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Kevelaer
"Tausche Hotel gegen Familienglück"

Kevelaer: "Tausche Hotel gegen Familienglück"
Jutta Rijkelijkhuizen mit ihrem Nachfolger Tim Janßen. Der 23-Jährige stammt aus Weeze, wie seine Freundin Christina Peters, mit der er das Stadthotel leiten wird. FOTO: Gerhard Seybert
Kevelaer. Jutta Rijkelijkhuizen gibt das Stadthotel am Bühnenhaus in die Hände von Tim Janßen. Sie zieht es nach Holland. Tim Janßen und Freundin Christina Peters führen den Betrieb im familiären Stil weiter. Offizielle Übergabe ist am 1. Januar. Von Bianca Mokwa

Das Schild hat er sich schon an die Brust geheftet. "Tim Janßen - Neuer Inhaber" ist dort zu lesen. Offiziell findet die Übergabe des Stadthotels am Bühnenhaus in Kevelaer von Jutta Rijkelijkhuizen an Tim Janßen am 1. Januar 2016 statt.

Aber bereits jetzt sitzen die beiden zusammen und gehen gemeinsam den Hotelalltag durch. "Weil jedes Haus sein eigenes funktionierendes System hat", sagt die bisherige Hotelchefin Rijkelijkhuizen. Die Buchungssoftware ist für Janßen Neuland, aber auch, wie der Weckruf richtig eingestellt wird. Viel wichtiger als die technischen Dinge sind die zwischenmenschlichen. Welcher Gast isst zum Beispiel gerne Tomaten zum Frühstück? 70 Prozent der Gäste im Stadthotel sind Stammgäste. Einige hat der neue Inhaber bereits getroffen. Er hat es sich nicht nehmen lassen und ist extra zum Frühstück angereist, um bereits den einen oder anderen Gast persönlich kennenzulernen. Das Namensschild verrät bereits, mit wem die Gäste es zu tun haben.

Tim Janßen, "der Neue", ist 23 Jahre alt. Er stammt eigentlich aus Weeze, wie seine Freundin Christina Peters, mit der er das Stadthotel leiten wird. Peters hat Hotelfachfrau gelernt im Parkhotel Kevelaer und arbeitet aktuell im Waldhaus Dicks. Janßen ist gelernter Restaurantfachmann, hat seine Ausbildung im "Goldenen Schwan" in Kevelaer absolviert und ist dort geblieben. Bis jetzt.

Auslandserfahrungen hat er in der Schweiz gesammelt. Zwei Mal war er dort im Winter, Skisaison, Hochsaison. "Viel arbeiten, viel lernen", fasst er diese Erfahrung zusammen.

Den Traum von der Selbstständigkeit, den teilt er mit seiner Freundin. Anfang des Jahres hat er davon gehört, dass das Stadthotel Kevelaer zu haben ist. Mitte des Jahres ist er wieder darauf angesprochen worden, von Kevelaerer Gastronomen. "Wir haben uns ganz unverbindlich das Hotel angesehen", beschreibt er den ersten zarten Schritt Richtung Traumerfüllung. "Nur so zum Gucken. Jutta hat uns alles gezeigt."

Es folgten Beratungen mit der Familie und mit Freunden, Gespräche mit dem Verpächter Robert Weyers. Am Ende bleiben nur strahlende Gesichter. Jutta Rijkelijkhuizen und Tim Janßen sitzen entspannt am Tisch. Vor sechs Jahren hatte Rijkelijkhuizen das Hotel übernommen, damals mit 28 Jahren. "Ich hatte immer eine Vision, wie das Haus sein sollte. Nur der Familienfaktor war in der Vision nicht mit berücksichtigt", sagt die mittlerweile zweifache Mutter. Für sie beginnt ein völlig anderer Lebensabschnitt. Ihre neue Heimat ist Holland. Dort zieht es sie mit Mann Patrick und den Kindern Tessa und Tom hin. Der Schwerpunkt ist dann die Familie.

Ihre Vision war es immer, auch im Hotel eine familiäre, herzliche Atmosphäre zu schaffen. "Es sollte ein persönliches Haus sein, wo sich der Gast als Individuum willkommen fühlt, sobald er die Tür hereinkommt", erklärt die Hotelbesitzerin. "Bodenständig, ehrlich, zu einem fairen Preis", beschreibt sie ihr Geschäftsmodell. "Bodenständig wie der Niederrheiner, der mit einfachen Dingen sein Lebensglück findet."

An all dem soll sich auch unter der neuen Leitung von Tim Janßen nichts ändern. Bis auf eine Rezeptionistin bleibt das bewährte Team aus sechs Zimmermädchen und einer Frühstücksdame bestehen. Kleine Neuerungen gibt es dann aber doch. Der Frühstücksraum bekommt neue Tische und eine kleine Theke. "Um abends noch Getränke anbieten zu können", sagt Janßen, der aktuell noch seinen Abschluss in Hotelbetriebswirtschaft absolviert. Jutta Rijkelijkhuizen findet die Idee, dem Gast zum Ende des Tages einen Schlummertrunk anbieten zu können, gut. "Das ist ganz schwer gefragt", sagt sie. Tim Janßen lächelt, als sie ihm anbietet, dass er jederzeit anrufen könne, wenn er noch Fragen hat. "Holland, das sind zwei Stunden", rechnet sie die zeitliche Entfernung vor. Tim Janßen nickt verständnisvoll.

Für Jutta Rijkelijkhuizen heißt es langsam Abschied nehmen, loslassen. "Ich habe es lange vor mir hergeschoben", sagt die Hotelbesitzerin. "Plötzlich wird es so greifbar, da wird mir schon das Herz schwer." Bis Januar hat sie Zeit, Abschied zu nehmen. Richtig los geht der Hotelbetrieb unter der Leitung von Tim Janßen dann ab dem 7. Januar 2016.

Quelle: RP
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