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Kevelaer
In der Urlaubszeit wird das Blut knapp

Kevelaer: In der Urlaubszeit wird das Blut knapp
FOTO: Blutspendedienst West
Kevelaer. Sommerhitze drückt auf den Kreislauf, viele Menschen fliegen in den Urlaub. Das Ergebnis: Weniger Leute als sonst kommen zu Blutspendeterminen - und das, während die Spender-Zahlen ohnehin zurückgehen. Das löst Sorgen aus. Von Ludwig Krause

Während viele in den Sommerferien ihre Koffer packen, um in den Urlaub zu fliegen, bleiben in den Krankenhäusern Menschen zurück, die dringend auf Blutkonserven angewiesen sind. "Gerade jetzt kann es zu Engpässen bei der Blutversorgung kommen", sagt Franz Lück, Vorsitzender des Kreisverbandes Kleve-Geldern vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Zum einen, weil so viele Menschen verreisen. Zum anderen, weil bei besonders schwülem Wetter wie in den vergangenen Tagen der Kreislauf belastet ist, viele dann lieber nicht Blut spenden gehen.

Deutschlandweit werden laut DRK täglich rund 15.000 Blutkonserven gebraucht. Was kaum einer weiß: Fast ein Viertel des Bluts wird bei der Versorgung von Krebspatienten genutzt. "In vielen Fällen versuchen die Ärzte, Probleme durch Eigenblut-Transfusionen zu lösen. Bei Menschen in Chemo-Therapien ist das aber nicht möglich", sagt Lück. Erst an vierter Stelle kommt bei den Tranfusionen der Einsatz für Opfer von Unfällen.

Das Problem, dass in den Sommermonaten weniger Blut gespendet wird, gibt es schon länger. Umso gravierender wird es derzeit, weil die Zahl der Blutspender allgemein im Kleverland deutlich zurückgeht. Zwischen 2007 und 2016 gab es im Gebiet des Kreisverbands knapp 16 Prozent weniger Spenden. In Kleve sank die Zahl im gleichen Zeitraum von 1920 auf 1415. Hier gehen gerade einmal 2,85 Prozent der Menschen Blut spenden. Goch hat deutlich weniger Einwohner als Kleve, trotzdem gab es dort im vergangenen Jahr mit 1471 mehr Blutspenden als in der Schwanenstadt (4,34 Prozent der Bevölkerung). Am wenigsten Blutspender erschienen im vergangenen Jahr mit 332 in Kranenburg. (3,12 Prozent der Bevölkerung). Spitzenreiter ist Geldern mit 1803 Blutspenden (5,33 Prozent), an der Gesamtbevölkerung gemessen wird am meisten in Uedem gespendet. 9,44 Prozent der Bevölkerung (780) waren dort im Jahr 2016 Blutspenden. Die gute Nachricht: Mit insgesamt 4,72 Prozent im gesamten Kreisgebiet ist die Spenderquote im Vergleich zum Landesschnitt (rund 3 Prozent) noch gut. Im Bundesschnitt ist die Quote mit zwei Prozent sogar noch schlechter.

Grundsätzlich ist jede gesunde Person über 18 Jahre als Blutspender geeignet. Frauen dürfen vier Mal pro Jahr, Männer sechs Mal als Spender fungieren. Erstspender sollten jünger als 60 Jahre alt sein, so Lück. Früher war mit 68 Jahren als Blutspender Schluss. "Mittlerweile hat man aber in Studien herausgefunden, dass auch das Blut älterer Menschen sich problemlos eignet. Dauerspender dürfen also auch über diese Grenze hinaus spenden", sagt Lück. Das ist wohl auch dem demografischen Wandel geschuldet: Immer weniger junge Menschen gehen zur Spende. "Wir hatten früher 1500 Zivildienstleistende. Die haben einen Tag frei bekommen, wenn sie Blut spenden waren. Jeder von denen ging dann vier Mal im Jahr. So etwas fehlt uns heute", sagt Lück. Dabei ist der zeitliche Aufwand überschaubar: Pro Spende sollte man inklusive Registrierung, ärztlicher Untersuchung und Blutabnahme etwa eine Stunde Zeit einplanen. Die Blutabnahme selbst dauert nur etwa zehn Minuten. Hierbei wird dem Körper ein halber Liter Blut entnommen. Da diese Menge im Verhältnis zur Gesamtblutmenge gering ist, gleicht der Organismus den Verlust in der Regel schnell wieder aus. Eine kurze Erholungsphase nach der Spende stabilisiert den Kreislauf. "Mit einer Blutspende tut man nicht nur dem Empfänger etwas Gutes", sagt Karin Abele von der Kaufmännischen Krankenkasse in Kleve. "Man tut auch etwas für die eigene Gesundheit." Das Blut kann im Labor auf Krankheiten wie Hepatitis untersucht werden, die so im besten Fall frühzeitig erkannt werden. Rund 80 Prozent der Deutschen sind mindestens einmal im Leben auf eine Fremdblutspende angewiesen.

"Am besten kommt man gleich mit ein paar Freunden und macht das Blutspenden zum Erlebnis. Das baut auch Hemmungen ab", sagt Franz Lück. So haben schon ganze Abitur-Jahrgänge oder Löschzüge gemeinsam den Gang zur Spende angetreten.

Quelle: RP
 
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