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Krefeld
Beetpaten kämpfen gegen Müll und Zerstörung

Krefeld. Zwei Initiativen an der Lindenstraße und Lewerentzstraße bringen Straßenbeete zum Blühen. Heute feiern sie ihr Einjähriges. Von Carola Puvogel

Rund 40 Straßenbeete in der Krefelder Innenstadt sind durch das Engagement von Anwohnern zu blühenden Mini-Gärten umgestaltet worden. Zwei Initiativen, eine an der Lindenstraße und die andere an der Lewerentzstraße, kämpfen seit einem Jahr gegen Hundekot, Zerstörung und wilde Müllablagerungen. Mit Erfolg: Die Beete, die mit großer Konsequenz gepflegt und gesäubert werden, bleiben jetzt meist davon verschont, als Hundeklo oder Mülleimer missbraucht zu werden.

Die Skepsis unter den Nachbarn war groß, als Dagmar Reinke-Stephann und ihr Mann Georg Stephann vor rund einem Jahr für die Idee Werbung machten, die heruntergekommenen Beete an der Lindenstraße in Schuss zu bringen. "Wir haben dann versuchsweise mit dem Beet vor unserem eigenen Haus begonnen", erzählt Dagmar Reinke-Stephann. Denn, um die Nachbarn überzeugen zu können, habe man Erfolge vorweisen müssen. "Wir haben das Beet gesäubert und jeden Tag ganz konsequent ein ganz enges Pflege-Raster eingehalten." Es funktionierte. Georg Stephann erklärt das Prinzip mit dem "Broken-Window Phänomen": Wenn ein Fenster in einem leer stehenden Haus zerbrochen ist, kann das später zu völliger Verwahrlosung führen. Übertragen auf Straßenbeete heißt das: Wo ein Hundehaufen ist, kommen noch mehr hinzu, wo Müll bereits liegt, wird mehr Müll hingeworfen. Die konsequente Pflege habe dazu geführt, dass Passanten mehr Respekt zeigten. Das überzeugte schließlich auch die Nachbarn, von denen mittlerweile rund 20 mitziehen und Beete pflegen.

Alle Beete wurden auch neu bepflanzt. Anfangs mussten die Beetpaten immer wieder Lehrgeld zahlen. "Ich wollte im Beet vor unserem Haus gern Rosen pflanzen", erzählt Reinke-Stephann. "Ich habe 40 Stöcke gesetzt, davon waren nach zwei Tagen die meisten geklaut, am Ende sind genau vier übrig geblieben." Die Schlussfolgerung: Es darf auch nicht zu schön sein. Um Pflanzendiebe abzuschrecken, habe es sich auch bewährt, Dornensträucher zu pflanzen oder Stauden an stacheligen Rosenzweigen aufzubinden. Mittlerweile haben die Eheleute viel Erfahrung mit dem, was geht und was nicht geht. In ihrem Garten haben sie eine kleine private Pflanzenschule eingerichtet, ziehen Stecklinge, teilen Stauden und bereiten sie aufs Auspflanzen vor.

Viele Pflanzen wurden gespendet, Unterstützung von der Stadt habe man keine bekommen. Georg Stephann freut sich besonders darüber, dass die Böden in den Beeten viel vitaler geworden seien, Nahrungsquellen für Bienen bieten und dass auch die Straßenbäume von der Situation profitieren. "An warmen Tagen braucht es rund 80 Liter Wasser, um so ein Beet zu gießen", berichtet er. Weil das Ehepaar einen eigenen Brunnen hat, wurden insgesamt drei mobile Gießfahrzeuge mit Wassertanks konstruiert, mit denen die Baumpaten aus der Nachbarschaft ihre Beete problemlos versorgen können. Positiver Nebeneffekt: "Unsere Straße ist jetzt wie ein Dorf. Wo sich vorher die Leute kaum kannten, ist eine Gemeinschaft entstanden, mittlerweile machen wir sogar Ausflüge, und es gibt einen Stammtisch", berichten die Eheleute.

So weit ist man an der Lewerentzstraße noch nicht. Eine der aktiven Baumpatinnen ist Eva Scheller. Seit April hat sie Anwohner beim Bepflanzen von 15 Beeten beraten und unterstützt, die Beetpaten sorgen in Eigenregie für die Pflege. Die Gärtnerei Kronenberg von der Martinstraße hat die Anwohner mit großzügigen Spenden von Saisonblühern unterstützt.

Sorge macht Heller, dass es auf der gesamten Straße keine geeigneten Fahrrad-Abstellmöglichkeiten, zum Beispiel für die Kinobesucher gibt. "So erleben wir viel Zerstörung, weil die Leute ihre Räder rücksichtslos ins Beet stellen, um sie an den Bügeln festzumachen." Jetzt wollen die Aktiven für Fahrradbügel sammeln. Die Stadt hat erklärt, dass diese rechts und links des Alexanderplatzes montiert werden dürfen. Auch für sechs zusätzliche Abfallbehälter kämpft die Initiative. Dort, wo Eimer fehlten, würden Beete besonders stark vermüllt - frustrierend für die Beetpaten.

Quelle: RP
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