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Krefeld
CDU: Blondin gewinnt überraschend deutlich gegen Zecha

Krefeld. Im Kampf um die Landtagskandidatur hat der CDU-Parteichef im ersten Wahlgang mit 33 zu 21 Stimmen gewonnen. Es gibt auch den Vorschlag, Zecha zum OB-Kandidaten aufzubauen. Von Jens Voss

Marc Blondin wird für die CDU in den Landtagswahlkampf um den Wahlkreis 48 ziehen. In einer Kampfkandidatur setzte sich der CDU-Parteichef gestern Abend bei einer Delegiertenversammlung gegen CDU-Ratsherr Michael Zecha unerwartet deutlich schon im ersten Wahlgang mit 33 zu 21 Stimmen durch (bei einer Enthaltung). Blondin galt im Vorfeld als angezählt. Nach zwei verlorenen Kommunalwahlen gärte es in der Partei; es gab Anzeichen für die Sehnsucht nach einem Neuanfang. "Ich bin oft unterschätzt worden", sagte Blondin in seiner Bewerbungsrede vor den 55 Delegierten - gestern jedenfalls hatten ihn all die unterschätzt, die mindestens mit einem ähnlich knappen Ergebnis rechneten wie am Tag zuvor bei der Wahl von Britta Oellers zur CDU-Landtagskandidatin für den Wahlkreis 47.

Michael Zecha hat sich in seiner Bewerbungsrede nicht auf landespolitische Themen beschränkt: Er versicherte Blondin, dass er ihn menschlich schätze, und legte dann eine Abrechnung mit Versäumnissen und Schwächen in der Krefelder CDU vor. Dieser erste, gewichtige Teil seiner Rede war ein langes Plädoyer für eine Reform der Partei, für Neuansätze, mehr Struktur und Effizienz in der Arbeit und der Ansprache der Menschen. Zecha skizzierte einen Fünf-Punkte-Plan, um der CDU wieder mehr "Strahlkraft und Glanz", "mehr Ecken und Kanten" zu geben: Profil und Strategie schärfen; engere Zusammenarbeit von Fraktion, Bezirksvertretungen und der Partei; Zusammenrücken von Jung und Alt; bessere Kommunikation und Außendarstellung sowie Stärkung des Selbstwertgefühls. Und er forderte, die Ursachen für die Wahlniederlagen "schonungslos zu analysieren".

Blondin legte andere Schwerpunkte: Naturgemäß ging er nicht auf aktuelle Schwächen der Partei ein. Geschickt griff er stattdessen Vorbehalte gegen seine Person auf: Man mag seine Ämter-Erfahrungen als Kommunalpolitiker "für wenig glanzvoll" und ihn nicht für einen Überflieger halten, aber die Partei brauche keinen Überflieger; "wir brauchen einen, der auf einer festen Grundlage steht". Der Vorwurf provinzieller Harmlosigkeit war so umgedeutet zur Tugend solider Heimatverbundenheit. "Ich bin so, wie ich bin, und werde mich nicht verstellen", sagte er später noch - wie das Ergebnis zeigt, brach er damit der Kritik an seiner Art der Parteiführung und an seiner Person die Spitze ab.

Inhaltlich entfaltete Blondins Rede etwas mehr Wucht als Zechas Beitrag, denn Blondin konzentrierte sich auf Angriffe auf die Landesregierung: Versagen bei der Inneren Sicherheit, in der Wirtschafts-, Schul- und Flüchtlingspolitik. Fast bei jeder Pointe bekam er kräftigen Applaus.

Das war bei Zecha ähnlich, zumal er im zweiten Teil seiner Rede ähnliche landespolitische Akzente ansprach, und auch er konnte damit Applaus-Punkte setzen. Doch fiel unterm Strich der Schlussapplaus bei ihm etwas schwächer aus als bei Blondin. Vielleicht lag das auch daran, dass die "schonungslose Analyse" der Schwächen, die Zecha anging, in Wahlkampfzeiten weniger gut ankommt, egal ob jemand mit seiner Analyse Recht hat oder nicht.

Am Rande der Versammlung wurde das Modell diskutiert, ob es nicht besser gewesen wäre, Blondin die Landtagskandidatur zu überlassen und Zecha zum Oberbürgermeister-Kandidaten aufzubauen.

Quelle: RP
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