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Kempen
Hausbesitzer benutzen zu viel Streusalz

Kempen: Hausbesitzer benutzen zu viel Streusalz
Dieser Herr macht's richtig: Statt Streusalz verwendet er umweltschonendes Steingranulat. FOTO: dpa
Stadt Kempen. In der vergangenen Woche waren die Streufahrzeuge wieder auf den Straßen unterwegs. Insgesamt ist der Winterdienst bisher im Rahmen geblieben - auch für Hausbesitzer. Von Willi Schöfer

Die Deutschen sind für ihre Gründlichkeit bekannt. Dies merkt man auch, wenn sich am generell schneefreien Niederrhein die ersten Schneeflocken auf die Gehsteige legen. Sofort holen zum Leidwesen der Kinder die Eigentümer die Schieber oder Besen aus der Garage, um die Wege frei zu machen, greifen dabei auch hin und wieder zum verbotenen Salz. Umweltschützer sehen dies überhaupt nicht gerne. Die Rheinische Post hat deswegen in Kempen und Grefrath mal nachgefragt.

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In beiden Straßenreinigungssatzungen in Kempen und Grefrath steht geschrieben, dass die Verwendung von Salz oder sonstigen auftauenden Stoffen grundsätzlich verboten und ihre Verwendung nur erlaubt sei, wenn durch den Einsatz von abstumpfenden Mitteln keine hinreichende Streuwirkung erzielt werde. Dies lässt Spielraum, den auch Bauhäusern oder Genossenschaften nutzen, um säckeweise Salz anzubieten. In Kempen sind in der Satzung einige Ausnahmen aufgeführt. Danach darf Salz zum Beispiel bei Eisregen oder an gefährlichen Stellen gestreut werden, so unter anderem auf Gehwegen mit Gefälle.

Diese relativ laxe Auslegung wird nicht nur von den Naturschützern nicht so gern gesehen. Auch die Wasser- und Bodenverbände warnen vor den schädlichen Auswirkungen des Salzes. "Zum Beispiel kann das Streusalz in Kläranlagen nicht abgebaut werden", sagt Margit Heinz vom Niersverband, gleichwohl die Pflanzenschutzmittel ein noch größeres Problem darstellen würden. Naturschützer sagen, dass es beim Salz zu weitreichenden Schädigungen des Bodens, des Grundwassers, der Pflanzen, ja sogar der Bauwerke kommen könnte. "Das Streusalz wird viel zu leichtfertig eingesetzt", kritisiert auch Ansgar Reichmann, Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen.

"Wir kontrollieren punktuell, ob nach den Schneefällen die Gehwege frei sind, machen aber keine generell keine speziellen Überprüfungen, ob die Eigentümer Split oder Salz verwendet haben", sagt der Leiter des Ordnungsamtes der Gemeinde Grefrath, Norbert Franken. Nur bei Beschwerden oder augenscheinlichem Missbrauch werde man tätig, weise man die Eigentümer erst einmal auf die Vorschriften hin, ohne einen Zwang auszuüben. Franken. "Bislang hat dies bei uns gut funktioniert."

"Wir wären personell total überfordert, wenn wir auch noch kontrollieren müssten, ob das richtige Streugut verwandt worden ist, hoffen hier auf die Einsicht der Eigentümer", meint Peter Linßen von der Tiefbauverwaltung der Stadt Kempen. An die Vernunft der Eigentümer appelliert ferner der Leiter des Tönisvorster Ordnungsamtes, Wolfgang Schouten. Auch dort würden keine speziellen Kontrollen durchgeführt, wohl aber fänden stichprobenartige Überprüfungen statt, ob nach Schneefällen die Gehwege frei seien.

Bemängelt wird aber von den Verantwortlichen, dass Geschäfte für billiges Streusalz werben, obwohl sie von den Einschränkungen wüssten. Und Naturschützen appellieren auch an die Kommunen, nur dort Salz einzusetzen, wo dies unbedingt erforderlich sei.

Quelle: RP
 
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