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Krefeld
Bahnhofsmission feiert 110-Jähriges mit großem Fest auf dem Bahnsteig

Krefeld: Bahnhofsmission feiert 110-Jähriges mit großem Fest auf dem Bahnsteig
Annelie Plümer (vorn) koordiniert die Arbeit der Bahnhofsmission. Alle Mitarbeiter arbeiten ausschließlich ehrenamtlich. Zum 110. Bestehen wird jetzt eine Festschrift aufgelegt, für die Edgar Sonnenschein (l.) in historischen Unterlagen recherchiert hat. Ellen Weinebrod und Bernd Reefschläger von der Diakonie unterstützen die freiwilligen Helfer bei ihrer Tätigkeit, die teils so außergewöhnliches leisten, wie einem Blindenhund beizubringen, den Aufzug-Rufknopf zu finden. FOTO: Carola Puvogel
Krefeld. Mehr als 30 Ehrenamtler der Bahnhofsmission kümmern sich mit viel Engagement nicht nur um Reisende, die Hilfe benötigen, sondern umsorgen im Café auf Bahnsteig 1A auch Menschen in Not. Von Carola Puvogel

110 Jahre Bahnhofsmission Krefeld werden in der kommenden Woche mit einem großen Fest gefeiert. Und wo könnte es anders stattfinden, als am Gleis 1A des Krefelder Hauptbahnhofs? 140 Gäste werden dort am Samstag, 29. April, zur Krefelder Kaffeetafel erwartet, berichtet Annelie Plümer, Ehrenamtskoordinatorin der Bahnhofsmission. Gerne dürfen es auch mehr werden: Denn das Team sucht immer weitere Helfer, die ein offenes Ohr für die Nöte anderer haben. Das Fest wäre also ein guter Startpunkt, sich über die Arbeit am Bahnhof zu informieren.

Beginnend mit einem Gottesdienst um 11 Uhr werden die Besucher von 12 bis 14 Uhr mit Musik und vom Zauberer Shirco unterhalten. Der Zauberer ist auch ein bisschen eine Hommage an Harry Potter, erklärt Diakonie-Geschäftsführerin Ellen Weinebrod, weil der Zauberschüler ja von einem Bahnsteig aus in das große Abenteuer Richtung Hogwarts-Internat gestartet sei.

Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission, hier Annelie Plümer, sind an ihren blauen Westen zu erkennen. FOTO: TL

Mehr als 30 ehrenamtliche Mitarbeiter hat das Team der Bahnhofsmission. Seit dem Neustart im Jahr 2007 und der damit verbundenen inhaltlichen Neuausrichtung hat sich das Tätigkeitsfeld der Helfer in der roten Weste völlig verändert. Was einst vor allem eine Suppenküche für Bedürftige war, ist heute ein Anlaufpunkt nicht nur für Reisende, sondern vor allem auch für vom Leben Gebeutelte, die mit Rat und Tat unterstützt werden. Mehr als 17.000 solcher Kontakte gab es im Jahr 2016. Rund 850 Mal konnten die Ehrenamtler außerdem Reisenden helfen - beim Ein- und Aussteigen, bei Schwierigkeiten mit dem Fahrkartenautomaten und vielen anderen Gelegenheiten rund ums Bahnfahren.

Nicht jede Mission ist so außergewöhnlich, wie die, von der Annelie Plümer berichtet: Eine blinde Reisende hatte Probleme, mit dem Fahrstuhl den Bahnsteig zu erreichen, weil ihr Blindenhund darauf geschult war, dass der Rufknopf für den Aufzug sich neben der Tür befindet. "In Krefeld ist der Knopf jedoch an einer Säule, die 30 Zentimeter vor der Aufzugtür steht - ein Riesenproblem für die Frau." Mit viel Geduld und Fleischwurst als Belohnung half Plümer, den Hund auf den Rufknopf-Standort abzurichten.

Die Deutsche Bahn hat am Standort Krefeld mittlerweile kein Personal mehr auf den Bahnsteigen. Als Erfüllungsgehilfen des Unternehmens sehen sich die ehrenamtlichen Helfer dennoch nicht. "Es ist ein Geben und Nehmen zwischen der Bahn und uns", sagt Ellen Weinebrod. Denn die Nutzung der Räume an Gleis 1A ist für die Bahnhofsmission kostenlos - Nebenkosten inklusive. Um die 40 Menschen finden sich dort jeden Tag zu den Öffnungszeiten ein. Für eine Tasse Kaffee, ein Gespräch, aber auch Rat in der Not. "Wir vermitteln von der Bahnhofsmission weiter in professionelle Hilfe, wenn es sein muss", erklärt Plümer. Aber oft helfe - und das ist der Wahlspruch der Bahnhofsmissionen - "Eine Tasse Menschlichkeit" schon dabei, Menschen in ihrem Kummer aufzufangen.

Wer sich im Team der Bahnhofsmission einbringen will, kann sich telefonisch unter 314050 melden und auf den Anrufbeantworter sprechen. www.bahnhofsmission.de

Quelle: RP
 
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