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Neue Regelung in Köln
Wenn der Parkplatz zum Café wird

Neue Regelung in Köln: Wenn der Parkplatz zum Café wird
Das Schnörres in der Kölner Südstadt hat als eines der ersten Lokale Parkplätze vor der Tür angemietet, um dort Außengastronomie zu betreiben. FOTO: Sievers
Köln/Düsseldorf. Was tun, wenn ein Lokal im Sommer keine Tische und Stühle nach draußen stellen kann, weil kein Platz da ist? In Köln können Gastronomen seit dieser Woche Parkplätze vor ihrer Haustür mieten. Ein Konzept, das in Düsseldorf völlig utopisch scheint. Dabei gäbe es auch hier Bedarf.  Von Merle Sievers

Das Schnörres (kölsche Mundart für "Schnurrbart") zählt zu den absoluten Szene-Kneipen in der Kölner Südstadt. Hier treffen sich Studenten, Hipster und echte Kölner für ein Feierabendbier, einen Moscow Mule oder andere hippe Trendgetränke. Einziges Problem: An kalten Tagen ist der Laden voll, alles drängt sich im schummerigen Innenraum der Kneipe. An warmen Sommertagen herrscht dagegen gähnende Leere. 

Tische und Stühle auf dem Parkplatz

"Wenn es abends schön ist, dann wollen die Leute eben lieber draußen sitzen. Im Sommer machen wir deswegen manchmal sogar ein Minusgeschäft", sagt Marco Martins, Betreiber des Schnörres. "Seit das Nichtrauchergesetz in Kraft getreten ist, zieht es die Leute noch mehr nach draußen." Seit dieser Woche können Martins und seine Kollegen ihre Gäste auch draußen bewirten. Auf den Parkplätzen vor dem Lokal stehen seit Montag Tische und Stühle, die zum gemütlichen Verweilen im Freien einladen. 1500 Euro zahlt das Schnörres dafür bis Ende des Jahres an die Stadt Köln. 

Dass das möglich ist, verdankt der Betreiber einer neuen Regelung der Stadt Köln, wonach es Gastronomen erlaubt wird, Parkplätze vor ihrem Lokal anzumieten, um dort Außengastronomie zu betreiben. Stadtverwaltung und Odnungsamt hatten dem Antrag nach mehreren Monaten Diskussion zugestimmt. Allerdings gilt die Regelung bislang nur für zwei der insgesamt neun Stadtbezirke in Köln. Bedenken gab es vor allen Dingen wegen der ohnehin angespannten Parkplatzsituation in den Szenevierteln. "Jeder Antrag wird genau geprüft und dann wird im Einzelfall entschieden", sagt Uwe Kaven vom Gewerbeamt Köln. Nur wenn ein Lokal die strengen Auflagen der Stadt erfüllt, wird eine Genehmigung für das laufende Jahr erteilt. Laut Kaven haben mehrere Kölner Betriebe inzwischen einen entsprechenden Antrag gestellt, die ersten wurden bereits genehmigt. Es ist ein Pilotversuch, Ende 2016 will die Politik Bilanz ziehen. In Bonn hat man im vergangenen Jahr mit einem ähnlichen Projekt positive Erfahrungen gemacht. 

Düsseldorf will Parkplätze wahren

In Düsseldorf ist man von solchen Experimenten noch weit entfernt. Zu wenig Platz und zu viel Verwaltungsaufwand, meint Michael Zimmermann vom Ordnungsamt der Stadt. Schließlich müssten bei so einer Regelung jedes Mal die Sicherheitsvorkehrungen überprüft werden. "Außerdem haben wir in Düsseldorf besonders im Innenstadtbereich und am Hafen bereits verhältnismäßig viele Terrassen, auf denen Außengastronomie betrieben wird. Daher hat das Interesse der Bürger nach ausreichend Parkplätzen in der Stadt eindeutig Vorrang." 

Einige Düsseldorfer Gastronome sehen das anders. Robert Potthoff, Betreiber der Ellington Bar in Friedrichstadt, blickt neidisch auf die neue Regelung in Köln. Seine Bar hat keinerlei Fläche unter freiem Himmel, auf der Gäste bewirtet werden könnten. Lediglich eine kleine Bank steht vor der Tür auf dem Gehweg. "Für uns wäre das super, wenn wir auf den Parkplätz-Flächen vor unserem Laden Tische und Stühle aufstellen könnten. Im Sommer zieht es die Gäste einfach nach draußen. Gerade an den ersten warmen Tagen des Jahres ist vor 23 Uhr bei uns selten etwas los," sagt Potthoff. 

Auch Claudia Verón vom Steak-Restaurant The Bull in der Innenstadt würde es begrüßen, wenn sie die Parkplätze vor ihrem Laden nutzen könnte. "Zwar müsste ich mich wahrscheinlich auf Beschwerden der Anwohner wegen der Lautstärke einstellen, aber einen Versuch wäre mir das wert", sagt die Gastronomin. 

 

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