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Krefeld
Brillanz in selten gehörtem Oratorium

Krefeld: Brillanz in selten gehörtem Oratorium
Festliche Stimmung in der voll besetzen Josefskirche: Der Crescendo-Chor und das Rheinische Oratorienorchester begeisterten das Publikum mit einer klangschönen Interpretation von Gottfried August Homilius' einzigem Weihnachtsoratorium. FOTO: Thomas Lammertz
Krefeld. Das Weihnachtsoratorium von Gottfried August Homilius und das Magnificat des Bach-Sohns Carl Philipp Emanuel sind echte Raritäten im Konzertwesen. In der voll besetzten Kirche St. Josef erlebten die Zuschauer diese beiden höchst unterschiedlichen Werke in schönster Aufführung. Der Schlussapplaus wollte nicht enden. Von Heide Oehmen

Das Konzert am 4. Adventssonntag in der Kirche St. Josef gehört seit Jahren zu den begehrtesten Angeboten im Krefelder Musikleben - auch diesmal war in dem weiten Sakralraum jeder Platz besetzt. Denn es gab einen raren Genuss.

Kantor Heinz-Peter Kortmann hatte zwei Werke ausgesucht, die selten oder fast nie zu hören sind: das Weihnachtsoratorium von Gottfried August Homilius und das Magnificat des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel. Beide Tonsetzer gelten als Vertreter der Vorklassik - sie sind beide sind im Jahre 1714 geboren, und doch trennen Welten die vorgestellten Kompositionen.

Während Homilius den volkstümlichen Text des Pfarrers Ernst August Buschmann, der das Wunder der Heiligen Nacht aus der Sicht der Hirten betrachtet, in eingängiger Melodik und begleitet von umfangreichem Instrumentarium darstellt, sind die Ansprüche bei Carl Philipp Emanuel Bach weit höher. Das betrifft sowohl den äußerst geforderten Chor als auch Orchester und Solisten. Vielleicht ist das der Grund, dass man dieses wertvolle Opus kaum einmal live vorgetragen erleben kann.

Die jugendliche klangliche Frische und die zupackende, dennoch immer kultivierte Art, womit der Crescendo-Chor Krefeld immer wieder beglückt, überstrahlte auch diesen Oratorienabend. Intonations- und Höhensicherheit (vor allem die Soprane in der Schlussfuge und im Magnificat!) und klare Diktion sind weitere Tugenden der sich von Konzert zu Konzert steigernden Chorgemeinschaft.

Das nicht nur in St. Josef geschätzte Rheinische Oratorienorchester (mit Konzertmeisterin Gabi Ziebell) wusste wieder einmal mit Wohlklang und Präzision in allen Instrumentengruppen zu gefallen. Kortmann hatte infolgedessen wenig Mühe, die Klangkörper zu koordinieren und konnte sich mit meist zurückhaltender Zeichengebung der Interpretation widmen.

Umfangreich sind in beiden Werken die Partien der Solisten. Ewa Stoscheks lyrisch timbrierter Sopran zeigte trotz grundsätzlicher Ausgeglichenheit einige störenden Verhärtungen in der nicht immer freien Höhe.

Mark Heines' kräftiger Tenor gestaltete die Rezitative stilsicher und bestens differenziert und bewältigte die gefürchteten Koloraturen bei Bach bewundernswert. Doch in den höheren Stärkegraden ist seine Stimme leider starr und eindimensional. Wunderschön ausgeglichen und einfühlsam meisterte die Altistin Alexandra Brand ihre dankbare Arie im "Magnificat".

Seit seinem letzten Konzert in St. Josef hat Justus Seeger eine enorme Entwicklung genommen. Der junge Bass wurde zwar in seiner Homilius-Arie völlig von den viel zu lauten Trompeten zugedeckt. Er konnte aber im Magnificat ("Fecit potentiam") umso mehr überzeugen.

Die Zuhörer dankten allen Mitwirkenden mit nicht enden wollendem Applaus und freuten sich, den Eingangschor des Bach-Werkes noch einmal hören zu können.

Quelle: RP
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