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In jeder Vorstellung ein Gemälde

Köln. Nora von Collande und Herbert Herrmann stehen im Theater am Dom mit dem Stück "Anderthalb Stunden zu spät" auf der Bühne. Die Schauspieler nutzen ihre Arbeit dort, um den "Weißen Ring" zu unterstützen. Von Stephan Eppinger

Köln Ein Paar ist mit Freunden zum Essen verabredet, doch kurz vor dem Aufbruch starten beide eine intensive Diskussion über ihre Beziehung und kommen "Anderthalb Stunden zu spät". Mit dem Stück von Gérald Sibleyras und Jean Dell stehen Nora von Collande und Herbert Hermann bis zum 10. April auf der Bühne im Theater am Dom. Bei jeder Vorstellung entsteht dort ein Gemälde, das zugunsten der Opferhilfe "Weißer Ring" versteigert wird.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem "Weißen Ring"?

Nora von Collande Wir wurden gefragt und waren sofort als Botschafter dabei. Der "Weiße Ring" betreut Kriminalitätsopfer, die allzu oft vergessen werden. Die Versteigerung der Bilder, die jeden Abend auf der Bühne entstehen, verstehen wir als Geste, die vor allem Aufmerksamkeit für die Opferhilfe bringen soll. Inzwischen haben wir bundesweit mehr als 4500 Euro gesammelt. Auch Städte haben Bilder gekauft und in ihren Rathäusern aufgehängt.

Ist es nicht schwer, auf der Bühne ein Stück zu spielen und gleichzeitig zu malen?

Von Collande Bei den Proben bin ich fast verzweifelt. Entweder habe ich meinen Text gesprochen und nicht gemalt oder ich war so intensiv mit dem Malen beschäftigt, dass mich Herbert als Regisseur auf den Text hinweisen musste. Beides zusammen zu machen, ist ziemlich schwierig.

Was bedeutet Ihnen das Malen?

Von Collande Ich male sehr gerne, auf der Bühne habe ich das aber noch nie gemacht. Ich stamme aus einer sehr künstlerischen Familie. Mein Großvater war ein berühmter Maler und Bühnenbilder und mein Vater war Architekt und ebenfalls Bühnenbildner. Ich habe auch meinen Roman selbst illustriert, wobei mir das Schreiben noch mehr Spaß macht als das Malen.

Herr Herrmann, Sie sind gleichzeitig Regisseur und Hauptdarsteller. Was hat Sie an der Geschichte gereizt?

Herbert Herrmann In dem Gespräch zwischen den beiden Partnern werden humor- und liebevoll alle Dinge angesprochen. Es geht um ein Paar, bei dem die Kinder lange aus dem Haus sind und auch der bevorstehende Ruhestand zum Thema wird. Die Frau will reden, was der Mann eigentlich nicht so gerne macht. Es werden kleine Gemeinheiten ausgetauscht, aber ohne den anderen zu beleidigen. So geht es auch darum, wie man älter wird, und die Resonanz von alten sowie von jungen Menschen ist größer, als ich das gedacht hätte. Wir sind schon von 20-Jährigen deswegen auf der Straße angesprochen worden. Schön ist, dass man mit dem Stück eine Liebesgeschichte bis zum Abschluss erzählen kann, das findet man heute in den Fernsehserien kaum noch.

Wie gehen Sie selbst mit dem Alter um?

Herrmann Für mich war das nie ein Thema. Man muss einfach anständig älter werden. Die meisten Menschen machen den Fehler, das Alter nicht anzunehmen, sondern damit zu hadern.

Von Collande Für Frauen ist das schon mehr ein Thema, mit dem man auf eine gesunde Art und Weise umgehen sollte. Dazu gehört auch eine liebevolle Beziehung mit dem eigenen Partner. Es ist schon tragisch, wie andere auf Dinge wie Botox setzen, einen Eingriff, den man ja sofort sieht. Da fehlt es auch an Selbstbewusstsein. Man muss Veränderungen einfach annehmen.

Im Titel geht es um das Zuspätkommen. Wie wichtig ist Ihnen Pünktlichkeit?

Herrmann Ich bin Schweizer und stelle alle Uhren zehn Minuten vor, um immer pünktlich zu sein. Ich empfinde Unpünktlichkeit als unhöflich und reagiere auch auf der Bühne darauf. Dabei kann ich es eher verstehen, wenn einer eine Stunde zu spät kommt, weil dann etwas passiert ist. Bei fünf Minuten habe ich weit weniger Verständnis.

Quelle: RP
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