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Stadt Kempen
Wenn Könige einfach aus der Rolle fallen

Stadt Kempen: Wenn Könige einfach aus der Rolle fallen
Die Titel-Illustration für Cobbers' Buch stammt von Henning Lindeke, auch ein Kempener. Der Werbegrafiker spielt in der Krefelder Band "Provinztheater" Posaune. FOTO: COBBERS
Stadt Kempen. Der Kempener Historiker und Journalist Arnt Cobbers ist Autor des Buches "Kleine Geschichte des Königreichs Kempen". Ihm ist dabei auf Anhieb eine vergnügliche und gar nicht ernste Vergangenheitsbewältigung gelungen. Von Heribert Brinkmann

Die Kutsche auf dem Buchtitel hat das Nummernschild KK-KK 1. Anstelle eines Zepters hält der König eine Prinzenrolle in der Hand und scheint die Plätzchen an sein Volk zu verteilen. Henning Lindeke ist mit der Titel-Illustration ein wunderbarer Einstieg in eine herrlich verschrobene Geschichte gelungen, die auf liebevolle Art und Weise Heimatbücher und Lokalpatriotismus aufs Korn nimmt. Der Autor Arnt Cobbers lebt zwar im fern gelegenen Berlin, aber ist als gebürtiger Kempener mit den Dingen vor Ort bestens vertraut. Als er auf einer seiner zahlreichen Heimatbesuche bei der Familie das neue Nummernschild KK auf den Autos entdeckte und das oft bemühte "Königreich Kempen" wiederhörte, war die Idee zum Buch mit einer frei erfundenen Heimatgeschichte schnell geboren.

Und da er nicht nur Geschichten erfindet, sondern auch gleich am liebsten Legenden bildet, erzählt er seine Version, wie das Buch entstand: Mitten in der Nacht war sein Rechner an und das Bier noch nicht alle. Nüchtern betrachtet, ist Cobbers doppelt vom Fach: Er ist gebürtiger Kempener, hier aufgewachsen und hat Geschichte und Kunstgeschichte studiert - in Berlin, wo er hängengeblieben ist. Sein Onkel ist Heinz Cobbers, in Kempen als Architekt und Kommunalpolitiker sehr bekannt. Am Wochenende kann man Arnt Cobbers in Kempen treffen, denn Cobbers hat sein Buch selbst herausgebracht und will es auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen (Wer ihn nicht findet, sei beruhigt. Das Buch hat eine ISBN-Nummer und kann in jeder Buchhandlung bestellt werden.)

Zu lesen gibt es die Geschichte des untergegangenen Königreichs Kempen. "Entdeckt" hat der Autor die Geschichte, als er im Archiv in der Kempener Burg auf der Suche nach einer Toilette am Ende eines Ganges eine Tür öffnete und einen vergessenen Archivraum mit dem Tagebuch von König Thomas und eine Schatulle mit dem Ur-Rezept der Prinzenrolle fand. Und der Niederrheiner Cobbers geht "in medias Rees" und erzählt "populärwissenschaftlich aufbereitet" die Geschichte vom KK. Und die beginnt wie im Märchen in einem Pfefferkuchenhaus, wo der junge Prinz die Prinzenrolle erfindet. Der Text ist mit zahlreichen Fotos angereichert - deren Erklärungen allerdings frei erfunden sind. Da wird aus den Hofdamen beim Jugendschützenfest der St. Marien-Schützenbruderschaft 1904 der Hofstaat der Königin, aus Friedrich Engels wird flugs der Spross einer Kempener Kerzendynastie. 1918 mit der Auflösung des Kaiserreiches als Fürstenbund lässt der Autor das Königreich im Land Preußen aufgehen. Am Ende gesteht der Autor seinen beiden Töchtern, dass er die Geschichte frei erfunden hat. Und am Ende wird Arnt Cobbers selbst zum König, wie das Foto auf der letzten Seite mit der Krone - von seiner Tochter gebastelt - auf seinem Haupte beweist.

Quelle: RP
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