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Kleve
Von der Aura der Farbe

Kleve: Von der Aura der Farbe
Das Museum Kurhaus Kleve zeigt die Bilder von Gitta van Heumen-Lucas in einer Studio-Ausstellung. FOTO: Evers Gottfried
Kleve. Das Museum Kurhaus Kleve präsentiert Werke der Klever Künstlerin Gitta van Heumen-Lucas, die dieses Jahr 80 Jahre alt wird. Eine schöne Studio-Ausstellung in den Rämen des Obergeschosses, die bis Ende Januar zu sehen ist. Von Matthias Grass

Licht und Schatten, Farbe und Raum - das sind die Zutaten mit denen Gitta van Heumen-Lucas ihre Werke schafft. Und wie ein guter Koch nimmt die Klever Künstlerin von allem nur die nötigen Mengen, konzentriert sich auf das Wesentliche, bleibt minimalistisch aufgeräumt in ihren exakt austarierten Bildern und Objektkästen. In diesem Jahr wird die gebürtige Krefelderin 80 Jahre alt - Grund für das Klever Museum Kurhaus, der Grand Dame der Klever Kunstszene eine kleine, aber ausgesprochen feine Kabinett-Ausstellung in der dritten Etage des Hauses einzurichten.

Museumsdirektor Prof. Harald Kunde konzentriert sich dabei auf die jüngsten fünf Jahre ihres Werkes, wobei aber auch ältere Bilder als Teile von Serien in das Gefüge gehören. Zusätzlich ist eine Edition von Originalen erschienen, die fünf Farben in fünf Blättern durchdekliniert. Es ist eine wunderbare Ruhe in den Räumen, die Gitta van Heumen-Lucas oben im Klever Kurhaus eingerichtet hat. Dabei wirkt jedes Bild für sich wie ein Akkord, alle zusammen addieren sich zum Raumklang.

Die Werke der Künstlerin, die an der altehrwürdigen Werkkunstschule in Krefeld studierte, sind exakt geplant. Van Heumen-Lucas geht in ihren Bildern auch in die dritte Dimension, muss nicht nur die Wirkung der Farbflächen aufeinander berücksichtigen, die Aura der Farben und Felder austarieren, ihre Wirkung gegeneinander abwägen. Sie muss auch den Schatten, den diese Flächen werfen, im Blick haben. Denn die Objektkästen sind Projektionsfläche für Farbe und Licht in verschiedenen Ebenen, die letztlich ein räumliches, etwa zwei bis dreifingerdickes Bild ergeben. Das Glas, das sonst nur Papier und Passepartout schützt, ist hier zusätzlicher Bildträger: Van Heumen-Lucas malt Felder auf dieses Glas, helle, dunkle, farbige. In der Regel sind das geometrische Formen wie Rechtecke oder Streifen.

Auch auf die weiß grundierte untere Bildfläche setzt sie Farbfelder - rechteckig, als Quadrat oder als Streifen, als Linien. Die können mit breitem faserigen Farbstift gezogen sein oder als dünne Bleistiftlinien. Diese Felder und Linien teilen das Blatt rhythmisch auf. Ein Rhythmus, der an sich schon spannend ist. Aber darüber liegen die teils durchscheinenden, teils blickdichten Flächen auf dem Glas - oftmals in einem anderen Rhythmus, so dass ein interessanter Klang entsteht. Dazu zaubert van Heumen-Lucas die Aura der Farbe ins Bild: Sonnengelb leuchtet auf dem weiß grundierten Papier unten ein Rechteck, wo gar keins ist. Denn manche der meist weißen Felder auf dem Glas sind auf der Rückseite farbig bemalt - beispielsweise mit einem hellen Gelb. Und die "Aura" dieses Gelb leuchtet auf die untere Fläche. Van Heumen-Lucas nennt diese imaginären Licht-Farbflächen "Echos".

An anderer Stelle ist's der Schatten, der auf das Glas gemalten Formen, der unten neue Formen aufs Blatt wirft. Auch wenn das Ganze exakt geplant ist, bricht auch die Spontaneität der Kleverin hervor, wenn die strikte Feldereinteilung mit ein paar leuchtenden Farbtupfern durchbrochen wird. "Da hatte ich Lust, noch einmal Farbe ins Spiel zu bringen", sagt sie.

Es ist spannend, sich Zeit für den einzelnen Objektkasten zu nehmen und den Rhythmus von Formen, Farben, Linien, Echos und Schatten zu ergründen. Zumal sich aus einer "begrenzten Anzahl von Aktionen ein ganzer Kosmos entwickelt", so Kunde. Und aus den einzelnen Objektkästen oder Bildern eben jener Raumklang: "Räume und Arbeiten gehen eine Symbiose ein, dass einem das Herz aufgeht", sagt Kunde.

Gitta van Heumen-Lucas. Museum Kurhaus Kleve. Bis 29. Januar. Als Katalog dient der im Wienand-Verlag erschienene Band "zeitzonen".

Quelle: RP
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