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Kevelaer
Der Handel mit den kleinen Marken

Kevelaer: Der Handel mit den kleinen Marken
Sehr ruhig verliefen die Fachgespräche zum Thema "Briefmarken" und allen anderen Utensilien, die zu diesem Hobby gehören. Der Briefmarkensammler-Verein Kevelaer hatte zu einem großen Tauschtag ins Konzert- und Bühnenhaus nach Kevelaer eingeladen. FOTO: Gerhard Seybert
Kevelaer. Zum 44. Grenzlandtauschtag hatten der Briefmarkensammler-Verein Kevelaer (BSV) und die Jungen Briefmarkenfreunde Kevelaer in das Konzert - und Bühnenhaus eingeladen. Damit diente gestern Kevelaers "gute Stube" einmal mehr nicht als Musentempel, sondern war sogar Markthalle. Von Elisabeth George

Allerdings eine Markthalle der besonderen Art. Denn angeboten wurden nicht Blumen, Fleisch, Brot und frisches Gemüse, sondern, vordergründig betrachtet, ziemlich unauffällige Werte aus allen Bereichen der Philatelie. Also natürlich Briefmarken, aber auch Post- und Ansichtskarten sowie Stempelabdrücke. Im kleinen Saal hatten 13 Händler ihre Waren ausgebreitet, im großen die Amateure. Beide Anbietergruppen wie auch die Besucher, darunter etliche Stammgäste, waren aus dem gesamten deutsch-niederländischen Grenzland, aber auch aus dem Bergischen und dem Ruhrgebiet zu dieser wichtigsten philatelistischen Tauschbörse am unteren Niederrhein in die Marienstadt gekommen. Der Ostermontag ist eben für Kenner der Szene ein feststehender Termin. Der Verein begrüßte deshalb mehr als 300 Besucher.

Marktschreierisch laut ging es auf diesem "Markt" in keiner Weise zu, wohl aber, zumindest für Außenstehende, erstaunlich professionell. Wobei die Amateure den Berufshändlern in nichts nachstanden. Überall sah man Leute zusammenstehen, mit gedämpfter Stimme fachsimpeln und mit oder ohne Lupe Exponate begutachten. Denn das Sammeln von Briefmarken hat sich nach Aussage von Helmut Schraets, dem Öffentlichkeitsbeauftragten des BSV, weg von der abgeschiedenen Freizeitbeschäftigung leicht verschrobener Einzelgänger entwickelt hin zu einem anspruchsvollen Hobby, das hohe Sachkenntnis erfordert. Weil hier inzwischen, wohl auch wegen der erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten, wie fast überall die Gesetze der freien Marktwirtschaft ins Spiel kommen.

Es gelten die Regeln von Angebot und Nachfrage

Auch beim Briefmarkensammeln gelten die Regeln von Angebot und Nachfrage. Es mache keinen Sinn mehr, "irgendwie" zu sammeln, man müsse sich spezialisieren. Beispielsweise auf ein Motiv, ein Land oder einen Themenbereich. So wie Schraets selber sich mit der Weihnachtsgeschichte in Bibel, Kunst und Brauchtum beschäftigt. Diese Art des Sammelns mache aber auch ihren besonderen Reiz aus: "Man holt sich die Kultur dieser Welt ins Haus, kümmert sich beispielsweise zunehmend vertieft um die Geschichte eines Landes und lernt dabei ungeheuer viel." Der persönliche Horizont werde durch diesen Umgang mit den kleinen Bildchen erweitert.

Der echte Tausch von Briefmarken allerdings lasse zwangsläufig nach. Dafür gebe es zahlreiche Möglichkeiten, Material zu kaufen. Für manch einen zu viele, findet Schraets: "Die Leute kaufen Massen, aber wissen oder merken nicht, beziehungsweise zu spät, dass die wichtigen hundert Marken fehlen."

Da wäre es schon gut, Mitglied in einem Briefmarkensammlerverein zu sein. So einem wie dem Kevelaerer.

Quelle: RP
 
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