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Krefeld
Durchs Westernreiten zurück ins Leben

Krefeld: Durchs Westernreiten zurück ins Leben
Ein Mann und sein Pferd: Jens Riskes verbindet mit "Cinderella" eine innige Freundschaft. Durch das Reiten habe ich zurück ins Leben gefunden", sagt der 41-Jährige, der nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist. FOTO: Samla
Krefeld. Ingo Riskes ist nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt. Durch den Sport findet er seine Lebensfreude wieder. Von Sven Schalljo

Es ist Samstagnachmittag, die Sonne scheint und es fühlt sich wärmer an, als es tatsächlich ist - 16 Grad. Countrymusik schallt aus der Lautsprecheranlage. Überall im Pferdesportzentrum Krefeld sind Menschen, darunter viele Mädchen und Frauen, in Westernkleidung inklusive der obligatorischen Hüte zu sehen. Und natürlich Pferde.

Mitten in dem Trubel sitzt Ingo Riskes. Auch er ist wie ein Cowboy gekleidet. Doch einen großen Unterschied gibt es, denn Ingo Riskes sitzt im Rollstuhl. Seit einem Schlaganfall im Jahr 2013 ist der 41-Jährige halbseitig gelähmt. Und doch wirkt er nicht wie ein Fremdkörper. Im Gegenteil. Er ist ein fester Teil der Western-Gemeinde.

Und natürlich ist er auch beim Western-Turnier an diesem Wochenende mit dabei, als Turnierteilnehmer. "Ingo ist ein Paradebeispiel dafür wie der Reitsport, vor allem das Westernreiten, helfen kann", sagt Stallbesitzerin Brigitte Dreßen. "Als er hier anfing, mussten wir ihn mit fünf Leuten aufs Pferd heben, heute reitet er alleine aus. Es ist einfach toll, solche Fortschritte zu sehen."

Für Ingo Riskes ist der Reitsport das Wichtigste überhaupt. "Ich bin praktisch auf einem Pferd geboren worden. Meiner Mutter ist beim Reiten die Fruchtblase geplatzt", erzählt er und lacht. Doch dann wird er nachdenklich.

"Nach meinem Schlaganfall war es mit dem Reiten vorbei. Ich dachte, ich könne nie wieder auf einem Pferd sitzen. Aber dann habe ich hier angefangen, und es ist einfach toll, wieder reiten zu können. Ohne Familie Dreßen und das Westernreiten wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich kann wirklich sagen: Durch das Reiten habe ich zurück ins Leben gefunden." Auch am Rahmenprogramm des Turniers nimmt er teil. Er ist ein fester Bestandteil der "Familie", als die sich die Westernreiter sehen. Natürlich will jeder beim Turnier seine beste Leistung abrufen und gewinnen. Aber jeder gönnt auch anderen den Erfolg. Abends übernachtet etwa ein Drittel der Teilnehmer auf dem Hof. Es gibt ein Lagerfeuer, Musik und Spiele. Und fast jeder kennt auch Ingo.

Er selbst freut sich auf diese Veranstaltung - aber auch ganz besonders auf das Pferd. Zwischen ihm und Cinderella ist eine wirkliche Freundschaft entstanden. "Ich vertraue ihr und sie mir. Wenn wir ausreiten und sie etwas nicht tun möchte, dann ist das richtig, dann gehen wir einen anderen Weg. Wir sind ein Team." Durch eine spezielle Vorrichtung am Zügel kann er auch mit nur einer Hand sehr gut reiten. Bei den Turnieren startet er nicht etwa in einer eigenen Klasse, sondern tritt gegen Menschen ohne Handicap an, in derselben Klasse und bewertet nach denselben Maßstäben. Zuletzt feierte er einen dritten und einen fünften Platz, wie er stolz berichtet.

Als schließlich Cinderella gebracht wird und er sich auf seinen Liebling setzen kann, leuchten Ingos Riskes Augen. Mit einem Hocker und ein wenig Hilfe kann er aufsteigen. Dann reitet er eigenständig weiter. Das Pferd und er sind eine Einheit, sie verstehen sich blind.

Fast jeden Tag ist der 41-Jährige im Reitstall, und seine Gesundheit bessert sich stetig und sichtbar. Und so wird er auch weiter reiten und auf Turnieren starten - und gemeinsam mit Cinderella seine Behinderung Stück für Stück überwinden.

Quelle: RP
 
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