| 00.00 Uhr

Kreis Kleve
Schlichter Chic fürs Industriegebiet

Kreis Kleve. Nicht nur der Wohnbau - auch Industrieanlagen sollten durch ansprechende Architektur überzeugen. Das Gelderner Büro Hanßen baut seit Ende der 1970er Jahre deutschlandweit. Von Matthias Grass

Zwei mächtige Außenpfeiler scheinen den lichten Bau zu tragen, dessen Glasfassade in einem Kreissegment zurückspringt, während das von zwei Säulen getragene Vordach im gleichen Bogen nach vorne schaut und Schutz bietet. Dahinter öffnet sich eine drei Etagen hohe, lichtdurchflutete, von einer großzügigen Stahl-Glaskonstruktion dreiseitig umgebene Vorhalle. Leichte wie mächtige Gitter-Träger halten das Dach in großer Höhe, am Ende der Glashalle folgt eine Freitreppe, die zu den Galerien vor den Büros führt. Der Bau ist zugleich Verwaltung und Ausstellungshalle und Repräsentanz für den Krefelder Büroausstatter Lechner+Hayn in Krefeld. Gebaut hat ihn das Gelderner Architekturbüro Hanßen.

Hanßen ist ein Büro, das sich in erster Linie auf den Bau großer Industriehallen und Verwaltungsgebäude konzentriert: So wie die große Landgard-Anlage in Lüllingen, wie der "real" in Tönisvorst, der mit einem Stahl-Glas-Kubus glänzt. Die Anlage von "AZ" Obst und Gemüse vom Niederrhein in Kempen hat Hanßen ebenfalls gebaut - mit großer Halle, Verwaltungsbau und Laborgebäude. Nicht zu vergessen die Waschanlage für die beigefarbenen Lkw mit dem grünen "AZ"-Logo auf der Seite. Symmetrisch steht der sechsachsige Verwaltungsbau mit seinem breiten, gläsernen Mittelrisalit vor der beigefarbenen Halle und schaut auf das gegenüberliegende Laborgebäude.

In Dortmund wurden die Tedi-Firmenzentrale saniert und eine weitere Halle angebaut, der dortige alte Verwaltungsbau auf den heutigen Stand der Dinge gebracht. Klar, gradlinig und transparent überzeugt der Neubau von BMW Fett&Wirtz in Geldern mit weit auskragendem Dach, das über einer schlanken Stahlkonstruktion schwebt. Hanßen verwirklicht Projekte in ganz NRW. Deutschlandweit wurden zudem Vorhaben in Nord-, Ost- und Süddeutschland geplant und umgesetzt, wie das Feldspritzenwerk von Lemken in Haren/Niedersachsen. Die Planer sind als klassisches Architekturbüro unterwegs: Baugenehmigungsplanung, Arbeitspläne, Ausschreibung, Vergabe, Bauleitung und Abrechnung liegen in einer Hand, die Gewerke gehen an Handwerker vor Ort.

Darin sieht Architekt Engelbert Hanßen seinen Vorteil: "Wir vergeben als Architekten die Aufträge ohne Kostenzuschläge für Generalunternehmer, und dennoch hat der Bauherr einen Ansprechpartner, der gesamtschuldnerisch tätig ist", sagt er. "Ob Neubau, Umbau oder Komplettsanierung: Unsere Leistungen in Planung und Architektur sollen die funktionalen Ansprüche, die Bauherr und Nutzer stellen, erfüllen". An erster Stelle stehe für ihn die optimale Funktion des Gebäudes und die Berücksichtigung möglicher zukünftiger Entwicklungen. Die Form folgt der Funktion. Um das zu erreichen werde eine umfangreiche Beratung des Bauherren auch über die Analyse und Berücksichtig aktueller und zukünftiger Betriebsabläufe angeboten, sagt Hanßen (Foto unten).

Der Architekt hat das Büro 1976 in Geldern gegründet. "Sehr bald habe ich erkannt, dass auch im Industrie- und Gewerbebau vieles rationeller gestaltet werden kann", sagt der Architekt. Bald machte er die Rationalisierung in Planung und Bauvorhaben zu seiner Maxime. Ziel: Die Planung muss kostengünstig werden, schnell realisierbar sein und trotzdem ansehnlich. Ganz wichtig: Die Kostenkalkulation musste zuverlässig im Rahmen bleiben: "Die Termin- und Kostentreue hat seit Gründung des Büros einen besonderen Stellenwert", unterstreicht Hanßen.

Bei seinen Planungen setzt der Gelderner auf die lange Erfahrung mit dem Einsatz von Stahlbetonfertigteilen für das Gebäudetragwerk des Baus. Diese Bauweise ermöglicht die im Industriebau so wichtigen großen Spannweiten und erfüllt den Brandschutz. Denn nichts ist später für die Fertigung in einer Halle hinderlicher als Säulen an der falschen Stelle. Die architektonische Gestaltung ist letztlich auch eine Frage des Budgets: "Ein gutes Gebäude ist immer ein Imagegewinn", sagt Hanßen.

Dass sein Büro aber nicht allein an Hallen und Verwaltungsbauten draußen in den Gewebegebieten der Republik festzumachen ist, zeigt Hanßen unter anderem mit dem Ausbau des Seehotels in Geldern. Mit Blick auf die Projekte, die termin- und kostengerecht fertig wurden, resümiert Hanßen: "Bauen kann auch eine positive Erfahrung sein - bei allen Schwierigkeiten, die große Projekte bergen." Mittlerweile besteht das Büro aus einem Team von neun Architekten, Ingenieuren und Zeichnern, darunter auch der Sohn von Engelbert Hanßen, Arndt.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kreis Kleve: Schlichter Chic fürs Industriegebiet


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.