| 00.00 Uhr

Kleve
Das Paradies im Keller

Kleve. Anfang der 90er Jahre war die Blütezeit der Klever Discotheken Geschichte - auch für das Down Town am Opschlag. 1969 eröffnet, wurde hier 1989 der letzte Deckel bezahlt. Jetzt planen ehemalige Discjockeys, Kellner und Stammgäste eine Revival-Party im Griethausener Bürgerhaus. Von Peter Janssen

Auch Manfred Nuy (62) gehört zu den Leuten, die gern in der Vergangenheit leben. Manfred hieß in der Szene nur Manni. Früher beschäftigte man sich nicht lange damit, welcher Spitzname passt. Aus Manfred wurde immer Manni. Der 62-Jährige plant jetzt eine Reise in seine Jugendzeit. Aber nicht für ihn allein. Er gehörte vor 20 Jahren zu der Gesellschaft, die dafür sorgte, dass die Discothek Down Town im Klever Nachtleben zu einer der ersten Adressen gehörte. Das Lokal lag in der Unterstadt am Opschlag. Wer hinein wollte, musste absteigen: Der Schuppen war im Keller.

Zusammen mit ehemaligen Down-Town-Freunden hat Nuy eine Revivalparty organisiert. Am morgigen Samstag, 17. September, ab 19 Uhr, wollen sie im Griethausener Bürgerhaus alte Zeiten aufleben lassen. Dass die ehemalige Stammkundschaft der Kellerdisco sich durchweg gern an die Nächte erinnert, zeigt der aktuelle Kartenvorverkauf. Der Absatz ist beachtlich.

Manfred Nuy erzählt vom Down Town wie andere von ihren Kindern. "Das war mein Leben. Ich hab da alles gemacht", sagt er. 1969, als die Tür erstmals öffnete, war Nuy als Schüler dort. Cola 80 Pfennig, Pitjes gratis und um 20 Uhr nach Hause. Dann habe er sich hochgearbeitet. Bis zum Discjockey. 30 Mark pro Abend erhielt er dafür. Die Disco gab dem Wochenplan von Nuy Struktur. Nur montags war Ruhetag. Der 62-Jährige kannte sich in der Klever Szene bestens aus. Die Discotheken Old Granny Saloon, PX an der Briener Straße und das Caliente in der Südstadt gehörten damals zur härtesten Konkurrenz, so Nuy. Der Bierkeller und das Whisky nicht. "Da waren nur die Schlauen vom Gymnasium. Die wollten nur quatschen, dazu lief ein bisschen Musik im Hintergrund", sagt der Klever. Er muss es wissen, denn er arbeitete nicht nur im Down Town, sondern auch eine Zeit lang als Kellner im Caliente. Hier kamen ihm seine sportlichen Erfolge zugute. Er war bei der WM, EM und den Deutschen Meisterschaften am Start. Disziplin Vollkontaktkarate. Das Caliente charakterisierte er mit: "Da wurde nie viel diskutiert."

Seine Liebe gehört jedoch dem Down Town. Als er dorthin zurückkehrte, war die Zeit gekommen, in der er sich dafür entschied, keinen Drink mehr selbst zu bezahlen. Zunächst war er noch mal DJ hinterm Pult. Er musste aufhören, weil ihm eine Lizenz fehlte. Wer damals in Tanzbars Platten auflegen wollte, musste in Deutschland eine Prüfung ablegen. Nuy wurde Kellner. Von jedem Drink, den er verkaufte, erhielt er zehn Prozent. "Wenn ich mit einem Tablett zwischen 20 und 30 Altbier loslief, kam ich höchstens bis zum zweiten Tisch, dann war es leer", erinnert er sich. Das trinkfeste Publikum konnte damals ohnehin nur von einer eher übersichtlichen Getränkekarte wählen. Eigentlich seien nur Alt und Schnaps verkauft worden. Zu einer Falsche Klaren gab es zwei Cola-Flaschen gratis dazu. Kola-Korn-Gemisch - als Kiki bezeichnet - stand auch im Down Town hoch im Kurs. Vor allem am Wochenende wurde nach dem Motto gebechert: "Wer sich erinnert, war nicht dabei". "Natürlich hatten wir auch Probleme mit Betrunkenen. Aber das war überall so", sagt Nuy. Freitags und samstags waren im Laufe des Abends etwa 500 bis 600 Gäste im Down Town.

Einer, der mit Nuy die Party in Griethausen organisiert, ist Peter Hendricks (60). Ein ehemaliger Star in der Klever Nachtszene. Hendricks stand zehn Jahre lang nahezu jeden Tag an den Plattentellern. Anstrengend sei es gewesen, so der Ex-DJ. Nach der Schicht im Down Town stand er ein paar Stunden später als Industrieelektriker vor Maschinen. "Meine Eltern haben nicht geklatscht. Aber die Musik war mein Leben", sagt er. Hendricks war ein Freund der gepflegten Tanzmusik. Bee Gees, Modern Talking oder Schlager wie Jürgen Marcus' "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben...". Im Down Town wurde nicht allein getanzt. Mann mit Frau und damals auch immer gern Frau mit Frau, und die größere spielte den Mann. Die Disco war damals immer randvoll, erklärt Nuy: "Warum geht man da hin? Als erstes, um eine Frau kennenzulernen." Dann schränkt er ein: "Na gut, um überhaupt jemand neues kennenzulernen. Oder zweitens, um zu trinken."

Dass der Ruf des Down Town nicht immer der beste war, kann Nuy nicht nachvollziehen. "Es ist schon mal was aus dem Ruder gelaufen, mehr aber nicht. Doch gab es in den 80er Jahren eine Phase, in der es häufig eng wurde." Rockerbanden aus dem Ruhrgebiet sagte die Klever Szenegastronomie offenbar zu. Den reisenden Motorradfahrern wurden ein Hang zum Alkohol, eine lockere Faust und schon damals schlampige Tattoos zugeschrieben. "Es blieb jedoch meistens ruhig. Da hatten wir Glück", blickt Nuy zurück. Er war es auch, der 1989 die Tür endgültig abschloss. Den Schlüssel brachte er zu Willy Lünendonk, der das Down Town 1969 eröffnet hatte und später auf der Stechbahn die Kneipe Bierakademie führte.

Als das World Center in Kleve geplant wurde, war der schleichende Tod des Down Town besiegelt. Gegen Laser-Show, moderne Lichteffekte und einen satten Sound kam die Kellerbar mit dem kalten Rauchgeruch und Musik aus übersteuerten Boxen nicht mehr an.

Für Peter Hendricks und Manni Nuy endete 1989 ein Lebensabschnitt. Sie freuen sich auf Samstag, wenn es darum geht, mit den Freunden von einst über die alten und glücklichen Zeiten im Down Town zu reden. Der deutsche Schriftsteller Jean Paul, stellte dazu einst fest: "Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem man nicht vertrieben werden kann." Die Zwei aus der Kellerdisco sind gerade auf dem Weg ins Paradies.

Infos auch unter: www.down-town-kleve-forever.de

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kleve: Das Paradies im Keller


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.