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Stadt Kempen
In der Bendheide hält man zusammen

Stadt Kempen: In der Bendheide hält man zusammen
Michael Wolfers (von links), Anni Mühlen, Siegfried Wunsch und Heike Schwarz sorgen mit dafür, dass die Nachbarschaft zusammenhält. FOTO: Achim Hüskes
Stadt Kempen. Die Nachbarschaft Bendheide besteht bereits seit 1973. Erste Häuser entstanden in den 50er-Jahren, heute leben dort rund 300 Menschen. Gemeinsam feiert man viele Feste, es gibt sogar einen eigenen Martinszug. Von Willi Schöfer

Täglich um 12 und 18 Uhr schlagen seit je her die Glocken vom alten Müllershof. Ein Zeichen für die Kinder, vor allem an den Wochenenden, dass es jetzt Zeit für das Mittag- beziehungsweise Abendessen ist. Der Glockenturm ist also eine Art Wahrzeichen, sorgt mit für eine gewisse Ordnung. In der benachbarten Siedlung selbst ist es eine Gemeinschaft, die schon lange für den Zusammenhalt der Bewohner steht. Gemeint ist die Straßengemeinschaft Bendheide.

Wir treffen uns im Wintergarten der Familie Michael und Denise Wolfers. Michael Wolfers (37), der hauptberuflich an der Linner Abend-Realschule Mathematik, Deutsch und Sport unterrichtet, ist der Schriftführer der Gemeinschaft, die sich 1973 im Gasthaus Thielen in Escheln gegründet hatte. Lehrer Wolfers hat zahlreiche Dokumente, Fotos und alte Texte auch von den Anfängen der Besiedlung mitgebracht.

Die Siedlung Bendheide, die sich aus "Bend" (steht für Wiese) und Heide zusammensetzt, war auf dem Bruchgebiet im Norden von St. Hubert so langsam in den 1950er-Jahren entstanden. Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden dort die ersten Höfe. Und da die Gemeinde dort erheblichen Grundbesitz hatte, sollten in der zwischen Landwehr, Escheln, Stendener Straße und Schadbruch gelegenen Bruchfläche nach dem Zweiten Weltkrieg meist die ostdeutschen Vertriebenen eine neue Heimat finden.

Jetzt leben dort viele Nachkommen in der zweiten und dritten Generation. Zwischen 250 und 300 dürften es insgesamt sein; 160 gehören der organisierten Nachbarschaft an. Mit in der Runde ist unter anderem Anni Mühlen. Sie ist die Kassiererin, wohnt dort im Elternhaus ihres Mannes seit 1994. Ihr Mann Karl-Günter Mühlen hatte 2011 die Gemeinschaft als Vorsitzender übernommen. "Vorsitzender wollte damals keiner werden, und mein Mann hatte gesagt, dass die Gemeinschaft, die seine Eltern mit aufgebaut hatten, nicht kaputt gehen darf." Noch immer ist es für sie nicht zu begreifen, dass ihr Mann im Alter von 66 Jahren im April dieses Jahres verstarb. Zum Gedenken an Karl-Günter Mühlen, der stets mit viel Herzblut den Zusammenhalt förderte, werden dann auch in diesem Jahr keine großen Feste stattfinden.

Aber der Reihe nach. "Schon damals vor der Gründung wurde so bei runden Geburtstagen oder bei Goldhochzeiten unter den Nachbarn gesammelt", erinnern sich die älteren Mitglieder. Nicht zuletzt wegen des Kanal- und Straßenausbaus in den Jahren 1974 und 1975 und der damit verbundenen Fragen rund um Gestaltung, Erschließung und Kosten war es ein wesentlicher Grund, sich offiziell zusammenzuschließen und so den Wünschen und Vorschlägen mehr Nachdruck zu verleihen.

Der erste Vorsitzende hieß Hans van Stiphoudt, ihm folgten Hans Wilhelm Gossens, H. Tumfart, Manfred Wolters, Karl-Heinz Jenkes, Andreas Becker und Karl Günter Mühlen. Derzeit führt kommissarisch Heike Schwarz die Gemeinschaft, bis zu den Neuwahlen im kommenden Jahr.

Auch wenn es in der Bendheide einen Tante-Emma-Laden oder die Gaststätte "Heideblümchen" nicht mehr gibt, fanden die Bendheider immer den Raum, drinnen wie draußen, um gemeinsam etwas zu unternehmen. "Früher hatten wir sogar einen Hobby-Fußballclub, den FS Bendheide", sagt der 65-jährige Siggi Wunsch, der in der Bendheide aufwuchs, oft in der Elf mitspielte und damals als "Kugelblitz" und Mittelstürmer gefürchtet war. Noch immer gibt es einen Damen-Chor, den Claudia Zonker leitet. "Die Männer sind wohl zu feige, bei uns mitzumachen", sagt schmunzelnd Anni Mühlen.

2013 war groß das 40-jährige Bestehen gefeiert worden. Bis dahin hatte es schon eine Vielzahl von Aktivitäten gegeben, angefangen von Kinderfesten über Kostümbälle, Radtouren, Osterfeuer oder Nachwanderungen. Nicht zu vergessen: Frühjahrsputz oder das St. Martinsfeuer. 2015 kam ein Historien-Abend dazu.

Apropos St. Martin: Seit November 2013 gibt es für die Kinder einen eigenen Martinszug, der sich am 4. November in der Honschaft in Bewegung setzt, ab 17 Uhr, ab Bendheide 61. Da stört es auch keinen großen Geist, dass das Pferd des Heiligen Mannes, 2013 war es der neunjährige Maximilian Wolfers, aus Holz war und auf Rollen mitgezogen wurde. Der Nikolaus wird am 10. Dezember rumgehen und auch den Älteren (über 70 Jahre) einen Weckmann überreichen (Anmeldungen bei der Familie Wolfers). Mitten in der Siedlung steht ferner eine kleine mobile Bibliothek: ein kleiner Bücher-Kasten, aus dem man Bücher leihen oder hineinlegen kann.

"Früher hatte ich manchmal das Gefühl, die Stadt hätte uns in der Bendheide vergessen, zum Beispiel, was das schnelle Internet angeht", sagt Anni Mühlen. Allerdings gibt sie auch zu, dass die Siedlung durch die Aktionen der Straßengemeinschaft bekannt geworden ist. Sie erzählt beispielsweise von der Aktion "Lauf mit dem Landrat", bei dem zuletzt der damals noch amtierende Peter Ottmann auf einer "Fanmeile" in der Bendheide mit Rasseln und Schellen begeistert empfangen worden war.

Quelle: RP
 
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