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Krefeld
Gänsehaut-Momente auf der Rennbahn

Krefeld: Gänsehaut-Momente auf der Rennbahn
Mitorganisatorin Alex Funke und ihre Bandkollegen von Alex's Kept Secret brannten ein New-Urban-Soul-Feuerwerk ab. FOTO: Mai
Krefeld. Eine gelungene Premiere für das Festival "Music Made in Krefeld". Von Dieter Mai

Schon am Eröffnungstag begeisterte das neu ins Leben gerufene Festival "Music Made in Krefeld" mit starkem, abwechslungsreichem Musikprogramm und stimmungsvoller Atmosphäre. Der stilistische und qualitative Reichtum der Krefelder Bandszene ist für Eingeweihte schon lange ein offenes Geheimnis. Nachdem bereits im November der vom Fotografen und Musiker Philip Lethen kuratierte Sampler "Music Made in Krefeld" erschien, feierte jetzt in der Krefelder Rennbahn das gleichnamige Festival Premiere.

Gleich der Beginn des Abends wartete mit einem echten Highlight auf. Das in den späten 1970er Jahren gegründete Elektronik-Duo You zählt zu den Pionieren seines Genres. Udo Hanten und Albin Meskes erzeugten einen wunderbar sphärischen und pseudo-analogen Synthie-Sound. Da ließen einerseits Klaus Schulze, Kraftwerk und Tangerine Dream freundlich grüßen, zugleich wurde allen anwesenden Ambient- und Techno-Freunden ganz warm ums Herz. Konnte man doch spüren wo die Ursprünge aller elektronischer Popmusik liegen. Gänsehaut-Momente zum Auftakt.

Mit einer weiten Reminiszenz an die deutsche Pop-Historie ging es munter weiter im Programm: Les Terroritas plünderten ebenso scham- wie hemmungslos die Deutsche-Welle-Mottenkiste um kurz darauf schräg-chansonesque Töne anzuschlagen. Charmante Protestsong-Parodien trafen auf schmerzfreien Schlager-Trash. Unter Genre-Berührungsängsten leiden die Terroritas offenkundig ebenso wenig wie unter der in einem Song beschriebenen "Wortfindungsstörung". Die Organisatoren - neben Lethen die Sängerin Alex Funke (Alex's Kept Secret) und Musikerkollege Oliver Denkes (Construction Set) - konnten mit dem Stadtmarketing und der Aktion "Krefelder Perspektivwechsel" potente Unterstützer gewinnen. Bürgermeister Frank Meyers ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, persönlich ein Grußwort an Publikum und Veranstalter zu richten: "Lasst uns zusammen feiern, was die Musikszene in Krefeld zu bieten hat!" Auch Rennbahn-Betreiber Volko Herdick dessen Location der hochkarätig besetzten Veranstaltung den adäquaten Rahmen bot, war voll des Lobes: "Viele gute Leute hier, tolle Stimmung." Erfrischend konventionellen Rock, mehr Mainstream als Indie, boten Minor Cabinet. Stimmgewaltig und mit viel Soul trug Frontmann Julian Jasny die Songs der Band vor, an seiner Seite Robert Kaber mit starkem Auftritt an der Gitarre. Für die Freunde der etwas schrägeren Töne hatte "Very Special Guest" Thomas Truax seine Ein-Mann-Bühne auf der Empore aufgebaut. Markenzeichen des gebürtigen New Yorkers mit Wahlheimat London, zeitweise auch Krefeld: selbstgebaute mechanische Rhythmusmaschinen, zu deren Taktvorgaben er seine melancholisch-schrägen Indie-Pop-Balladen vorträgt. Funky, sexy und extrem tanzbar: Als Mitorganisatorin Alex Funke und ihre Bandkollegen von Alex's Kept Secret ihr New-Urban-Soul-Feuerwerk abbrennen, kommt Bewegung ins Publikum, das die Band folgerichtig gebührend feiert. Ähnlich energiegeladen aber eine ganze Stufe düsterer: die Performance von SMOT, der aktuellen Band des ehemaligen Dear-Wolf-Gitarristen Martin Smeets mit Frontfrau Silja Steffestun-Gottschalk. Das Horst Hansen Trio präsentierte seinen energiegeladenen Power-Fusion-Jazz mit überbordender Spielfreude und großem technischen Können. Irgendwie komplett aus der Zeit gefallen und gerade dadurch brillant und etwas ganz Besonderes. Ebenso wie Björn Gögge, der dem Abend mit meditativen Piano- und Elektronikklängen einen wunderbaren Ausklang bescherte.

Quelle: RP
 
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