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Krefeld
Ein Glücksgriff für das Badezentrum

Krefeld: Ein Glücksgriff für das Badezentrum
Der 25-jährige Yamen Mourad gehört seit dem 29. Juni zum Badteam in Bockum. FOTO: Samla
Krefeld. Mit Yamen Mourad hat das Badezentrum Bockum nicht nur einen Berufsorientierungspraktikanten gefunden. Der 25-jährige Syrer hilft, Sprachbarrieren abzubauen. Er studierte in seiner Heimat Biologie, spricht Arabisch und Englisch. Von Bianca Treffer

An die erstaunten Blicke, wenn Yamen Mourad die Badegäste im Badezentrum Bockum in arabischer Sprache anspricht, hat sich der 25-Jährige schon gewöhnt. "Die Menschen rechnen nicht damit, dass sie in ihrer Heimatsprache angesprochen werden", sagt Mourad, der in seiner roten kurzen Hose, dem weißen Polohemd mit dem Logo des Schwimmbades und den Latschen seit dem 29. Juni zum Badteam gehört. Der Syrier absolviert ein dreimonatiges Orientierungspraktikum im Badezentrum Bockum. Ein Glücksfall für ihn, aber auch für das Bad. Sabrina Buttler, Ausbildungsleiterin bei der Stadt Krefeld, spricht von einer Win-Win-Situation.

Auf der einen Seite kann Mourad in den Beruf hinein schnuppern. Auf der anderen Seite steht gerade den Flüchtlingen, die das Bad besuchen, ein Ansprechpartner zur Seite, der ihre Sprache beherrscht und dementsprechend Baderegeln erklären kann, Informationen weitergibt und als Dolmetscher fungiert. Schon im Frühjahr setzte sich der Fachbereich Sport und Bäder der Stadt Krefeld mit dem Problem auseinander, dass bedingt durch die Flüchtlinge auch etliche Menschen anderer Nationalitäten, die kein Deutsch sprechen und einer anderen Kultur angehören, die Badeeinrichtungen besuchen würden. "Wir haben direkt versucht, die Kommunikationsdefizite durch aussagekräftige Grafiken aufzufangen sowie Aushänge in neun Sprachen gemacht", sagt Dieter Porten vom Fachbereich Sport und Bäder.

Sicherheit im Schwimmbad ist das Thema Nummer eins, alle müssen die Badregeln kennen und akzeptieren. Vor dem Hintergrund erschien es allen sinnvoll, aus dem Kreis der Flüchtlinge einen Praktikanten zu finden, der gerne den Beruf des "Fachangestellten für Bäderbetriebe" kennenlernen wollte. Die verschiedenen Fachbereiche der Stadt Krefeld verzahnten sich miteinander, und über die Volkshochschule erfolgten Aushänge in den Sprachkursen.

Auf diesem Weg kamen die Bewerber zusammen, wobei sich die Stadtverwaltung letztendlich für den 25-jährigen Syrer entschied, der in seiner Heimat Biologie studiert hat, Arabisch und Englisch spricht und seit knapp 16 Monaten in Deutschland lebt, was bereits zu guten Deutschkenntnissen geführt hat.

Ein Glücksgriff, sind sich alle einig. Mit seiner freundlichen und ruhigen Art, seiner Hilfsbereitschaft sowie dem herzlichen Lächeln kommt Mourad bei den Badbesuchern bestens an. Die Kollegen sind nicht weniger begeistert. Das drückte sich unter anderem darin aus, dass sie alle Geld spendeten, um Mourad ein gebrauchtes Fahrrad kaufen zu können. Mit diesem radelt er jetzt an fünf Tagen in der Woche die fünf Kilometer von der Unterkunft in der Uerdinger Turnhalle, wo er lebt, ins Badezentrum. "Mir macht die Arbeit viel Spaß. Ich würde mich sehr freuen, wenn es hier mit einer Ausbildungsstelle klappen würde", sagt der Syrer.

Quelle: RP
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