist die nächste Auktion", blickt der Auktionator für die Haushaltsgegenstände in die nahe Zukunft. "Ein Porsche ist dann aber nicht dabei."

Alle drei bis vier Wochen finden freitags Versteigerungen bei dem Unternehmen Dacken statt. Die nächsten Termine sind der 1. April, der 22. April und der 13. Mai. Die Versteigerungen beginnen um 13 Uhr. Interessenten können die Stücke ab 11 Uhr in der Halle der Dacken GmbH & Co. KG besichtigen, die an der Kruppstraße 40 im Gewerbegebiet Nord-Kamperbruch in Kamp-Lintfort liegt.

Quelle: RP
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