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Krefeld
Balkenhol-Skulptur schwebt Restaurierung entgegen

Balkenhol-Skulptur wird vom Helios-Klinikum geholt
Balkenhol-Skulptur wird vom Helios-Klinikum geholt FOTO: Carola Puvogel
Krefeld. Ein Spezialistenteam hat gestern die Holzskulptur vom Dachfirst der Helios-Klinik heruntergeholt. Das Kunstwerk muss saniert werden. Ein privater Sponsor zahlt die Kosten. Von Petra Diederichs

Als der "Mann mit grünem Hemd und grauer Hose" nach gut 20 Jahren erstmals wieder Erdboden unter den Füßen hat, ist der erste Eindruck: "Der ist ja kleiner als gedacht". Der Blick von unten nach oben verzerrt die Proportionen. Dann folgt das Gefühl: "Gut, dass er unten ist." Die knapp drei Meter hohe Holzskulptur von Stefan Balkenhol, die seit 1995 auf dem First des Klinikgebäudes am Lutherplatz steht, ist gestern abmontiert worden. Nun soll das Kunstwerk restauriert werden.

Gegen 11 Uhr hat die Operation begonnen. Ein 58 Meter hoher Turmdrehkran auf dem Platz vor der Helios-Kinderklinik fährt zuerst zwei Spezialisten in die Höhe, die das Kunstwerk auf dem 21 Meter hohen First mit schweren Gurten sichern und dann die starken Schrauben der Verankerung lösen. Eine knappe Stunde später liegt der Holzmann gut vergurtet und mit dicken Filzdecken vor Transportschäden geschützt auf dem Lastwagen - bereit für die Abfahrt.

Alles Routinearbeit. "Es hat nicht geregnet - zum Glück", sagt Jürgen Liethen, Projektleiter der Firma Niesen. Für das Leverkusener Unternehmen für Kunsttransporte ist Aufstellen und Abmontieren von schweren Kunstwerken Alltagsgeschäft. Doch Gewitter und Sturmböen hätten das Unterfangen gefährden können: Die Balkenhol-skulptur ist aus Libanonzeder. Sie wiegt etwa eine Tonne. "Und bei Regen saugt sich das Holz voll und wird schwerer", sagt Liethen. Er ist zufrieden. Bei diesem Projekt wurde beste Vorarbeit geleistet, die Technische Abteilung der Klinik hatte sein Team mit zahlreichen Detailfotos versorgt. Ganz problemlos und zügig ist "Der Springer", wie die Krefelder den Holzmann nennen, sicher unten angekommen.

Er sieht vom Wetter mitgenommen aus. Das Grau der Hose ist fast völlig unter einer grünen Schicht verschwunden - Patina von Wind und Wetter. Das Flaschengrün des Hemdes ist an einigen Stellen noch ganz gut unter dem Belag zu erkennen. In welchem Zustand das Werk ist, dessen Wert Experten im sechsstelligen Bereich ansiedeln, müssen nun Fachleute untersuchen.

Über die Notwendigkeit einer Restaurierung hatte es im Vorfeld etliche Dispute gegeben. SPD-Ratsfrau Gerda Schnell hatte im Kulturausschuss beantragt, dass die Skulptur gewartet und gegebenenfalls restauriert werden müsse. Sie fürchtete, das Kunstwerk könne verrotten. Und dann sei nicht nur ein wertvolles Werk zerstört, das bedeute auch ein immenses Risiko, dass die Figur herunterstürzen und Menschen verletzen könnte. Diese Ansicht hatte der Künstler Professor Stefan Balkenhol gegenüber unserer Redaktion bekräftigt.

Christian Förster, Regionalleiter Bau und Technik der Helios-Kliniken, hatte im November vergangenen Jahres dem Kulturausschuss anhand einer Fotodokumentation versichert, dass die Skulptur kein Sicherheitsrisiko darstelle. Dabei bezog er sich speziell auf zwei Untersuchungen von 2005 und 2014 und erklärte, dass die Haustechnik alle drei Jahre einer Sicherheitskontrolle durch eine "optische Inaugenscheinnahme" unterzogen würde - auch die Kunst.

Unklarheiten gab es auch über die Zuständigkeit für die Wartung der Kunst. Die Skulptur ist 1995 für die Städtischen Krankenanstalten erworben worden und mit dem Verkauf an Helios in deren Besitz übergegangen. Jetzt hat sich ein privater Spender, der anonym bleiben möchte, bereiterklärt, die Kosten zu übernehmen. Der Financier ist nicht das einzige Geheimnis, das den "Mann mit grünem Hemd und grauer Hose" umgibt. Auch über sein Reiseziel herrscht Stillschweigen. "Wir wissen selbst nicht, wohin wir die Skulptur jetzt bringen sollen. Wir werden kurzfristig per Anruf über den Ort informiert", sagt Liethen. Auch wenn noch nicht klar ist, ob und welche Schäden am Objekt entstanden sind und wie lange die Restaurierungsarbeiten dauern werden - so viel steht fest: Der "Springer" wird seinen Stammplatz auf dem Dachfirst des Klinikgebäudes A2 wieder einnehmen. Das war vor dem Umbau der Helios-Kliniken die Herz- und Thoraxchirurgie und ist nun Kinderklinik. In der Krefelder SPD gibt es deshalb bereits den leisen Wunsch, dass dem Drei-Meter-Mann vielleicht noch eine kleine Balkenhol-Skulptur an die Seite gestellt werden könnte...

Quelle: RP
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