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Kevelaer
Ein Stimmenfest in Kevelaers Basilika

Kevelaer: Ein Stimmenfest in Kevelaers Basilika
Viele Musikfreunde lauschten der Aufführung von Claudio Monteverdis Marienvesper in der Kevelaerer Basilika. FOTO: Thomas Binn
Kevelaer. Brillante Leistungen beim Eröffnungskonzert zur Wallfahrt. Claudio Monteverdis Marienvesper erklingt durch den Essener Kammerchor, das Ensemble "Exquisite Noyse" und "Ensemble Philomusici". Von Udo Spelleken

Zu einem besonderen Eröffnungskonzert zur Wallfahrt begrüßte Wallfahrtsdirektor und Domkapitular Rolf Lohmann zahlreiche Besucher in der Marienbasilika. Die Marienvesper von Claudio Monteverdi ist eine wahrhaftige Ikone der "Alte Musik"-Bewegung. Es gibt wohl kein anderes vor 1700 entstandenes Werk, das so oft auf unterschiedlichste Art aufgeführt wurde. Die Marienvesper ist ein Meisterwerk mit vielen attraktiven und rätselhaften Zügen.

Zur Entstehung muss man sich in Erinnerung rufen, dass Claudio Monteverdi beinahe auf das Jahr genau ein Zeitgenosse von Galileo Galilei war. Gilt dieser als "Begründer der modernen Wissenschaft", so wurde Monteverdi einmal als "Schöpfer der modernen Musik" gewürdigt. Das Publikum erfuhr zudem ein effektvolles Klangerlebnis, da vom Ensemble "Exquisite Noyse" und dem "Ensemble Philomusici" historische Instrumente verwendet wurden.

Der Essener Kammerchor überzeugte in den stets außerordentlich homogen und sehr transparent musizierten Chorpartien. Vor allem in den großen und ausladend innigen, expressiven Momenten zeigte der Chor seine Stärke. Der Anfang des "Magnificat" klang ohne großes Crescendo sehr majestätisch. Das langsame Tempo im "Laudate pueri" ließ die expressiven Qualitäten des Werkes umso stärker hervortreten. Auch in der Wahl der Tempi ging das Konzept von Bernhard Schüth als musikalischem Leiter auf. Jede übertriebene Schnelligkeit war ihm fremd, der Text und seine Ausdeutung standen im Vordergrund.

Hervorragende Sänger standen ihm zur Seite. Evelyn Ziegler und Ulrike Hellermann sind madrigalerprobte, hochvirtuose Sopranistinnen mit jeweils individuellem Timbre, vor allem aber mit hoher Ensemblekultur. Die drei koloraturensicheren Tenöre Andreas Karasiak, Hans Jörg Mammel und Tobias Glagau wetteiferten im "Duo Seraphim". Christian Walter und Peter Lutz sangen den Bass im "Gloria patri" und im "Magnificat" mit Intensität und einer ungewöhnlich sauberen Vokalfärbung.

Die Zuhörer wurden in ein veritables Stimmenfest entführt. Punktgenaue Einsätze, phänomenal klangreine Transparenz, wunderbar fein strukturierte Phrasierung, all dies machte die vokale Perfektion des Ensembles aus, dessen Gesangsmitglieder problemlos auch die solistischen Aufgaben stimmlich ausgesprochen konturiert und mit kernigen Timbres zu lösen wussten. Der Festtagston dieser Aufführung war bei der "Sonata sopar" in den Frauenstimmen omnipräsent. Schlüssig gelang den Interpreten die Verbindung der Gesangsstimmen mit den kammermusikalisch besetzten Instrumenten, die den leuchtenden Vokalklang glanzvoll umspielten. Zink, Posaunen und Dulzian erklangen dazu so delikat intoniert, so rund ausgespielt und so dezidiert präsent und doch in fein abgestufter Balance zum Vokalen, wie man es ausgereifter nur schwerlich anderswo zu hören bekommt. Unaufdringlich und mit natürlichem Ausdruck gaben die Interpreten diesem einzigartigen Werk den ihm gebührenden musikalischen Glanz.

Quelle: RP
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