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Serie Freilichtmuseum Dorenburg
Eine Reise in die eigene Kindheit

Serie Freilichtmuseum Dorenburg: Eine Reise in die eigene Kindheit
Museumsleiterin Anke Wielebski präsentiert Exponate, die im Spielzeugmuseums zu sehen sind. FOTO: wolfgang kaiser
Kempen. In einer Serie stellen wir die einzelnen Bestandteile des Freilichtmuseums vor. Heute ist das Spielzeugmuseum an der Reihe. Einmal mit allen Sinnen in die Kindheit eintauchen: Die Scheune der Dorenburg beherbergt rund 700 Exponate. Von Bianca Treffer

grefrath Von außen sieht sie eher unscheinbar aus, die einstige Scheune der Dorenburg im Niederrheinischen Freilichtmuseum. Ein mächtiger Bau aus alten Feldbrandklinkern mit einem grünen Holztor und einer gläsernen Eingangstüre. Doch kaum ist man durch die Glastür eingetreten, fängt das Staunen an und das hängt mit der Lieblingsstücke-Vitrine zusammen. Der Foyerbereich ist nämlich geprägt durch eine kunterbunte Mischung von Spielzeug aus verschiedenen Zeitepochen. Unter dem Stichwort "Lieblingsstücke" sind hier unter anderem Schattenspielkarten, eine Lego-Raumfahrtstation, Plüschäffchen, eine Dampfmaschine in Form eines Atomkraftwerkes und das Brettspiel "Die Reichsautobahnen" zu sehen.

Es ist aber nicht nur das Schauen. Wer an den Schiebern zwischen den einzelnen Schaukästen zieht, erfährt Informatives und auch Dinge zum Schmunzeln. So galten die Plüschäffchen jahrelang als verschollen, auf dem Weg zur Oma verloren. Bis sie dann bei einem Umzug in Weihnachtsbaumschmuckkisten wieder auftauchten.

Mit dem Eintritt durch die nächste Glastür in die eigentlichen Museumsräume hat man das Gefühl, die Welt draußen hinter sich zurückzulassen. Dass sich der Besucher in einer alten Scheunenlage aus dem 17. Jahrhundert befindet, ist kaum vorstellbar. Moderner grauer Boden, farbgleich gestaltete Informationstafeln, große Glasfronten, die bis an die Decke reichen. Nostalgisch geht es nur hinter den Glasscheiben zu, die die gesamte Fläche bestimmen. Wobei es nicht chronologisch an den Jahren gebunden zugeht. Vielmehr geht es um das Spielen an sich. "Wir zeigen schwerpunktmäßig, wie mit Spielzeug gespielt wurde und das Spielen ein Teil der Kultur ist", informiert Museumsleiterin Anke Wielebski.

Die rund 700 Exponate, die über zwei Etagen auf einer Fläche von 300 Quadratmeter zu sehen sind, sind nach Spielarten geordnet. Da steht der Tante-Emma-Laden aus den 50er Jahren neben der Playmobil-Variante aus dem Jahr 2000 -zwei auf den ersten Blick völlig verschiedene Gegenstände, aber es geht um das Gleiche: Kinder spielen Einkaufen. Beim Baukasten handelt es sich um dasselbe Phänomen. Ob die Variante aus Holz, Steinfaser, Metall oder Plastik in Form von Lego, mit allen wurde und wird gebaut.

Die große Welt entsteht im Kleinen. In den großen Glasvitrinen kann der Besucher diese Zeitreise bei den einzelnen Spielbereichen wie Rollen-, Glücks- und Wettkampfspielen immer wieder erleben. Altes steht neben modernem und verdeutlicht eine Entwicklung. Die Laterna Magica, bei der mittels Öllämpchen Glasbilder auf die Wand projiziert wurden, ist quasi ein Vorläufer eines Dia-Apparates. Die Kinderpost von 1930, Blechspielzeug, der hölzerne Ruderrenner von Steif, das Rad mit den Vollgummireifen und den Holzpedalen, das Rumpelspiel mit Kreisel oder Spiele mit Slogans wie "Öl für uns alle" oder "Macht die Bäume wieder grün" zeigen Spielformen und spiegeln die jeweilige Zeit wider.

Ein Hingucker ist das große Modell vom Zirkus Althoff. Wenn die Lampen über der Zeltstadt erstrahlen, dann drücken sich die Besuchergesichter gegen die Glasscheiben und lassen die Augen über die Artistenstadt mit dem Zeltkuppeldach als Mittelpunkt wandern. Sich selbst wieder als Kind fühlen und Hinkekästchen auf den Asphalt malen, ist im Spielzeugmuseum ebenso möglich, denn dafür gibt es einen Spezialbereich, wie auch für das Thema Kinderzimmer. Einmal ein Kinderzimmer gestalten - im Spielzeugmuseum ist es möglich.

Für die jüngeren Besucher ist der Besuch besonders spannend, denn für sie gibt es eine Geheimschrift, die nur mit der roten Karte entziffert werden kann. Besucherherzen, jung wie alt, schlagen gleichermaßen in der zweiten Etage der Scheune höher. Hier befindet sich nämlich die Eisenbahnanlage. 50 Quadratmeter, die rein der Eisenbahn gewidmet sind. 250 Meter Schienenstrecke durchlaufen eine Modellandschaft, die zum stundenlangen Betrachten einlädt.

Dass das Niederrheinische Freilichtmuseum ein solch umfangreiches Spielzeugmuseum besitzt, ist auf Lore und Wolfgang Hoffmann zurückzuführen. Ihre umfangreiche Sammlung bildet den Grundstein der Sammlung. Ein ganz besonderes Stück ist der Teddybär in der ersten Etage des Spielzeugmuseums. Diesen Bär bekam Margarete Hoffmann, die Mutter von Wolfgang Hoffmann, 1939 zu ihrem fünften Geburtstag geschenkt. Es war das einzige Spielzeug, das das Kind damals auf der Flucht mitnahm und genau auf diesem Stück baute ihr Sohn die heutige Sammlung auf, die seit 1995 dem Niederrheinischen Freilichtmuseum als Dauerleihgabe dient.

Quelle: RP
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