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Krefeld
Gespensterdebatte um das Seidenweberhaus

Krefeld. Manchmal fragt man sich schon, wie ernst das Wort vom Nothaushalt eigentlich zu nehmen ist. Krefeld steckt nun im dritten Jahr in eben diesem Dilemma.

Es fehlen 40 bis 50 Millionen Euro im Jahr bei den laufenden Ausgaben, und dennoch wird in der Stadt über die Frage debattiert, ob man nun 20, 35 oder 45 Millionen Euro zur Sanierung des Seidenweberhauses ausgeben soll, kann, darf oder muss. Nahezu unbestritten ist dabei das Credo, dass Krefeld eine solche Halle braucht. Nur die Grünen haben es bisher gewagt, öffentlich zu fragen, ob man das Gros der Seidenweberhaus-Veranstaltungen nicht auch in den bestehenden Hallen in Krefeld absolvieren könnte.

Dabei passt zurzeit beides nicht zusammen. Das Ziel von Kämmerer Ulrich Cyprian, vom Rat noch im März einen Beschluss für einen Sparhaushalt zu bekommen, um dann bis 2018 den Haushalt zu sanieren, wird in der Politik als überaus ambitioniert betrachtet. Gewichtige Stimmen plädieren dafür, den Sparprozess zu strecken. Im Klartext: Niemand will so hart sparen, dass der Haushalt bis 2018 saniert ist. Das wiederum passt schlecht zu dem Szenario, das Seidenwebeherhaus bis 2019 haarscharf am Laufen zu halten und dann neu zu bauen oder groß zu sanieren.

Ist es also denkbar, eine 20-bis-45-Millionen teure Investition zu starten, wenn die Stadt noch ihren Haushalt saniert? Oder ist es denkbar, dass eine Stadt, die mit Müh und Not gerade ihren Haushalt saniert hat, gleich mit einem fröhlichen "Das sind wir uns schuldig" auf den Lippen eine solche Millionen-Investition lostritt?

Die Antwort lautet erstaunlicherweise: Ja klar, warum denn nicht? Heißt für den Beobachter: So dolle kann das ja nicht sein mit der Not.

Ein bisschen erinnert das Ganze an einen Mann, der seine Miete nicht mehr bezahlen kann, bei Essen und Kleidung spart - und zugleich überlegt, ob er sich nun ein mittelneues, ein neues oder ein superneues Auto kauft. Im Idealfall würde ein guter Freund diesem Mann fürsorglich die Prospekte aus der Hand nehmen und ihm behutsam verklickern: Junge, du führst da gerade mit dir selbst eine nette Gespensterdebatte um Geld, das du nicht hast, für ein Auto, dass du dir nicht leisten kannst.

Was im Privaten Kopfschütteln auslösen würde, stellt offenbar im staatlichen Wirtschaften kein Problem dar. Wir haben uns wohl damit abgefunden, dass wird neben den direkten Steuern einen Apparat aus Gebühren und Abgaben füttern müssen, die allesamt verkappte Zweitsteuern sind und zur Entschuldung der Stadt und des Staates beitragen.

Quelle: RP
 
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