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Köln
Der Rheinboulevard wird später fertig

Köln. Ausgrabungen und Betonfundamente führen drei Monate lang zu Verzögerungen. Die Kosten steigen um 1,3 auf 26,1 Millionen Euro. Zu Ostern wird der Panoramaweg eröffnet. Die Gesamtanlage ist ab dem Sommer komplett nutzbar. Von Stephan Eppinger

Der Rheinboulevard am Deutzer Ufer ist mit seiner großen Freitreppe eines der großen Kölner Prestigeprojekte. Nachdem im vergangenen Jahr bereits der untere Teil der Treppe für die Öffentlichkeit freigegeben werden konnte, sollte der komplette Boulevard bis zum Frühjahr folgen. Dies wird sich nun laut Stadt um drei Monate bis zum Sommer verzögern. Restarbeiten wie die Zugänge zur Mitte des Boulevards werden erst im September fertiggestellt. Die Gesamtkosten steigen dadurch um 1,33 auf 26,1 Millionen Euro.

Die Gründe für die Verzögerungen liegen unter anderem bei riesigen Betonplatten, die bei den Vorbereitungsarbeiten im Boden am Rheinufer gefunden worden sind. Die mächtigen Fundamente stammen von den Flügelbauten des Hauses der rheinischen Heimat, das in den 1920er Jahren gebaut wurde und das inzwischen komplett verschwunden ist.

Zu den Problemen der Betonplatten gehört, dass diese an ihren Unterseiten mit Teerpappe versehen sind, die krebserregende Stoffe enthält, die freigesetzt werden, wenn diese entfernt werden. Insgesamt 2000 Quadratmeter Beton wurden gefunden. Ein Großteil liegt im Bereich der mittleren Zugänge zum Rheinboulevard. Hier kann man die Fundamente liegenlassen, muss aber die Bauweise der Pflasterung anpassen. Dort wo auf etwa 300 bis 400 Quadratmetern am Boulevard die Bäume gepflanzt werden sollen, muss der Beton aufwendig mit Schutzvorkehrungen entfernt werden.

Verzögert hat die Arbeiten auch die Tatsache, dass das Kürassierdenkmal am Ufer nicht mehr standsicher war und dessen Fundament entfernt werden musste. Dadurch haben sich auch die archäologischen Ausgrabungen um etwa vier Wochen verzögert und konnten erst im Dezember nach mehr als fünf Jahren Dauer beendet werden.

Zutage kamen Zeugnisse aus zwei Jahrtausenden Kölner Geschichte, wie beispielsweise die Grundmauern des römischen Kastells, das um 400 n. Chr. gebaut wurde und das zu den größten am Rhein gehörte. Später entstand am gleichen Ort im friedlichen Übergang eine fränkische Stadt mit der Kirche Alt St. Urban. Um diese wurde der größte Kölner Friedhof des Mittelalters und der frühen Neuzeit mit vermutlich mehr als 1000 Bestattungen gefunden. So wurden bei den Ausgrabungen zahlreiche Gräber aus den Jahren zwischen 800 und dem 18. Jahrhundert gefunden, die Einblicke in das Leben im rechtsrheinischen Gebiet geben. Auch Gürtelschnallen und venezianische Münzen wurden ausgegraben.

Später waren es die Preußen, die mit ihrer Kürassier-Kaserne und dem Kopfbahnhof der Bergischen-Märkischen Eisenbahn ihre Spuren am Deutzer Rheinufer hinterlassen haben. Besonders markant ist die für 130.000 Euro restaurierte Drehscheibe für Bahnen und der sogenannte Schinkenkessel, ein Turmbau, der auf den erhaltenen Grundmauern des römischen Kastells errichtet wurde. All diese Funde sollen in den neuen Rheinboulevard integriert werden.

Wie dieser später aussehen soll, kann man schon heute im Bereich des Hyatt-Hotels erkennen, wo der Boulevard bereits weitgehend fertiggestellt ist. Dort wurden auch schon die ersten Lederhülsenbäume gepflanzt, die den kompletten Boulevard begrünen sollen. Zu Ostern soll zumindest der Panormaweg zwischen Hochwasserschutzmauer und Treppe fertig sein und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Der Zugang ist auch weiterhin nur von den Seiten möglich.

Quelle: RP
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