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Kleve
Investor saniert in Kleve altes Arbeiterquartier

Kleve: Investor saniert in Kleve altes Arbeiterquartier
Jedes der kleinen, schmucken Backsteinhäuschen hat nun eine eigene Eingangstüre. Blumenkübel sorgen für zusätzliche Farbtupfer. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Die Backsteinhäuser an der Haydnstraße/Mozartstraße, die aus den Zeiten der Weimarer Republik stammen, sind saniert, die Außenanlagen umgestaltet. Die Stadt hat die Straße neu gepflastert. Von Matthias Grass

Kleve hat ein klassisches Quartier gerettet: Die alte Arbeitersiedlung Haydnstraße/ Mozartstraße, die mit ihrem Tor als Eingang zur Haydnstraße und aufwendigen Klinkerverzierungen wie ein Mini-Mini-Marx-Hof in Kleve wirkt, wurde von Investor Clemens Wilmsen Haus für Haus saniert. So entstanden 40 Reihenhäuser mit einer Wohnfläche von rund 65 Quadratmetern, neuem Bad im Keller, einem kleinen Balkon und einem Zugang zum Garten. Nicht zu vergessen auch noch eine Dusche auf halber Treppe. Alles im Bestand saniert, erzählt Wilmsen. Jedes der Häuschen hat seine eigene Eingangstür. Die Stadt hat die Straßen einladend gepflastert, mit Buchenhecken versehen und neue Bäumchen gesetzt. Kurz: Das Viertel, das zeitweise nicht den besten Ruf genoß, ist nicht wiederzuerkennen.

Es ist vorbildlich, dass hier behutsam ein denkmalwerter Sozialwohnungsbau saniert und nicht abgerissen wurde sowie preisgünstiger Wohnraum erhalten blieb: zwischen 435 und 490 Euro Miete kosten die kleinen Häuser. Seine Mieter bräuchten im Schnitt nur 30 Euro an Wasser und Heizung, sagt Wilmsen. Und diesen Verbrauch hat jeder Mieter selbst im Griff, weil die Häuser autark sind. Von den 40 Wohnungen sind 25 vermietet, darunter fünf Altmietparteien, sagt Wilmsen.

Da die Häuser frei finanziert sind, kann jeder, der hier wohnen möchte, einziehen, sagte Kleves Bürgermeisterein Sonja Northing gestern bei der Vorstellung der abgeschlossenen Straßenbauarbeiten. An den Häusern geht die Sanierung in die Endphase. 15 sind noch zu haben, sagt Wilmsen. Northing freute sich, dass dieses Stück Klever Geschichte erhalten werden konnte, erinnerte sie sich an ihre Jugend, als sie täglich der Weg an der Mozartstraße vorbei führte zum Sebus-Gymnasium und man immer Station beim "Büdchen" gegenüber machte.

Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer lobte den Investor, der wunderbar dieses industrielle Zeugnis aus den 1920er/1930er Jahren herausgearbeitet habe. "Wir legen in Kleve Wert auf solche Quartiersentwicklungen, die wir nicht vereinzelt sehen wollen", sagt Rauer und verwies auf Quartiere wie an der Küpperstraße und der Klimaschutzsiedlung. Jetzt sehe man hier, wie ein behutsam sanierter Altbestand die Umgebung aufwerte.

Rauer unterstrich sogar: "Es ist es für die Gesamtentwicklung der Stadt besser, solche Straßenzüge zu bewahren, anstatt abzureißen und neue Blocks darauf zu setzen". Wobei Wilmsen die Möglichkeit hat, neben der Mozartstraße auch Neubauten hochzuziehen. "Das dürfte dann spannend werden mit Blick auf die alten Häuser", sagt Wilmsen. Von den einst städtischen Häusern waren noch gut ein Drittel bewohnt, als die Stadt sie an Wilmsen verkaufte. Der habe von Beginn an darauf bestanden, diese Bauten zu erhalten, erinnert sich Kleves Kämmerer Willibrord Haas. Die Stadt investierte rund 550.000 Euro in die gepflasterte Straße mit Hecken und Bäumchen, einem neuen Regenwasser- und einem neuen Schmutzwasserkanal mit neuen Hausanschlüssen, sagt Willibrord Janssen, Fachbereichsleiter Tiefbau der Stadt. Seine Planer haben die Straße jetzt so gestaltet, dass sie zum Vorgarten der Häuser werden, dass hier eine Begegnungsfläche entsteht, wo sich die Mieter treffen können.

Einzelne Bänke und Stühle neben den Eingangstüren zeigen, dass das die Mieter auch schon erkannt haben. Auch nutzen Radler die früher nicht einfache Strecke jetzt, weil's ein schönes Stück geworden ist. Das hat sich auch bei potenziellen Mietern rumgesprochen, sagt Wilmsen. Denn so, wie die Häuser fertig wurden, wurden sie auch vermietet. Ohne große Werbung.

Quelle: RP
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