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Krefeld
Auf den Hahn gekommen

Krefeld: Auf den Hahn gekommen
Stephan Schröder (l.) und Tim Thönnissen, Vorsitzender des Krefelder Geflügelzuchtvereins 1879. FOTO: Strücken
Krefeld. Bei einer besonderen Geflügelschau am Wochenende geht es nicht um Leistung, sondern darum, alte Geflügelarten zu erhalten. Von Christine van Delden

Nein, wirklich gerne möchte Hahn Henry nicht auf den Arm genommen werden. Sobald er wieder festen Boden unter sich hat, drückt er seine Missbilligung deutlich aus: plustert sich ordentlich auf und kräht laut - schließlich wacht er über seine Hennen, ist nicht nur Streitschlichter im Stall, sondern gegebenenfalls auch Alarmanlage. Hahn Henry ist ein "gelber Orpington" und gehört damit einer Rasse an, die zu den größten und schwersten Hühnerrassen zählt: Ein Orpington-Hahn bringt stattliche 4,5 bis 5 Kilo auf die Waage.

Henry lebt in Linn und ist der Stolz von Stephan Schröder, der ihn von einem Spitzenzüchter erworben hat. Aber nicht nur Henry und seine Hennen leben bei den Schröders. Der Familienvater und Hobby-Tierhalter beherbergt fast einen kleinen Zoo: Neben drei Seidenhühnern und neun Wachteln gehören noch zwei Hunde, Vögel und Fische zur Familie. "Ich wollte immer Tiere um mich haben". Er erzählt, dass er zunächst ein Hühner-"Mischvolk" hatte, also Hühner aus verschiedenen Farbschlägen.

Mit seinen Fragen zur artgerechten Haltung von Hühnern hatte er sich an den Krefelder Geflügelzuchtverein 1879 gewandt und bekennt: "Da hat mich das "Fieber" der Hühnerzucht gepackt." Seit vier Jahren ist er nun Mitglied im Verein, hat sein Hühner-Mischvolk an Liebhaber weiterverkauft und sich auf die Aufzucht von gelben Orpingtons spezialisiert.

An diesem Wochenende wird er seine Hühner auf der jährlichen Geflügelausstellung zeigen, die heute und morgen in der Gärtnerei Tausendschön in Krefeld Traar stattfindet. Auf der Schau werden die unterschiedlichsten Geflügelsorten vorgestellt: Puten, Hühner, Gänse, Enten, Tauben und Ziergeflügel wie zum Beispiel Mandarin- oder Brautenten. Es werden über 200 Tiere gezeigt und circa 40 verschiedene Rassen. "Diese Schau ist keine reine Leistungsschau", erklärt Tim Thönnissen, Vorsitzender des Krefelder Geflügelzuchtvereins 1879, "sondern die Züchter haben es sich zur Aufgabe gemacht, Rassegeflügel zu züchten. Es gibt hierfür einen deutschen Standard, der durch Preisrichter festgestellt wird. So hilft unser Verein, die Vielfalt an Rassegeflügel zu erhalten und alte Sorten vor dem Aussterben zu bewahren". Stephan Schröder ergänzt: "Wir haben damit auch einen gesellschaftlichen Auftrag: Mit dem Verein machen wir Besuche in Kindergärten und Schulen und betreiben Aufklärung. Es ist erschreckend, wie viele Kinder nicht wissen, woher ein Ei kommt und wie ein Küken ausgebrütet wird." Auch an seinem Grundstück bleiben immer wieder Menschen stehen, freuen sich an den hübschen Tieren und stellen Fragen. Allerdings muss Stephan Schröder einräumen, dass nicht alle Menschen über seine Hühnerhaltung glücklich sind: "Mit einem Nachbarn musste ich mich mit einem Schiedsmann verständigen." Der Kompromiss, der gefunden wurde, ist ein schallisoliertes Hühnerhaus, dessen Klappe morgens und abends mit einer Zeituhr gesteuert wird, so dass Hahn Henry nicht zur Unzeit draußen krähen kann.

Quelle: RP
 
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