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Stadt Kempen
Christo-Aktion auf Buttermarkt: Schüler verhüllen Denkmal

Stadt Kempen: Christo-Aktion auf Buttermarkt: Schüler verhüllen Denkmal
Realschüler verhüllten gestern das St.-Martinsdenkmal auf dem Kempener Buttermarkt. Die Aktion war Teil eines Projekts im Kunstunterricht. FOTO: W. Kaiser
Stadt Kempen. Realschüler packten gestern die Kempener St.-Martins-Gruppe ein. Sie wollen damit Impulse für genaueres Wahrnehmen geben. Von Hans Kaiser

Den ersten Anstoß gab ein Auto. Der VW-Käfer stand im Düsseldorfer Kunstpalast und war 2004 vom Aktions-Künstler Christo mit Seilen in gelben Stoff verpackt worden. Als Exponat in der Ausstellung "Hinter dem Vorhang. Verhüllung und Enthüllung seit der Renaissance". Den 13 Realschülern aus Kempen, die die Verhüllungsschau mit ihrer Kunsterzieherin Gudrun Jeske am 25. Januar besuchten, stach er sofort ins Auge. "Toll!" riefen sie, und: "Das machen wir auch in Kempen!" Gestern haben sie es gemacht und die St. Martins-Gruppe auf dem Buttermarkt kunstgerecht mit goldfarbener Kordel verpackt - gestiftet vom Spargelhof Kölkes in Voesch - und mit chamoisfarbenem Jersey aus dem Fundus der Realschule. "Wir wollten wissen, wie die Kempener auf ein bekanntes Denkmal reagieren, wenn es unkenntlich gemacht wird", meinte Miriam (15). "Vielleicht bekommen einige dann ja einen anderen Blick dafür und gucken nach der Verhüllung genauer hin. Die praktische Seite: Wir wollten selbst ausprobieren, wie man eine Figurengruppe einpackt, so dass es spannend wird und Aufsehen erregt. Eben eine Aktion im Team unternehmen."

Das Team besteht aus 13 Schülern und Schülerinnen - zwölf Mädchen und ein Junge, fast alle 15 Jahre alt - und bildet den Wahlpflichtkursus Kunst 9 der Kempener Realschule. Die Verhüllungsaktion war Abschluss eines Unterrichtsprojekts. Eine Absicht: Auseinandersetzung mit moderner Kunst - in diesem Fall mit einer Hommage an das Aktionskünstler-Paar Christo und Jeanne-Claude. Vor allem aber: Selbst aktiv etwas gestalten - mit dem Versuch, einen Impuls zu bewussterem Sehen zu liefern. In diesem Fall an einer Skulptur für das berühmte Brauchtum dieser Stadt: an der St. Martinsgruppe auf dem Buttermarkt. Weil die Skulptur 2004 auf Initiative des Kempener St. Martin-Vereins entstand, dessen Vorsitzender 20 Jahre lang Kempens Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger Karl-Heinz Hermans war, wird es im Volksmund auch "Herman(n)s-Denkmal" genannt.

Erster Lernschritt der Gruppe war: Ohne Bürokratie kommt auch Open-Air-Aktion nicht aus. Deshalb verfasste Emily mit Kursleiterin Jeske einen Brief an den Bürgermeister, Mitschülerin Loretta gab ihn ein. Volker Rübo sagte postwendend Genehmigung und Hilfe zu und informierte Polizei und Feuerwehr. Als die Gruppe dann wieder vor der Skulptur am Rathaus saß, hatte Emily die Idee: "Da oben sitzt jetzt bestimmt der Bürgermeister - gehen wir doch hin!" Und lief mit Pauline, Miriam, Marie und Viola los. Volker Rübo war da - und nahm sich Zeit.

Am Freitag wird die Skulptur wieder enthüllt, dann gucken die Leute bestimmt noch mal hin, aber diesmal genauer. Und nehmen vielleicht Details wahr, die sie sonst übersehen. Zum Beispiel, dass eine Fackel den Davidsstern statt des üblichen Sterns mit Mondsichel aus dem Stadtwappen zeigt. Mondsichel für den Islam, Davidsstern für die Judenheit, dazu das Stadtwappen, das der Muttergottes gewidmet ist: Das ist einmal als Kempens Huldigung an die Gleichberechtigung der Weltreligionen zu verstehen. Es ist aber auch ein Zeichen der Erinnerung - daran, dass am 10. November 1938, nach den Ausschreitungen der Pogromnacht, die Lichter der Martinsfackeln und das Feuer der brennenden Synagoge in unseliger Verstrickung zusammenkamen.

Quelle: RP
 
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