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Stadt Kempen
Zur Eröffnung eine Wand mitgestalten

Stadt Kempen: Zur Eröffnung eine Wand mitgestalten
Aus dieser Wandinstallation wird Ingrid Filipczyk auf Zuruf von Besuchern der Eröffnung heute Abend einzelne Elemente herausnehmen und an der angrenzenden Wand neu gruppieren: Ein spannendes Experiment. FOTO: NORBERT PRÜMEN
Stadt Kempen. Die Kempener Künstlerin Ingrid Filipczyk zeigt in ihrer Einzelausstellung "18/19" einen Arbeitszyklus von 2007 bis heute. Bei der Vernissage heute Abend dürfen Besucher selber aktiv werden und an einer Wand Bilder neu gruppieren lassen. Von Heribert Brinkmann

Das Streben nach Eintracht in allen Lebensbereichen war das Ziel der Pythagoräer in Süditalien, 500 Jahre vor Christus entwickelten sie harmonische Zahlenverhältnisse. Was hat das mit der Eröffnung der neuen Ausstellung von Ingrid Filipczyk in der Ateliergalerie an der Moosgasse zu tun? Die Künstlerin hat die Ausstellung "18/19" genannt, ein Kompositionsverhältnis, das sie seit zehn Jahren beschäftigt und mit Phi und dem Goldenen Schnitt zusammenhängt. Auf dem Tisch der Galerie liegt das Buch "Die Schlange am Firmament" von John Anthony West, der die altägyptischen Studien am Tempel von Luxor durch den elsässischen Philosophen und Archäologen René A. Schwaller beschreibt. Die Ägypter kannten schon vor 3000 Jahren das Fünfeck im Kreis. Von diesen so entwickelten Maßeinheiten kam Ingrid Filipczyk zu ihrem ersten Kreuz-Bild (an der Säule), in dem sich vier Flächen harmonisch verbinden.

Man muss nicht der Idee folgen, der Kosmos sei eine nach bestimmten Zahlenverhältnissen aufgebaute harmonische Einheit. Und dieser Harmonie müsse man in allen Bereichen des Lebens auf die Spur kommen. Nun ist Ingrid Filipczyk keine Esoterikerin oder Zahlenmystikerin, die 62-jährige Künstlerin verbindet in ihren Werken ihre beiden großen Leidenschaften Mathematik und Kunst. Und so wundert es nicht, dass sie es in ihren jetzt ausgestellten Werken sehr abstrakt und exakt zu geht - wobei in diesem Zusammenhang konkret das bessere Wort als abstrakt ist, weil nicht von der Wirklichkeit abstrahiert wird, der Künstler nicht subjektiv und expressiv arbeitet, in dieser ungegenständlichen Kunst geht es um rationale und mathematisch begründbare Phänomene, wobei man sich durchaus der Emotionalität der Farben bedient.

Der Ausstellungsraum wird von seriellen Reihungen quadratischer Farbflächen an zwei Wänden dominiert. Es handelt sich nicht um monochrome Flächen, sondern jeweils zwei Farben überlappen sich auf der Hauptfläche (18/19) im Verhältnis von 90 Grad, lassen so jeweils zwei einfarbige Farbstreifen übrig (jeweils 1/19 der Fläche) sowie ein kleines weißes Quadrat.

An diese Farbreihen hat sich die Künstlerin 2007 erstmals herangetastet und seitdem fortentwickelt. Auf der Hauptwand ist die neue Serie von 2017 zu sehen, sechs Reihen von neun quadratischen Bildern nach dem neunteiligen Farbkreis. Das heißt, die Hängung entspricht in jeder Reihe genau dem Farbkreis, die einzelnen Farben lassen sich aber auch vertikal und diagonal verfolgen. Und jetzt wird es experimentell: Ingrid Filipczyk hat in ihrer Ausstellung eine Wand frei gelassen - bis auf die eingeschlagenen Nägel. Heute Abend können die Besucher selber aktiv werden. Sie sollen sich aus den Farbreihen mit 54 Arbeiten einzelne Farben aussuchen und der Künstlerin vorschlagen, wie sie diese auf der leeren Wand neu gruppieren soll. Das kann mehrfach geschehen, so dass sich neue An- und Einsichten entstehen.

Vor lauter Farbe sollte man aber nicht die kleineren weißen und grauen Arbeiten übersehen. Witzig spielt die Künstlerin mit Bildern, deren aufgeteilte Flächen durch ein Stück echte Raufasertapete oder durchsichtiges Acrylglas mit dem Hintergrund (ebenfalls eine Raufasertapete) spielen. Unverkäuflich sind ihre Fotogramme, die experimentell im Fotolabor entstanden, indem bewusst "Fehler" beim Entwickeln neue Effekte hervorriefen. Wer etwas kaufen will, ist ab 140 bis 13.500 Euro dabei.

Quelle: RP
 
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