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Kalkar
Politischer Fünfkampf in Kalkar

Kalkar: Politischer Fünfkampf in Kalkar
Gerhard Fonck (CDU), Birgit Mosler (parteilos), Uwe Gaida (parteilos), Britta Schulz (Forum Kalkar) und Günter Pageler (Freie Bürger für Kalkar, v.r.). FOTO: Stade
Kalkar. Wortduell im Keiko-Dojo: In Kalkar haben sich die fünf Bürgermeisterkandidaten einen Schlagabtausch geliefert. Während Gerhard Fonck mit Erfahrung im Amt punktet, setzten seine Kontrahenten auf frischen Wind im Rathaus. Von Ludwig Krause

Trotz Spiegelzelt-Konkurrenz aus Kleve: Der Preis für den ausgefallensten Ort einer politischen Podiumsdiskussion dürfte in diesem Jahr nach Kalkar-Kehrum gehen. Im Keiko-Dojo, wo normalerweise japanische Kampfkunst praktiziert wird, haben sich am Wochenende die fünf Bürgermeisterkandidaten Kalkars zwischen Holzschwertern und Gymnastikmatten einen politischen Schlagabtausch geliefert. Damit waren sie der Einladung der Facebook-Gruppe "Wir sind Kalkarer" gefolgt. Soviel vorne weg: Es ist bei Worten geblieben.

Zahlreiche Besucher kamen in den ungewöhnlichen Austragungsort der politischen Diskussion. FOTO: Stade, Klaus-Dieter (kds)

Dabei wollten die beiden Moderatoren Silvia Thon (Inhaberin des Dojo) und Olaf Plotke (Journalist) die Kandidaten nicht nur politisch unter die Lupe nehmen. Amtsinhaber Gerhard Fonck (CDU), Birgit Mosler (parteilos, von SPD und FDP unterstützt), Uwe Gaida (parteilos), Britta Schulz (Forum Kalkar) und Günter Pageler (Freie Bürger für Kalkar) mussten auch bei Fragen zu ihren Vorlieben Rede und Antwort stehen. Beispiel: Hund oder Katze, Dschungelcamp oder Dschungelbuch, Coca Cola oder Pepsi.

Auch wenn manch einer nach dem Sinn dieser Übung suchte: In den 1,5 Stunden, die den Kandidaten blieben, ehe sich alle in Richtung Marktplatz zu "Kalkar Genießen" begaben, konnten sich die Besucher durchaus ein politisches Bild von den Bewerbern um das erste Amt im Rathaus machen.

Amtsinhaber Gerhard Fonck punktete vor allem mit Erfahrung und Sachkenntnis. Seit 1999 leitet der 58-Jährige die Verwaltung, seitdem habe er die Altschulden halbieren können, wie er erklärte. Dort müsse man weiter anknüpfen. Das neue Fachmarktzentrum sei in seiner Amtszeit entwickelt, die Schullandschaft in Kalkar erfolgreich durch unruhige Gewässer gesteuert worden. In Zukunft müsse der Brückenschlag zwischen Fachmarktzentrum und Stadtkern geschafft, die ärztliche Versorgung in der Fläche sichergestellt werden, wie Fonck ausführte. "Ganz wichtig ist das Vereinswesen", sagte der amtierende Bürgermeister. Die Ehrenamtler sollen unter seiner Führung auch in Zukunft mit keinen weiteren Gebühren belastet werden.

Birgit Mosler bezweifelte, dass Kalkar derzeit sein volles Potenzial ausschöpfen kann. Weder Politik, Verwaltung noch Bürger könnten sich in ganzem Maße einbringen. "Wir müssen wieder agieren, anstatt immer zu reagieren", sagte die 49-Jährige. Dafür sei bessere Planung nötig, die dafür nötigen Mehrheiten wolle sie sich durch ihren "integrativen Charakter" suchen.

Uwe Gaida möchte im Falle seiner Wahl ein Bürgermeister-Team einsetzen. Nur durch deutlich engere Zusammenarbeit der Führung könne Kalkar vorangebracht werden. Der 55-Jährige setzt auf seine Erfahrung, die er über Jahrzehnte in der Bundeswehr und Unternehmensführung gesammelt habe. "Um ein Flugzeug zu fliegen, braucht man einen Pilotenschein", sagte Gaida. Genaue Pläne, um etwa Kalkars Haushalt zu sanieren, könne er aber noch nicht präsentieren. "Solange ich nicht alle Zahlen und Fakten auf dem Tisch liegen habe, weiß ich ja gar nicht, wie die Lage aussieht."

Britta Schulz vom Forum Kalkar hält Verwaltungserfahrung derweil für zweitrangig. Schließlich gelte es, die Probleme gemeinsam mit den Experten in den Fachbereichen anzupacken. Dass Kalkar derzeit nicht vorankomme, liege "an der Blockadehaltung des Bürgermeisters", wie Schulz meint. Dabei müssten die Bürger schnellstens wieder Vertrauen in Politik und Verwaltung zurückgewinnen. "Wir müssen von der Verwaltung zur Gestaltung zurückkehren. Dabei müssen auch die Mitarbeiter den nötigen Freiraum bekommen." Auch der Stadtrat soll sich unter ihrer Führung von seiner derzeitigen Blockbildung lösen. "Sonst kommen wir keinen Meter weiter."

Bei Günter Pageler steht vor allem die Jugend Kalkars auf dem Programm. Für sie gelte es, Spielplätze und Aufenthaltsbereiche zu schaffen. Nur wenn die Jugend früh genug abgeholt werde, könne sie auch langfristig an Kalkar gebunden werden, meint der 56-Jährige. Finanziell müsse "alles auf den Prüfstand", vor allem müssten neue Einnahmen generiert werden - etwa durch Aussortieren des städtischen Gebäudebestands. Darüber hinaus müsse endlich eine saubere Schnittstelle zur Integration von Flüchtlingen und Migranten ermöglicht werden.

Die Einstiegs-Statements der Bürgermeisterkandidaten wurden gefilmt und im sozialen Netzwerk Facebook hochgeladen. Dort konnten die Nutzer dann live mittels "Likes" ein Stimmungsbild abgeben. Kurz nach Ende der Veranstaltung hatte Fonck die Nase deutlich vorne. Wer am Ende die meisten Wähler von sich überzeugen kann, zeigt der 13. September.

Quelle: RP
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