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Kamp-Lintfort
Wohnen im Fördermaschinenhaus

Kamp-Lintfort: Wohnen im Fördermaschinenhaus
Investor und Projektentwickler: Thomas Krüger wird mit seinem Kompagnon Rainer Claessen dem Fördermaschinengebäude einen neuen Sinn geben. Hier entstehen bis 2018 Loft-Wohnungen und Büroräume. Der Bauantrag soll noch in diesem Jahr gestellt werden. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Beim Umbau des Magazingebäudes hatte er die Projektleitung inne. Doch auch nach Ende der Arbeiten bleibt Thomas Krüger auf dem Zechengelände aktiv. Er erwarb mit seinem Kompagnon das Fördermaschinengebäude. Von Anja Katzke

Über eine schmale Stahltreppe geht es hinauf ins obere Geschoss des Fördermaschinengebäudes. Dort tut sich ein fast kathedralenartiger Raum auf. Die Wände sind hier bis zum Dachstuhl mindestens zwölf Meter hoch. Milchig wirkendes Licht erhellt die Halle, in der die Fördermaschinen des Bergwerks West bis vor wenigen Jahren noch in Betrieb waren. Seilscheiben aus grün und rot gestrichenem Stahl nehmen den größten Platz ein. Darüber ein gelber Kran, im Raum nebenan befindet sich der Fahrstand. Thomas Krüger, der zusammen mit Kompagnon Rainer Claessen das Industriegebäude erworben hat, erinnert sich an seinen ersten Eindruck: "Ich habe wie ein Junge gestaunt, als ich die Halle und die Maschinen gesehen habe." Gleichzeitig wusste er sofort, wie er das brachliegende Zechengebäude zukünftig nutzen möchte. "Es soll kein Museum sein, sondern leben."

Wie bereits berichtet, plant der Projektentwickler, bis Anfang 2018 sowohl Loft-Wohnungen als auch Büroräume im Fördermaschinengebäude einzurichten. "Ich habe eine klare Vorstellung davon, wie es hier einmal aussehen wird", sagt Krüger bei einem Rundgang. "Unten, wo früher der Sani-Bereich war, werden wir Büroräume schaffen. Hier, in der Halle ziehen wir direkt über diesen Fenstern eine Decke ein, um eine zweite Ebene zu schaffen." Es sind Loft-Wohnungen geplant, die zwischen 75 und 150 Quadratmetern groß sein werden. "Mit neuen Fenstern und Loggien." Der Investor will Wohnungen und Büroräume vermieten. Krüger und sein Kompagnon Claessen werden das Gebäude in ihrem Bestand behalten. Thomas Krüger hatte das Zechengebäude früh entdeckt. Der Projektentwickler leitet gleich nebenan im Auftrag der Starterzentrum Diepram AG, einer Tochtergesellschaft der Stadt Kamp-Lintfort, Umbau und Entwicklung des von der Gesellschaft erworbenen Magazingebäudes der Zeche.

FOTO: Klaus Dieker

Dort sind inzwischen neue und moderne Räume für die Fakultät Kommunikation und Umwelt der Hochschule Rhein-Waal entstanden. "Wir standen daher mit der RAG im Austausch und wussten, was auf diesem Gelände passieren soll und welche Gebäude verkauft werden sollen." Krügers Vorhaben birgt etliche Herausforderungen, sei für ihn aber auch eine Herzensangelegenheit, sagt er. Bevor er und sein Kompagnon ihre Pläne umsetzen können, müssen erst jede Menge Stahl und Beton entfernt werden.

"Es befinden in diesem Gebäude zigtausend Tonnen Stahl, die wir herausholen werden", betont Krüger. Das gilt auch für die Maschinen, die nicht wie das Gebäude im Ensemble mit den anderen Backsteinbauten an der Friedrich-Heinrich-Allee unter Denkmalschutz stehen. "Wir werden unsere Ideen natürlich mit allen Behörden, dem Gestaltungsbeirat und der Denkmalbehörde abstimmen", betont der Projektentwickler aus Borken.

Linkes Foto: Das Fördermaschinengebäude steht neben dem Magazingebäude. Dort ließ die Starterzentrum Dieprahm AG als Eigentümerin Räume für die Hochschule schaffen. Projektleiter ist Thomas Krüger. Rechts: Ein Blick ins "neue" Magazingebäude. FOTO: Klaus Dieker

Wie ein brachliegendes Industriegebäude eine neue Nutzung erhalten kann, das zeigen die baulichen Veränderungen nebenan im Magazingebäude hervorragend. Dort, wo Anfang dieses Jahres noch Beton und Stahl dominierten, befinden sich jetzt klimatisierte Seminarräume, die die Studenten der Fakultät Kommunikation und Umwelt in wenigen Wochen zum Wintersemester 2016/2017 mit Leben füllen werden. Das neue Hochschulgebäude wird etwa 340 Studenten Platz bieten.

Nichts erinnert mehr an die einstige industrielle Nutzung. Durch Glastüren gelangt man ins Gebäudeinnere. Im Eingangsbereich wird gerade eine grüne Wand aus echten Kletterfeigen angelegt. Handwerker zogen neue Wände hoch. Das gesamte Gebäude wurde energetisch, brandschutztechnisch und barrierefrei saniert - und zwar in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde. Die Fenster mit ihren "Wiener Sprossen" sind denkmalgerecht erneuert, die Fassade wurde mit einem biologisch abbaubaren Gemisch gereinigt. Auch der Aufzug ist neu. Erhalten blieben die alten Kacheln im Flur, nicht alle der tragenden Stahlsäulen verschwanden hinter weißem Putz. Ein Highlight befindet sich im Dachgeschoss. Der Dachstuhl aus Stahl ist ins neue Ambiente integriert. Das Gebäude soll im August übergeben werden.

Projektleiter Krüger arbeitete fast ausschließlich mit Handwerkern aus der Region zusammen. Sie ließen sich etwas Besonderes für das Gebäude einfallen: Sie spendeten ein Emblem für die Außenfassade des Magazin-Gebäudes zur Friedrich-Heinrich-Allee hin: Es zeigt Hammer und Schlegel.

Quelle: RP
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