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Stadt Kempen
Handwerkern über die Schulter geschaut

Stadt Kempen. Der Handwerkermarkt in Kempens Altstadt bot den zahlreichen Besuchern wieder jede Menge Abwechslung. Die Veranstalter zeigen sich überaus zufrieden, sehen aber auch noch Verbesserungspotenzial. Von Silvia Ruf-Stanley

Ein buntes Bild herrschte an beiden Tagen in der Kempener Altstadt. Dazu herrliches Oktoberwetter - mehr konnten sich Werbering und Veranstalter XDreams am Wochenende für den Handwerkermarkt nicht wünschen.

Schon am Samstagmittag war die Stadt gut mit Besuchern gefüllt. Wahrscheinlich wollten viele Familien den Tag noch einmal für einen Ausflug zu Beginn der Herbstferien nutzen. So auch Susanne Martens mit Tochter Finja sowie ihre Cousine Anna Katrin Tolle mit Nichte Rebecca. Sie standen gerade an der Fotobox am Martinsdenkmal, um sich getreu des neuen Werberingmottos "Königlich shoppen in Kempen" mit Krönchen auf dem Kopf ablichten zu lassen. Sie hatten sich gleich noch kleine Masken ausgesucht. Damit hätten sie glatt zum venezianischen Maskenball gehen können. Schließlich ließ sich auch noch der Gatte zum Bild überreden. Und alle hatten mächtig Spaß bei der Sache und haben auch zugestimmt, ihre Bilder auf Facebook zu zeigen. Mal schauen, wie viele Likes es gibt. Adrian Zirwes, eigentlich Pressesprecher des Werberings, hatte ordentlich zu tun mit Fotografieren. Die Hälfte des Erlöses geht übrigens an den Kinderschutzbund. Werbering-Geschäftsführer Fred Klaas schaute derweil dem Treiben zufrieden zu.

Ruhiger, aber nicht weniger interessiert ging es bei Dini Wintermann zu. Gespannt schauten die Besucher zu, wie sie aus einem Haufen Schurwolle dünne Fäden spann. Gerade machte sie Doppelfäden: "Die muss man stramm halten, sonst gibt das Knötchen." Zwei Sorten Schafswolle hatte sie mitgebracht. Einmal von Heidschnucken, die aber die eher kratzende Wolle ergeben. Die normale Schurwolle tue das weniger, verriet sie. Und sie zeigte stolz auf ein großes Angebot von Stirnbändern und Mützen, die sie alle aus der eigenen Wolle gemacht hat. "Da ist mein Name Wintermann" doch ganz richtig. "Besser Winterfrau" kam es da von einer Besucherin.

Am Rande des Buttermarktes klopfte laut ein Schmiedehammer. Aus altem Besteck wurde hier Schmuck gemacht. Garantierte Einzelstücke. Auch der Glasgraveur auf dem Buttermarkt zog viele Blicke auf sich. Mitten im Gewühl ging er seiner fragilen Arbeit nach. Ob denn mal ein Glas kaputt gegangen sei, fragte ein Kind. In seiner Lehre mehrere, gab er zu, aber heute nicht mehr, lautete die Antwort.

Interessiert bestaunten die Besucher auch eine alte Gutenberg-Buchdrucker-Presse. Nicht vorzustellen, wie viel Arbeit damals hinter einem Buch stand. Buchstabe um Buchstabe musste einzeln spiegelverkehrt gesetzt werden. Und war ein Fehler in der Seite, wurde die ganze Seite neue gesetzt. Noch so eine Geduldsarbeit präsentierten gleich zwei Schmuckmacherinnen. Bis so eine Kette fertig ist, kann das manchmal lange Zeit dauern. Und gefällt es der Kundin nicht, nimmt sie eine Schere, schneidet das Band auf, und schon geht es wieder von vorne los.

Umlagert war wieder einmal die historische Apfelsaftpresse. Die jungen Leute rätselten, wie oft sie schon in Kempen waren, und freuten sich über den regen Zuspruch für ihr erfrischendes Getränk. Aber auch schräg gegenüber probierte mancher gerne hausgemachte Buttermilch und ließ sich erklären, wie man das macht. Ein Stück weiter war Fachwissen gefragt. Mancher holte sich beim Möbelrestaurator wertvolle Tipps zur Pflege und für kleine Reparaturen ab.

Im Gewühl traf man Henning Schmitz von XDreams. Auch er war hoch zufrieden, aber durchaus selbstkritisch. Insgesamt gefiel ihm die Zusammenstellung der Anbieter mit der Mischung aus Handwerk und Kunsthandwerk, aber man könne auch noch Einiges verbessern. Recht hat, auf manches kunstseidene Schälchen oder Mützen aus offensichtlicher Industrieproduktion hätte man verzichten können.

Gelobt wurde von den Besuchern das abwechslungsreiche kulinarische Programm. Da war wirklich für jeden etwas dabei. Und viele fanden es gut, dass auf dem Buttermarkt reichlich Tische und Bänke standen, sodass man sich dort zu einer kleinen Mahlzeit in Ruhe niederlassen konnte. Abgerundet wurde das Ganze dann noch mit einem verkaufsoffenen Sonntag in den Einzelhandelsgeschäften. Von denen sich übrigens rund 20 mit Ständen am Markt beteiligten. Einige davon waren sehr liebevoll dekoriert.

Quelle: RP
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