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Krefeld
Der 20. Theater-Oscar: Frisch und vergnüglich

Krefeld: Der 20. Theater-Oscar: Frisch und vergnüglich
Kniefall vor einer großen Stimme: Helmut Schroers gratuliert Izabela Matula zum Theater-Oscar. Der ehemalige Leiter der Mediothek hat den Udo-Jürgens-Song "Was ich dir sagen will" auf die Sopranistin umgemünzt. FOTO: Ilgner Detlef
Krefeld. Die Finanzierung für das Gemeinschaftstheater ist für die kommenden Jahre gesichert. Eine erfolgreiche Spielzeit geht zu Ende. Die Preisträger freuen sich über erste, zweite und siebte Oscars. Die Verleihung der RP-Theater-Oscars war eine fröhliche, glanzvolle und unterhalt-same Veranstaltung. Von Heide Oehmen (Text) und Detlef Ilgner (Fotos)

Theaterfreunde lassen sich auch von hochsommerlichen Temperaturen nicht abhalten, ihre Favoriten zu feiern. So füllte sich trotz drückender Hitze draußen das glücklicherweise angenehm temperierte Café "Linol" im Theater Mönchengladbach immer mehr, und die freundlichen dienstbaren Geister um Gastronom Holger Böker versorgten die Gäste mit kühlen Getränken und köstlichen Häppchen. "Wenn man am Ende der Spielzeit schon auf den Felgen geht, ist die Oscar-Verleihung immer ein willkommener Glanzpunkt, wir empfinden ihn auch als Auszeichnung für uns alle", sagte Generalintendant Michael Grosse in seiner Begrüßung. Es war die 20. Verleihung der Theater-Oscars der Rheinischen Post. Und das Jubiläum war frisch, kurzweilig und vor allem fröhlich.

Für die seit Januar dieses Jahres als Redaktionsleiterin der RP in Mönchengladbach tätige Denisa Richters war der Abend eine Premiere, die sie sichtlich genoss. Sie hieß die Ehrengäste willkommen und übergab dann das Wort an den Mönchengladbacher Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners - nicht ohne vorher zu betonen, dass die Finanzierung des Theaters für die nächsten Jahre nun gesichert sei. Der OB dankte allen im Hause Tätigen und unterstrich die Bedeutung des Theaters.

Der Rekordhalter: Ballettchef Robert North hat seit 2005 in jedem Jahr einen Oscar abgeräumt. FOTO: Ilgner Detlef

Bevor die mit Spannung erwarteten Ehrungen begannen, trat die Gladbacher Kulturredakteurin Inge Schnettler, die sich mit ihrer Krefelder Kollegin Petra Diederichs die Moderation teilte, ans Mikrofon und gratulierte Borussia-Stadionsprecher Torsten Knippertz mit einem "Happy Birthday", in das alle Anwesenden einstimmten, zum Geburtstag.

Als bestes Ballett hatte das Publikum "Sinfonie des Lebens" gewählt. Kulturdezernent Gregor Micus (Krefeld) zeichnete stellvertretend für die ganze Ballett-Gruppe Robert North, den Ballettdirektor, aus, der in seinen Dank auch Ehefrau und Assistentin Sheri Cook einschloss.

Schauspielerin auf Wolke 7: Esther Keil erhielt ihre siebte Trophäe, Thomas Hoeps analysierte die Zahlensymbolik. FOTO: Ilgner Detlef

"Wir sind Borussia" schoss als beliebtestes Schauspiel den Vogel ab - und hier konnte es keinen besseren Laudator geben als Torsten Knippertz. Er tauschte flink sein Jackett gegen eine Borussenjacke und beendete sein gespielt aufgeregtes Statement à la Giovanni Trapattoni über die ausgezeichnete Arbeit des Theaters mit "Ich habe fertig". Großer Jubel - auch von den Geehrten Tobias Wessler und Markus Maier-Bode. Ihnen gab Knippertz als Trapattoni den Rat, wenn die Revue in der nächsten Spielzeit nach Krefeld geht, "Bloß nich mache: Wir sind KFC!"

Webdesignerin Hannah von Dahlen zeichnete Hinrich Horstkotte für das Bühnenbild von "Hänsel und Gretel" aus. Der Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner arbeitet zurzeit in Ulm in einer Freischütz-Produktion. Er wurde via WhatsApp auf einer Leinwand sichtbar und erfreute mit einem köstlich gereimten Dankesgedicht.

Adrian Linke mit seinem sechsten Oscar: "Bereit für Nummer 7". FOTO: Ilgner Detlef

Zur besten Sängerin kürten die Opernfans die Sopranistin Izabela Matula. Helmut Schroers, inzwischen pensionierter Leiter der Krefelder Mediothek, würdigte die großartige Sängerin singend und sich selbst am Flügel begleitend mit einer auf den Punkt gebrachten, gereimten Laudatio. Matula dankte mit der Arie der Elsa (aus Lohengrin), einer ihrer Glanzpartien. Karsten Seefing begleitete stilsicher am Flügel.

Krefelds Bürgermeisterin Gisela Klaer ehrte Alessandro Borghesani als besten Tänzer und brachte ihre Hochachtung gegenüber der Arbeit des Balletts zum Ausdruck.

Wiederum gefiel dem Publikum eine Musiktheater-Produktion Kobie von Rendsburgs am besten - diesmal war es "Der Barbier von Sevilla", den die Zuhörer und Zuschauer dank der Video-Projektionen einmal ganz anders wahrnehmen konnten - wie der Laudator, Journalist Dirk Richerdt, eindringlich und sogar mit kurzen Gesangsbeispielen erläuterte.

Zum siebten Mal erhielt Esther Keil den Oscar als beste Schauspielerin, doch - wie Thomas Hoeps, Leiter des Mönchengladbacher Kulturbüros und in Krefeld lebender Autor, erklärte, nicht, weil dem Publikum sonst niemand einfiele, sondern weil diese Schauspielerin überaus wandlungsfähig sei.

Auch Tänzerin Elisa Rossignoli, die vom Mönchengladbacher Kulturdezernent Gert Fischer geehrt wurde, hat nun zu ihrer großen Freude bereits den vierten Oscar. - Auf sechs Auszeichnungen bringt es inzwischen Schauspieler Adrian Linke, für den die Schriftstellerin Susanne Goga bewundernde Worte fand.

Zum ersten Mal unter den Ausgezeichneten war der Sänger Johannes Schwärsky, und auch Laudatorin Julia Polziehn war erstmalig zu erleben. Ihre kundige und humorige Lobrede auf den sichtlich gerührten Bass-Bariton war großartig. Das Schubertlied "O holde Kunst" sang Schwärsky zum Dank.

Zum Schluss steigerte sich noch einmal die Spannung: Wem würde Michael Grosse den Ehren-Oscar überreichen? Die Wahl war auf die Soloflötistin Bettina Landmann gefallen, die nicht nur 37 Jahre lang diese Position bei den Niederrheinischen Sinfonikern innehatte, sondern sich auch in vielen sozialen Belangen, Orchester und Theater betreffend, und für die Jugendförderung eingesetzt hat.

Den kurzweiligen, hoch interessanten Abend ließen die Gäste im Linol gemütlich ausklingen.

Quelle: RP
 
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