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Kranenburg-Nütterden
Garten-Müll illegal im Wald abgekippt

Kranenburg-Nütterden. In Nütterden hat ein Bürger 15 bis 20 Plastiksäcke voller Vertikutier-Müll im Wald entdeckt. Revierförster spricht von Problem, das immer größer wird. Umweltverschmutzer können kaum ermittelt werden. Bevölkerung soll wachsam sein. Von Dieter Dormann

Der Anblick war ein Schock für einen Kranenburger Bürger: 15 bis 20 blaue, vor allem mit Vertikutier-Abfällen gefüllte Plastiksäcke entdeckte der Naturfreund direkt neben einem Waldweg in der Verlängerung des Heideweges in Nütterden. Daneben war auch noch reichlich Hecken- und Baumschnitt-Material abgekippt worden. "Das ist eine große Schweinerei", erzürnt sich der Naturfreund. "Zumal der Bio-Müll noch in Plastiksäcke, die nicht verrotten, gestopft worden ist."

Der Spaziergänger hat inzwischen Revierförster Joachim Böhmer (49) aus Kleve über seinen erschreckenden Fund informiert. Auch der Mitarbeiter des Forstamtes ist entsetzt über den Umweltfrevel, der laut dem Revierförster kein Einzelfall ist. "Die illegale Entsorgung von Gartenabfällen am stadtnahen Waldrand oder in der Nähe von Parkplätzen in den Forstrevieren nimmt immer mehr zu. Vor allem im Frühjahr ist das ein großes Problem", berichtet der 49-Jährige.

Bei den Umweltsündern handelt es sich laut dem Revierförster nicht nur um Gartenbesitzer, die diese umweltschädliche, aber für sie kostengünstige Entsorgungsmöglichkeiten für Rasen- oder Baumschnittabfälle nutzen. Erst kürzlich hätten Mitarbeiter des Forstamtes einen gewerblichen Anbieter von Gartenarbeiten dabei beobachtet, wie dieser versuchte, seinen Bio-Müll in einem Waldgebiet in Kleve-Reichswalde illegal zu entsorgen.

Die Umweltfrevler auf frischer Tat zu erwischen, ist laut Joachim Böhmer nahezu die einzige Möglichkeit, dem Problem Herr zu werden. Anders sei kaum nachzuweisen, von wem der illegal abgekippte Müll stamme. Sogar wenn - wie kürzlich geschehen - in dem illegal entsorgten Material Briefe oder Kontoauszüge mit Personendaten gefunden würden, sei das Vergehen den Personen kaum nachweisbar. "Sie reden sich mit Schutzbehauptungen heraus", berichtet Joachim Böhmer. "Oft behaupten sie, der Müll wäre ihnen gestohlen worden."

Die Chance, dass jemandem ein Verstoß gegen das Abfallbeseitigungsgesetz nachgewiesen werden könne, ist nach Einschätzung des Klever Revierförsters "sehr gering". Auch dies trage sicher dazu bei, dass immer mehr Müll illegal im Wald abgekippt werde - obwohl drohende Geldstrafen hoch sein könnten.

Für um so wichtiger hält Joachim Böhmer, dass die Bevölkerung für das Problem sensibilisiert wird. "Wir wollen keine privaten Sheriffs und auch nicht das Denunziantentum fördern", betont der 49-Jährige. Wer aber beobachte, dass jemand im Wald Müll ablade, sollte Forstamt oder Ordnungsämtern und Polizei Hinweise geben. Personenbeschreibungen, Kennzeichen benutzter Fahrzeuge oder Fotos könnten die Fahndung erleichtern. "Das kann anonym geschehen. Ansonsten sichern wir zu, dass wir persönliche Daten des Informanten schützen", sagt der Revierförster.

Das zunehmende Problem der Grünmüll-Entsorgung in freier Natur beklagt auch Dietrich Cerff, Naturschutzreferent bei der Nabu in Kranenburg. Dadurch käme es zu einer schädlichen Nährstoffanreicherung des Bodens und zur Zerstörung des Lebensraumes verschiedenster Kleintiere wie Spinnen oder Käfer. Auffällig ist laut Dietrich Cerff, dass dort, wo Müll illegal abgekippt werde, rasch noch mehr hinzu komme. Dabei gebe es genug legale Entsorgungsmöglichkeiten.

Darauf verweist auch Rolf Janssen von den Umweltbetrieben der Stadt Kleve (USK). So sei die erste "braune" Tonne in Kleve "Zusatz-kostenfrei". Ein weiteres 120-Liter-Gefäß für Bio-Müll koste 66 Euro pro Jahr. Und auch der Wertstoffhof nehme Grünabfälle an - für 2,50 Euro pro 0,1 Kubikmeter.

Keine Probleme mit illegal abgekippten Bio-Müll auf städtischen Gelände sind der Klever Verwaltung bekannt. Dies teilte ein Sprecher mit. Aktuelles Problem von Revierförster Joachim Böhmer sind die Plastiksäcke voller Grün-Müll in Nütterden. Der Revierförster sagt: "Den Müll müssen wir nun entsorgen - auf Kosten der Steuerzahler."

Quelle: RP
 
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