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Kranenburg
Eine unbekannte Seite

Kranenburg: Eine unbekannte Seite
FOTO: Evers Gottfried
Kranenburg. Brigitte Gmachreich-Jünemann lädt für Samstag und Sonntag zur Atelierausstellung ein. Anders als in den Jahren zuvor zeigt die Druckgrafikerin aus Kranenburg diesmal keine Radierungen, sondern unbekannte Werke. Ein geheimnisvoller Besuch. Von Julia Lörcks (Text) und Gottfried Evers (Foto)

Nichts. Es hängt einfach nichts an der weißen Wand. Keine Radierung, keine Grafik, keine Bilderrahmen. Noch nicht einmal ein Plan, wo am kommenden Wochenende, welches Werk hängen wird, liegt auf dem Tisch in der Mitte des hellen, lichtdurchfluteten Raumes. Nur vier weiße Wände, eine alte, schwere Druckerpresse, viele verschiedene Werkmaterialien und eben besagter Arbeitstisch. Brigitte Gmachreich-Jünemann lächelt. Ihr Blick ist irgendwie aufgeweckt. "Diesmal ist alles anders", sagt sie. Neugierig?

Ja. Denn mit "alles anders" meint die Druckgrafikerin aus Kranenburg ihre bevorstehende Ausstellung in ihrem Atelier an der Straße Galgensteeg, 2001 vom Klever Architekt André Lemmens entworfen. "In den vergangenen Atelierausstellungen habe ich immer die aktuellen Arbeiten des Jahres, hauptsächlich waren es abstrakte Radierungen, gezeigt. Das wird diesmal definitiv nicht der Fall sein", sagt Gmachreich-Jünemann.

Warum? Die Antwort auf diese Frage ist simpel. "Das Jahr war anders als die anderen", sagt die Künstlerin aus Kranenburg. Sie brach sich den Arm, konnte vier Monate lang nicht arbeiten und war im Anschluss mit einigen Auftragsarbeiten beschäftigt. Zeit für neue Werke blieb dabei nur wenig. Die Lust, dennoch etwas Neues, etwas noch nie Gesehenes und Geheimnisvolles zu präsentieren, stieg. Ungemein. Die unbekannte Seite, sie war auf einmal da, geboren.

Was das ist, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur so viel: Es werden auf jeden Fall keine Radierungen, die so typisch für Gmachreich-Jünemann sind, gezeigt. "Dennoch haben die Werke etwas mit meiner Arbeit zu tun", sagt die Frau, die nach einer Ausbildung an der Düsseldorfer Modeschule und einem Studium an der Europäischen Kunstakademie in Trier seit 35 Jahren im Bereich der abstrakten Druckgrafik arbeitet. Und versucht, zu beschreiben, was man noch gar nicht sehen kann: "Es hat etwas mit meiner täglichen Arbeit zu tun. Es ist das, was das Auge schult, was mich inspiriert."

Und das sind, wie sie selbst sagt, Kleinigkeiten. Immer und immer wieder. "Wenn ich durch die Stadt laufe, kann es sein, dass mich Fassaden, Fenster und Türen inspirieren. Oft ist es aber auch einfach die Natur und die Landschaft", sagt Gmachreich-Jünemann.

Kein Wunder, hat sie doch von ihrem Atelier in Kranenburg aus, in dem sie täglich arbeitet, einen wunderbaren Blick in die Landschaft, ins deutsch-niederländische Grenzgebiet, in die weiten Wiesen und Weiden, auf denen zahlreiche Pferde grasen.

Das war es auch, was sie und ihren Mann vor mehr als drei Jahrzehnten von Düsseldorf an den Niederrhein verschlug.

Quelle: RP
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