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Krefeld
Die Reinemacher aus dem Internet

Krefeld: Die Reinemacher aus dem Internet
Die Teilnehmer an der Müllsammelaktion: Ralf Duhr, Bettina Wanner, Sandra Trilling-Wehr, Marsha Glauch, Mira Katja Dittrich, Sven Heuer, Bettina Liebsch (v.l.) FOTO: svs
Krefeld. Eine Gruppe Krefelder möchte etwas gegen den überall verstreuten Müll unternehmen. Über Facebook verabredeten sie sich nun zum Müll sammeln, was sie wöchentlich tun wollen. Der Ertrag ist - im negativen Sinne - beeindruckend. Von Sven Schalljo

Immer mehr wächst das Bewusstsein dafür, wie wir unsere Umwelt mit Müll belasten. Videos von Tauchern, die durch Buchten voller Müll tauchen, gingen in den vergangenen Wochen durch die sozialen Netzwerke "viral". Und auch viele Menschen nehmen Müll in der Natur, in Parks, aber auch in der Stadt, immer mehr als störend wahr, fühlen sich aber machtlos gegen die Flut an Abfall. Eine Gruppe Krefelder aber möchte sich damit nicht länger abfinden. Sie verabreden sich nun über Facebook, um auf ausgedehnten Spaziergängen Müll zu sammeln.

"Ich denke, jeder spielt seine Rolle und jeder kann sein Scherflein dazu beitragen, die Dinge zu ändern", sagt Initiatorin Mira Katja Dittrich. Die Logopädin sprach Freunde und Nachbarn an und suchte auf dem sozialen Netzwerk Mitstreiter. Schnell beteiligt war die Krefelder Kunsthändlerin Bettina Liebsch. "Für mich ist es selbstverständlich, dass ich Müll aufhebe, wenn ich ihn sehe. Darüber habe ich nie groß nachgedacht. Aber in so einer Aktion sieht man erst, wie viel Müll wirklich herumliegt. Außerdem kommt jedes Teil, was wir hier aufsammeln, nicht ins Meer, um dann in Fische und Vögel und am Ende unsere Nahrung zu gelangen", sagt die 47-Jährige.

Insgesamt 21 Personen fanden sich beim ersten Termin ein und trafen sich am Parkplatz auf der Duisburger Seite der Rheinbrücke der B288. Gute zwei Stunden sammelten sie und der Ertrag ist regelrecht erschütternd. 19 Müllsäcke voll Abfall, dazu alte Stühle, zwei Autoreifen, Kanister und Flaschen fanden sie. Alles legten sie auf einen Haufen neben einer Mülltonne und kontaktierten dann die Duisburger Entsorgungsbetriebe. Dort wurde die Aktion sehr wohlwollend aufgenommen und die Verantwortlichen versprachen, für eine baldige Beseitigung zu sorgen.

Liebsch hat nun regelrecht Feuer gefangen. Gemeinsam mit Fotografin Marsha Glauch und ihrer Grafikerin Henriette Kröger will sie nun auch die Außendarstellung vorantreiben. "Ich habe mich sogar eigens dafür auf Instagram angemeldet", erzählt sie lachend. Vorläufig will sich die Gruppe jeden Sonntag treffen. Zunächst an gleicher Stelle am Parkplatz neben der B288. Später wollen sie dann das Krefelder Rheinufer und im weiteren Verlauf auch andere Orte säubern. Möglichkeiten dafür gibt es leider genug. Doch auch der Andrang ist groß. Viele Menschen wollen sich beteiligen. Beim ersten Treffen meldeten sich viele Teilnehmer kurzfristig noch aufgrund der Grippewelle, die sie erwischt hatte, ab. "Es sieht so aus, dass wir bei den nächsten Malen noch mehr werden", sagt Liebsch hoffnungsfroh.

Sie würde sich auch wünschen, dass sich weitere Gruppen finden, die Gleiches an anderen Orten tun. Wichtig ist ihr auch, dass Felder gereinigt werden. "Die Landwirte haben keine Zeit, sie pflügen den Müll meist einfach unter und wir haben ihn dann in unserer Nahrung", sagt sie. Sie legt aber auch Wert darauf, dass die Gruppe nicht aus "Öko-Spinnern" bestehe. Die Berufe reichen von Kunsthändlerin über Logopädin, Personal Fitness-Trainerin und Fotografin bis zum Presswerker. Die Herangehensweise ist organisiert, die Zusammenarbeit mit den Entsorgungsbetrieben eng.

"Wir sind einfach Menschen, die ihren Beitrag leisten wollen, die nicht hinnehmen wollen, wenn Dinge nicht so laufen, wie wir uns das wünschen", sagt Dittrich. Gerade sie sprach auch während der Aktion immer wieder Passanten an. Viele davon gaben große Zustimmung, einige reagierten beschämt, weil sie selbst nichts tun. Wieder andere waren spontan mit dabei und machten sich, von der Gruppe mit Müllbeuteln ausgerüstet, auf die Jagd nach Abfall.

Doch es gab auch ablehnende Reaktionen. "Manche meinten, das sollten doch Gefängnisinsassen tun", erzählt Liebsch kopfschüttelnd. Den Hinweis, dass diese den Abfall hinter Gittern nicht sähen, habe sie sich nicht verkneifen können. Auch wenn manche Menschen sich beschämt abwenden, wenn die Gruppe Müll aufliest, sie lassen sich nicht beirren und werden weiter machen. Nachahmung ist dabei jederzeit erwünscht.

Quelle: RP
 
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