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Kalkar
Erinnerungen an Weltkriegsbunker

Kalkar: Erinnerungen an Weltkriegsbunker
Günter Kühnen (Mitte) zeigt Josef Hoogen (links) und Heinz Vehring die Fotos, die er von den nur kurzfristig freigelegten Bunker-Resten gemacht hat. Ganz genau können sich die Männer an die unterirdischen Bauwerke erinnern, die erst in den 1960er Jahren überbaut wurden. FOTO: Gottfried Evers
Kalkar. Den Abriss der alten Kalkarer Turnhallen hat Günter Kühnen mit der Kamera festgehalten. Der Bagger legte Reste eines alten Bunkers offen - Gesprächsanlass für ältere Nachbarn, die sich als Kinder dort versteckten. Von Anja Settnik

Günter Kühnen kam 1979 nach Kalkar und wird in den Augen einiger Ureinwohner deshalb noch immer als "Zugezogener" gelten. Das hindert ihn aber nicht daran, ein großes Interesse an der Historie seiner Wahlheimat zu haben. In den vergangenen Wochen hat Kühnen, der leidenschaftlich gerne fotografiert und filmt, viele Stunden an der Baustelle Am Bollwerk verbracht. Er protokollierte mit der Kamera den Abriss der alten Turnhallen neben der Grundschule. Und hat dabei eine interessante Entdeckung gemacht: Unter den Fundamenten der einen Turnhalle liegt noch heute ein Zivilschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg.

"Ich habe Stadtbaurat Frank Sundermann davon berichtet, doch offenbar war die Entdeckung kein Grund, die Baustelle stillzulegen. Ein Bunker ist ja selten ein Denkmal." Die Bagger haben ihre Arbeit fortgesetzt und wieder zugeschüttet, was sowieso kaum zu entfernen ist. "Den krieg' ich im Leben nicht raus", hatte der Baggerführer festgestellt, nachdem die Schaufel auf einen dicken Betonring gestoßen war.

Mit dickem Beton kennt sich Kühnen, der einst wegen des Brüters nach Kalkar kam, aus. Und er weiß auch, dass Beton mit gedrehten Eisenstangen drin nicht vor Jahrhunderten schon existierte. "Einen Moment lang dachte ich, die Arbeiter seien vielleicht auf Reste der alten Befestigungsanlage Kalkar gestoßen - dann hätte der Denkmalschutz sich garantiert eingeschaltet." Aber das kann ausgeschlossen werden: Im Bereich des Schulzentrums war 1943 nicht mehr und nicht weniger als ein Luftschutzbunker mit zwei Rundgebäuden und Gängen dazwischen angelegt worden.

Für einige ältere Kalkarer ist der Fund sehr erinnerungsträchtig. Etwa für Heinz Vehring (81), der mit Kühnen gemeinsam die Mauerreste besichtigt hat. "Der Bunker hat mir das Leben gerettet; mir und anderen", ist er überzeugt. Denn in der Bombennacht des 7. Februar saß Heinz als Zehnjähriger in dem Schutzgebäude, duckte sich immer wieder in den Arm seiner Mutter. "Wenn eine Bombe runterkam, war das unbeschreiblich laut. Unser Wohnhaus wurde schwer getroffen, einige andere auch." Vehring betont, er werde nie ein weiteres Geräusch vergessen: "So laut wie in dieser Situation habe ich nie wieder Menschen beten gehört." Denn alle hatten damals Todesangst.

Auch ein etwas jüngerer Mann verbindet Erinnerungen mit dem Bunker: Josef Hoogen, geboren 1943 und damit während des Krieges noch fast ein Baby. "Aber in den 50-er Jahren war der Bunker bei uns Jungs ein beliebter Spielplatz. Natürlich war es uns verboten, die Anlage zu betreten, aber damals waren die Eingänge nur sehr notdürftig zugesperrt." Große Jungs jedenfalls, die ihre ersten Rauchzeichen mit Weckmann-Pfeifen machten, fanden in dem "sicheren" Raum einen idealen Rückzugsort. Allerdings habe ich seinetwegen auch die schlimmste Tracht Prügel meines Lebens bezogen, denn einmal habe ich meine kleine Schwester im Kinderwagen, auf die ich aufpassen sollte, darüber völlig vergessen."

Bekanntlich wird in Kalkar darüber nachgedacht, die Gebäude der Grund- und inzwischen leerstehenden Hauptschule zu tauschen. Sicherlich ein Thema der näheren Zukunft. Wenn die in die Jahre gekommene Grundschule nicht mehr benötigt würde, entstünden zusammen mit dem Platz der ehemaligen Turnhallen ganz neue Entwicklungsmöglichkeiten.

Quelle: RP
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