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Kleve
Mord-Angeklagte sagen "zur Sache" aus

Kleve: Mord-Angeklagte sagen "zur Sache" aus
Der Angeklagte Sven G. soll mit dem Baseballschläger dem Mordopfer die ersten Schläge gegen den Kopf versetzt haben. RP-Foto: FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Am zweiten Tag im "Baseballschläger-Mordprozess" haben sich zwei der drei Angeklagten gegenseitig die Hauptschuld zugeschoben. Sandra S. betonte ihre Opferrolle, Sven G. nannte Mitleid als Motiv. Von Anja Settnik

Viel Zeit investierte gestern die Schwurgerichtskammer am Landgericht Kleve, um die Angeklagten zu Wort kommen zu lassen, die am 14. September vergangenen Jahres gemeinschaftlich einen Mann ermordet haben sollen. Im Grundsatz sind die 37-jährige Sandra S. aus Kalkar-Wisselward, der ebenfalls 37-jährige Sven G. aus Bedburg-Hau und der 48-jährige Marco A. aus Kleve geständig. Tatbeteiligt waren offenbar alle drei - doch wer die Hauptlast der Schuld trägt und welche Rolle der Drogenkonsum der Beteiligten spielt - das konnte noch nicht geklärt werden.

Marco A., der älteste Tatbeteiligte, wurde noch nicht vernommen. Norbert Scheyda als Vorsitzender Richter ließ zunächst die Frau über die Entwicklung berichten, die zur Tat führte. Nach Darstellung von Sandra S. war Marco M. obdachlos, deshalb hätten ihr Ehemann und sie, die damals noch in Reken lebten, ihn 2005 bei sich aufgenommen. Sie habe sich um den Arbeitslosen "wie um einen kleinen Bruder" gekümmert. Als der 2006 begann, sie sexuell zu bedrängen, habe sie dies empört von sich gewiesen. Kurze Zeit später habe er sie, als ihr Mann nicht zuhause war, vergewaltigt. Als er erfuhr, dass Sandra S. früher mal als Prostituierte gearbeitet hatte, seien bei ihm alle Hemmungen gefallen. Das sei auch nach dem Umzug nach Wisselward so weitergegangen. Ob es sich tatsächlich um Vergewaltigungen handelte, stellte der Richter infrage, denn warum habe die Frau nie die Polizei gerufen oder ihren Mann informiert? Antwort: "Mit der Zeit habe ich Gefallen daran gefunden."

Auch der Angeklagte Marco A. soll auf das am Boden liegende Opfer mit dem Baseballschläger eingeschlagen haben. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Irgendwann kippte diese Wahrnehmung wohl; sie habe die Gewalt nicht mehr ertragen können. Die Frau, der sie sich als erster anvertraute, war eine Mitpatientin auf der Station der Landesklinik, auf der sich auch das spätere Opfer zur Entgiftung aufhielt. Am Tag vor der Tat - der Untermieter war aus der Klinik "heimgekehrt" - habe er gedroht, sobald ihr Mann weg wäre, würde sie ihn richtig kennenlernen. Daraufhin habe sie den Verlobten der Bekannten und dessen Freund gebeten, "mal mit ihm zu reden". Die Männer seien dazu bereit gewesen und hätten sie nach Hause begleitet. Aus Vorsicht habe Sven G. den Baseballschläger, der immer im Flur an der Wand lehnte, mitgenommen. Sie sei in Marcos Zimmer gegangen und habe ihn aufgefordert, mal rauszukommen. Was die beiden Männer dann taten, will die Frau nicht gesehen haben. "Ich hörte nur einen Schlag, sah mich aber nicht mehr um." Später habe Marco M. bewusstlos und mit einem Staubsaugerkabel gefesselt am Boden gelegen, neben ihm der zerbrochene Baseballschläger. Der Staatsanwalt geht davon aus, dass Sandra S. auf den noch atmenden Marco eintrat, "um den Sterbevorgang zu beschleunigen". Die Frau sagte aus, die "Helfer" nach Hause gefahren zu haben, danach habe sie mit ihrem zurückkehrten Mann beratschlagt, was zu tun sei. "Mein Mann hat im Garten ein Loch gegraben, Marco und Sven haben den Toten am nächsten Tag darein gelegt."

Von dieser Darstellung weicht die Einlassung von Sven G. erheblich ab. Er sagte aus, geplant sei gewesen, dass Sandra, mit der er Mitleid gehabt habe, ihrem Peiniger ein mit Schlafmitteln versetztes Essen kochen sollte. Wenn er sediert wäre, sollte Marco A. ihm den "Goldenen Schuss" (tödliche Heroindosis) verpassen. Marco M. habe jedoch bei ihrem Eintreten noch gestanden, deshalb habe er, der vorher Kokain und Heroin konsumiert habe, mit dem Baseballschläger zugeschlagen. Weitere Schläge, bei dem die hölzerne Waffe dann auch zerbrochen sei, habe Marco A. geführt. Sandra habe alles mitangesehen und zum Opfer noch gesagt: "Stirb wie ein Mann. Das ist die Quittung für das, was Du mir angetan hast."

Die Angeklagte Sandra S. mit ihren Anwälten. FOTO: Eve

Heute ab 9 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt.

Quelle: RP
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